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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 14.06.2007


Irina Palm
Tatjana Zilg

Bei der 57. Berlinale begeisterte Marianne Faithfull Publikum und Presse als Witwe, die im Rotlicht-Milieu das Geld für die lebensnotwendige Operation ihres Enkel verdient.




Einen Charakter spielen, der in fast allen Punkten gegensätzlich ist vom eigenen: Eine wunderbare Herausforderung und anspruchsvolle Aufgabe zugleich für die Grande Dame der Rockgeschichte.

"Die Rolle hat mich gereizt, weil Maggie so völlig anders ist als ich. Ich selbst hatte ein fantastisches Leben, habe unglaubliche Menschen kennen gelernt und die verrücktesten Sachen getrieben. Im Gegensatz zu Maggie wurde ich nie unterdrückt, und man kann mich wohl kaum als konventionell oder konformistisch bezeichnen" erzählt Marianne Faithfull.

Dabei ist die Großmutter, die ihren kleinen Enkel Olly (Corey Burke) über alles liebt, gar nicht so konventionell. Sie hat ihr Leben bisher nach den Erwartungen gestaltet, die ihr von außen vorgegeben worden sind. Aber im Inneren trägt sie einen liebenswerten, freien Geist. Durch die Überraschungen, die das Schicksal einige Zeit nach dem Tode ihres Mannes für sie bereithält und die sie an die Grenzen ihrer bisherigen Wertvorstellungen bringen, ist sie gezwungen, sich in ein völlig ungewohntes Milieu zu begeben.
Soviel vorweg: Maggie meistert diese Herausforderungen ebenso mit Bravour wie Marianne Faithfull sich ihren Weg im wilden Rockmusik-Geschäft erkämpft und viele Plattensammlungen mit ihrer rauchig-samtigen Stimme, gepresst auf schwarzem Vinyl-Gold, bereichert hat.

Das Kind von Tom (Kevin Bishop), Maggie´s einzigem Sohn, ist schwer krank. Seit Wochen liegt er im Krankenhausbett und die Ärzte sehen nur noch eine Möglichkeit, um das Leben von Olly zu retten: Er muss in Australien von einem Spezialisten-Team operiert werden. Die eigentlichen medizinischen Kosten können von der britischen Krankheitsfürsorge übernommen werden, aber nicht die Flug- und Unterkunftskosten. Das Geld fehlt der kleinen Familie. Tom ist seit Jahren arbeitslos. Seine Frau Sarah versucht ihn zu unterstützen, wo es geht, aber auch sie zerbricht mehr und mehr an der Situation. Das Verhältnis von Maggie zu ihrer Schwiegertochter ist seit Beginn der Ehe angespannt. Sarah (Siobhán Hewlett) wünscht sich, dass Maggie sich weniger in Tom´s Angelegenheiten einmischt und mehr Abstand hält.
So ist JedeR der Drei allein mit der Tatsache, dass die Zeit davonrennt. Olly´s Zustand verschlechtert sich von Tag zu Tag. Wird er nicht bald operiert, muß er sterben.

Da springt Maggie, als sie durch die Straßen von London läuft, ein Schild ins Auge: "Hostess gesucht". Zuvor hat sie sich schon bei einer Job-Agentur um Arbeit bemüht, doch es wurde ihr gesagt, sie sei zu alt und könne nichts.
Miki (Micki Manojlovic), der Besitzer des Rotlichtclubs "Sexy World" klärt sie auf, welche Art von Hostess er sucht. Es geht um einen Anfass-Job, bei dem man sich nicht sieht. Eine Trennwand verbirgt die Kunden, die diese Dienste in Anspruch nehmen möchten. Luisa (Dorka Gryllus), eine zukünftige Kollegin, weiht Maggie in die Geheimnisse der Tätigkeit ein.
Schon bald ist die Hausfrau aus dem Vorstadt-Viertel unter dem Namen "Irina Palm" sehr erfolgreich in Soho. Innerlich kämpft sie mit der abgebrühten Einstellung ihres neuen Chefs Miki. Mutig sagt sie ihm die Meinung, als er Luisa entlässt, weil sie zu wenig Geld einbringt. Dieser ist perplex, lässt sich dann aber mehr und mehr auf den Blick von Maggie auf seine Welt ein. Eine zarte Annäherung der beiden Menschen am Beginn des dritten Lebensalters entfaltet sich und steht im anrührenden Kontrast zu der Härte und Kälte einer Welt, in der Sex käuflich ist.

AVIVA-Tipp: Das Tabuthema wird von Regisseur Sam Garbarski behutsam und humorvoll umgesetzt. Die Besetzung der Maggie mit Marianne Faithfull erweist sich als 100 % Glücksidee: Sehr einfühlsam und mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik füllt die Rocksängerin und Schauspielerin, die schon in über 20 Filmen mitgewirkt hat, jede Minute ihrer Performance und lässt die außergewöhnliche Rolle absolut glaubhaft werden.

Der Film im Web: www.irinapalm-derfilm.de

Irina Palm
Belgien/Frankreich/Deutschland 2007, 103 Minuten
Regie: Sam Garbarski
DarstellerInnen: Marianne Faithfull, Micki Manojlovic, Jenny Agutter, Kevin Bishop, Siobhán Hewlett, Dorka Gryllus, Corey Burke
DVD-Start: 28.12.2007
Verleih: X-Verleih
DVD-Infos:
Bildformat: 16:9 (1.78:1)
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel für Hörgeschädigte: Deutsch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
DVD-Specials:
Alternate endings, Featurette: Berlinale-Konferenz, Fotogalerie, Nicht verwendete Szenen, Trailer




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Beitrag vom 14.06.2007

AVIVA-Redaktion 






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Walter Kaufmann. Welch ein LebenDie Lebensgeschichte des jüdischen Schriftstellers und Korrespondenten Walter Kaufmann vom Kindertransport nach Großbritannien über die DDR und um die ganze Welt erzählt dieser berührende Film.
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Das Glück zu leben - The euphoria of being
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