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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 10.06.2006


Persian Cyclamen
AVIVA-Redaktion

Die Galerie lorch+seidel zeigt in der ersten Einzelausstellung (10. Juni - 26. August 2006) der israelischen Künstlerin Dafna Kaffeman in Berlin Arbeiten aus drei unterschiedlichen Serien.




In den beiden Serien Wolves und Tactual Stimulation werden psychologische Aspekte angesprochen. Gefühle der Angst und Bedrohung werden wachgerufen oder der kindhafte Drang, ein unbekanntes Objekt durch Berühren zu erforschen. Das Hauptaugenmerk der Ausstellung liegt jedoch auf der jüngsten Serie der Künstlerin. Der Name dieser Serie, Persian Cyclamen (lat. Cyclamen persicum, dt. Alpenveilchen), ist gleichzeitig Titel einer Einzelarbeit und auch der Ausstellung. Die Botschaft der Serie Persian Cyclamen ist politischer Natur. Mittels Text und Skulptur wird die aktuelle Situation in Israel untersucht.

Für jede Arbeit ist eine in Israel verbreitete Pflanze ausgewählt, sie wird in Glas reproduziert und auf einem weißen Taschentuch platziert, das mit einem Schriftzug bestickt ist. Um die Unterschiede zwischen äußerer Erscheinung und tatsächlicher Bedeutung der einzelnen Schriftzüge hervorzuheben, benutzt die Künstlerin drei verschiedene Schriften: Latein, Hebräisch und Arabisch. Der Blick fällt zuerst auf die Replik der Pflanze, die sich auf dem weißen Taschentuch befindet, dann erst werden der gestickte Text und seine Bedeutung wahrgenommen. (Anm.: separate Übersetzungen in Deutsch und Englisch für BesucherInnen, die nicht der hebräischen und arabischen Schrift kundig sind.)

Einige Tücher tragen den Namen der Pflanze, die ihnen zugeordnet ist. Der Jerusalem-Salbei (lat. Salvia hierosolymitana Boiss, engl. Jerusalem Sage) z. B. wurde von der Künstlerin ausgewählt aufgrund seiner Namensgebung: Jerusalem wird gesehen als die Stadt, auf die verschiedene Völker exklusive Ansprüche erheben und gilt als Sinnbild eines ewigen Streitobjektes. Je nach Standpunkt und in Abhängigkeit von der verwendeten Schrift ist die Wahrnehmung des Textes auf dem Tuch eine andere.

Der Satz wurde einer israelischen Tageszeitung entnommen. Dort wurde berichtet wie eine Gruppe aggressiver junger Männer - diesen Ausruf schreiend - zwei andere Männer überfiel, die in ihrem Auto saßen und arabische Musik hörten. Das Zitat wurde von der Künstlerin ausgewählt, um die komplexe Situation in Israel zu verdeutlichen. Ein anderes Taschentuch zeigt den gleichen Satz in arabischer Schrift.
Von einem außen stehenden (z. B. europäischen) Blickwinkel aus betrachtet erscheinen die hebräischen und arabischen Buchstaben als bestechende, ästhetische Schriftzüge, insbesondere dann, wenn sie nicht verstanden werden. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Pflanzen- und Blumenrepliken auf den Taschentüchern. Inhalte, wie z. B. die rassistische Komponente in dem Ausruf Hier spricht man kein Arabisch! bleiben im Verborgenen, wenn der Text nicht verstanden wird.
(Anmerkung der Künstlerin: Arabisch ist in Israel die zweite offizielle Landessprache und wird sowohl von Behörden wie auch seitens großer Bevölkerungsteile benutzt. Wer immer eine solche Äußerung öffentlich von sich gibt, der läuft Gefahr, wegen rassistischer Äußerungen verfolgt zu werden.)

Dem Tuch mit dem in hebräischer Schrift gestickten Satz Hier spricht man kein Arabisch! ist eine Replik der weißen Meerzwiebel (lat. Urginea maritima) zugeordnet, eine im ganzen Mittelmeerraum verbreitete Pflanze. Der jüdischen Überlieferung zufolge wurde die Pflanze benutzt, um die Grenzen Israels zu markieren. Die arabische Bevölkerung hingegen setzt die Pflanze vorwiegend zur Friedhofsbegrünung ein.
Auf dem Taschentuch mit dem inhaltsgleichen Text in arabischer Schrift findet der Betrachter das dornige Exemplar eines Distelgewächses (lat. Eryngium creticum Lam, dt. Kretischer Mannstreu).

Dafna Kaffeman verwendet für die Texte unterschiedliche Schriften und bringt dadurch sensible Themen zur Sprache, die häufig übersehen, ignoriert oder totgeschwiegen werden. Ihre Arbeiten beschäftigen sich in subtiler Art und Weise mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt indem sie zeigen, wie Worte eine eigenständige Kraft annehmen können und dabei unterschiedliche Identitäten spiegeln.

Zur Künstlerin:
Dafna Kaffeman
(geb. 1972 in Jerusalem) begann ihre künstlerische Ausbildung an der Bezalel Academy in Jerusalem und beendete ihre Studien in Amsterdam an der Gerrit Rietveld Academy und am Sandberg Instituut im Jahr 2002. Ihre Arbeiten werden in Europa und den USA gezeigt und wurden mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen gewürdigt. Dafna Kaffeman lebt in Israel und lehrt an der Bezalel Academy in Jerusalem als Leiterin der Abteilung für Glas.

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Botschaft des Staates Israel in Berlin.



Persian Cyclamen
Dafna Kaffeman

Ausstellungseröffnung: 8 Juni 2006, 20 Uhr
Di - Fr 13.00 - 19.00 Uhr
Sa 12.00 Uhr - 18.00 Uhr
lorch+seidel Galerie
Tucholskystr. 38
D-10117 Berlin
Tel.: 030/978 939 35
www.lorch-seidel.de




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Beitrag vom 10.06.2006

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