Bebel Gilberto – Momento - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 01.03.2007


Bebel Gilberto – Momento
Tatjana Zilg

Elegante Bossa Nova Klänge begegnen Electro-Beats, Pop-Melodien und jazzigen Trompeten. Die Weltenwanderin bedient sich stilsicher musikalischer Bezüge aus London, New York und Brasilien ...




In New York City, der Wolkenkratzerstadt mit dem rasant schnellen Tempo, hat die Tochter von Bossa Nova–Legende João Gilberto ihren Hauptwohnsitz. Brasilien bleibt die Heimat ihres Herzens. Das musikalische Esprit Londons führt sie immer wieder in die Nähe der Themse, um ihre magisch schönen Alben aufzunehmen. Dem dritten Solowerk gab sie den treffenden Namen „Momento“: Es besticht mit 11 sanften, graziösen Momentaufnahmen aus dem weiten Blickfeld einer erfahrenen Musikerin, die an vielen Orten zu Hause ist und die Impressionen eines modernen Vagabundentums in herzerfrischende Songperlen verwandelt. Unterstützung bekommt sie dabei von einigen auserlesenen Gleichgesinnten.

Da wäre zum Beispiel Didi Gutman, den Bebel Gilberto im kulturellen Schmelztiegel New York traf. Der Argentinier ist hauptberuflich Mastermind der Brazilian Girls, einer Band, die dem Wort Electro-Jazz viel von seiner Strenge und Verklausuliertheit genommen hat. Mit Bebel Gilberto entwarf er den Dancefloor-Stürmer „Bring Back The Love“, ein federleichter House-Groove, der dem sich katzenhaft anschmiegenden, hauchzarten Gesang der Bossa Nova–Prinzessin ein ganz neues Gesicht verleiht. Dass der Refrain in Englisch gesungen wird, die restlichen Lyrics aber im brasilianischen Portugiesisch, ist etwas gewöhnungsbedürftig. Ohne Frage hat die Sprache des lateinamerikanischen Landes aber einen ganz besonderen Reiz: Weich akzentuiert, poetisch wohlklingend und an Sonne, Meer und Tanz erinnernd. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Texte sich kritisch mit sozialen Themen auseinandersetzen. Brasilien ist auch das Land der extremen Kontraste in Landschaft, Kultur und Sozialstruktur.

Eines der bekanntesten Export-Güter Brasiliens bleibt nach wie vor der Samba mit seinen lebendigen Grundrhythmen, die mit ihrer temperamentvollen Dynamik weltweite Beliebtheit erlangt haben. Gemeinsam mit dem Big Band Orquestra Imperial aus Rio de Janeiro nahm Bebel Gilberto „Tranquilo“ auf. Mit Bläsersätzen und Trommelspiel orientiert sich der Track an Salsa-Blockpartys spanischsprachiger EinwanderInnen in Harlem. Mit dem dazugehörigen Text will sie alle Übel der Welt scheinbar mit einem Schlag beseitigen. Der Angst vor der Armut, dem physischen Schmerz, der Trauer und dem Unbehagen setzt sie im Refrain ein trotziges Statement entgegen: „Ich habe keine Angst vor der Welt und vor dem Tod, ich werde mir keine Sorgen machen.“

„Os Novos Yorkinos“ dagegen erzählt vom Feiern in New York. Die angenehm dahinschwebende Melodie, die von Akustik-Gitarren-Akkorden und einem mehrstimmigen Background-Refrain begleitet wird, könnte aber genauso von einer Strandparty in Rio de Janeiro inspiriert sein.

Das Wechselspiel musikalischer Referenzen zu betonen, ist Bebel Gilberto besonders wichtig. World Music sollte nicht einseitig als Annäherung an die Populärmusik durch die traditionellen Genres der südlichen Kontinente gesehen werden.

„Engländer wie Everything But The Girl oder Gilles Peterson haben sich alle auf brasilianische Musik bezogen. Sie entdeckten Blickwinkel, auf die man in Brasilien selbst womöglich gar nicht gekommen wäre, Os Mutantes haben dasselbe andersherum mit angloamerikanischen Rock veranstaltet. Von solchen Wechselwirkungen profitiert die Musik allgemein.“

AVIVA-Tipp: Ein frühlingshaftes Album, mit dem die ersten sonnigen Tage noch intensiver genossen werden können.

Mehr zu Bebel Gilberto im Netz: www.bebelgilberto.com

Bebel Gilberto
Momento

Label: V2 Records; VÖ März 2007
EAN: 5033197445229
18,49 Euro
90008115&artiId=6183908" target="_blank">bestellen


Kunst + Kultur

Beitrag vom 01.03.2007

AVIVA-Redaktion 






AVIVA-News bestellen
  AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter



Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Mit Dr. Lea Wohl von Haselberg, Veronika Kracher, Dr. Ingrid Strobl, Dr. Michal B Ron. Moderiert von Sharon Adler. Im Rahmen der Ausstellung mit Werken von Elianna Renner und Sharon Paz bei alpha nova & galerie futura

fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen

Iris Schürmann-Mock – Frauen sind komisch. Kabarettistinnen in Porträt

. . . . PR . . . .

Iris Schürmann-Mock - Frauen sind komisch
Liesl Karlstadt, Valeska Gert, Maren Kroymann, Carolin Kebekus ... In zehn ausführlichen und fünfzig kurzen Porträts stellt die Journalistin und Autorin die Königinnen der Kleinkunst vor. Ihre Disziplinen: Comedy, Poetry Slam, Tanz, Pantomime, Chanson, Rap.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.aviva-verlag.de

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris

. . . . PR . . . .

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris
Biografische Porträts der Fotokünstlerinnen, Porträtfotografinnen und Fotoreporterinnen Marianne Breslauer, Gisèle Freund, Dora Maar und Lee Miller im Paris der 1920er und 1930er Jahre.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.ebersbach-simon.de


Kooperationen

GEDOK-Berlin
Paula Panke
RuT - Rad und Tat e.V.
Begine