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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 07.02.2008


Talk To Me. Ein Film der Regisseurin Kasi Lemmons
Tatjana Zilg

Die Vereinigten Staaten in den 60er Jahren. Petey Greene hat nur ein Ziel: Er will Radio DJ werden. Aus dem Gefängnis entlassen, erobert er sich einen Moderatoren-Job bei einem Sender in Washington.




Explosiver Soul und die Bürgerrechtsbewegung begleiten ihn auf dem Weg an die Spitze, an die er nie wollte, und von der er schnell wieder entflieht.

Die Regisseurin Kasi Lemmons drehte den Film inspiriert durch die wahre Lebensgeschichte von Ralph Waldo "Petey" Greene Jr..
Die wesentlichen Daten aus seiner Biographie wurden wirklichkeitsnah in den Film übernommen. Im Gefängnis begeistert Petey Greene (Don Cheadle) seine Mitinsassen durch sein beeindruckendes Charisma, überschwenglichen Esprit und revolutionären Geist. Zweimal am Tag bringt er ihnen Farbe in den tristen Gefängnisalltag, wenn er seine Radiosendung über den Äther jagt, die er im Rahmen eines Arbeitsprogramm intern ausstrahlen darf. Die Mitinsassen und der Gefängnisdirektor nehmen ihn gerne auch in Krisenfällen als Berater in Anspruch.

Nach seiner Entlassung, die er mit einem cleveren Trick selbst in die Wege leitet, ist für ihn sein Ziel klar: Er möchte beim bekannten Sender WOL AM Radio-Moderator werden. Den Programmdirektor Dewey Hughes (Chiwetel Ejiofor) lernte er bereits kennen, als dieser seinen inhaftierten Bruder besuchte. Petey versucht ihm zu beweisen, dass er ihm im Gefängnis einen Job versprochen hat. Aber Dewey ist die Sache peinlich und er möchte den extravagant aussehenden, sehr lautstark auftretenden Afro-Amerikaner schnell wieder aus seinem Büro loswerden. Petey zeigt sich hartnäckig und lässt keine Gelegenheit aus, Dewey mit seinem Anliegen auf die Füße zu treten. Oft begleitet ihn dabei seine Freundin Vernell (Taraji P. Henson), die ihm Rückhalt bietet und die hitzigen Gemüter beider Seiten mit ihrem lässigen Charme beruhigt.

Dewey ist hin- und hergerissen. Er muss sich eingestehen, dass er in Petey´s Art einiges Potential sieht und gibt ihm eine Chance. Fast vermasselt sich Petey durch sein unüberlegtes Verhalten die Verwirklichung seines Traums. Aber dann ist endlich der erste Schritt getan und er hat einen festen Sendeplatz. Da seine Sendung bei den HörerInnen sehr gut ankommt, was die begehrte Quote in die Höhe schnellen lässt, ist er in der Redaktion bald ein beliebtes Teammitglied. Er lässt sich nicht beirren und steht zu seinen eigenen Werten und Idealen und setzt sich in seiner Sendung für die Bürgerrechtsbewegung ein, sagt oft Unbequemes. Der Ruf des Senders ist dadurch immer wieder gefährdet. Mit seinem persönlichen Vorbild James Brown (Herbert L. Rawlings, Jr.) steht er gemeinsam auf der Bühne. Als Martin Luther King Jr. ermordet wird, ist er emotional stark involviert, aber setzt sich dennoch gegen die eskalierende Gewalt auf den Straßen ein.
Er ist mit sich im Einklang und hat das befriedigende Gefühl, das zu tun, was er sich immer gewünscht hat. Dewey setzt sich aber in den Kopf, aus Petey einen berühmten Star zu machen. Er ernennt sich zum persönlichen Manager und will ihn als Komödiant und Moderator bei den großen TV-Shows unterbringen, auch wenn dafür die ursprünglichen Ideale verleugnet werden müssen. Der unstete Petey lässt sich erst mitziehen, dann überwältigen ihn die Selbstzweifel. Er ist enttäuscht von seinem Freund, der ihn zu etwas drängen will, wo er eigentlich nie hinwollte. Er löst sich von Dewey, was die Lebenskrise aber verstärkt. Anfang der 80er stirbt er an Krebs.

AVIVA-Tipp: Ein Bio Pic, das einen Ausschnitt der amerikanischen Zeitgeschichte humorvoll und detailreich nachzeichnet. Petey wird als schillernde Persönlichkeit dargestellt, die viele verschiedene Seiten in sich trägt. Der innere Konflikt, an dem festzuhalten, was seine Identität ausmacht, gleichzeitig aber aus den engen Strukturen der eigenen Herkunft ausbrechen zu wollen, geht an seine Substanz und zerstört letztlich den eigenen Erfolg, für den er so hart gekämpft hat. Die Anpassung an konventionelle Medienstrukturen und die Aufgabe seiner Ideale sind letztlich nicht das, wovon er immer träumte. Der Regisseurin gelingt es, diese Widersprüchlichkeiten in der Tiefe nachvollziehbar zu machen, ohne den Film mit Drama zu überlasten. Dazu trägt auch die temperamentvolle Musik bei, die als Hintergrund-Soundtrack oder in Konzertmitschnitten die abwechslungsreiche Handlung begleitet.

Talk To Me
USA 2007, 106 Minuten
Regie: Kasi Lemmons
Drehbuch: Michael Genet, Rick Famuyiwa
DarstellerInnen: Don Cheadle, Chiwetel Ejiofor, Taraji P. Henson, Martin Sheen, Mike Epps, Herbert L. Rawlings, Jr.
Kinostart: 07.02.2008
Verleih: Central Film
www.talktome-film.de


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Beitrag vom 07.02.2008

AVIVA-Redaktion 






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KINDER DER HOFFNUNG. Kinostart 4. November 2021

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KINDER DER HOFFNUNG von Yael Reuveny
Seit zehn Jahren lebt die israelische Regisseurin Yael Reuveny (SCHNEE VON GESTERN) in Berlin. In Super-8-Aufnahmen aus ihrer Kindheit und Kurzporträts ihrer Mitschüler*innen in Israel heute dokumentiert sie, was aus den Träumen und Idealen ihrer Generation geworden ist. KINDER DER HOFFNUNG kommt zum Jahrestag der Ermordung von Jitzchak Rabin im Jahr 1995 ins Kino.
Mehr zum Film, der Trailer und Kinotour unter: www.filmkinotext.de/kinder-der-hoffnung.html

MITRA. Kinostart: 18.11.2021

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MITRA
Inspiriert vom Schicksal seiner Familie erzählt Regisseur Kaweh Modiri die Geschichte der Iranerin Haleh, die 37 Jahre nach der Hinrichtung ihrer Tochter die Frau wieder trifft, die sie dafür verantwortlich macht. Paraderollen für Jasmin Tabatabai, Shabnam Tolouei und Singer-Songwriter Mohsen Namjoo, der auch die Filmmusik komponierte.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/mitra

Das Glück zu leben - The euphoria of being. Ab 30.09.2021 im Kino

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Das Glück zu leben - The euphoria of being
Dokumentarfilm von Réka Szabó über die Entstehung einer Tanzperformance, in der die 90-jährige Éva Fahidi im getanzten Dialog mit einer jungen Tänzerin über ihr Leben und Schicksal erzählt, als einzige ihrer Familie das KZ Auschwitz überlebt zu haben.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.filmkinotext.de/das-glueck-zu-leben

Zuhurs Töchter. Kinostart am 04.11.2021

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Zuhurs Töchter
Das Regie-Team Laurentia Genske und Robin Humboldt zeichnet in ihrem neuen Werk das Porträt der beiden Transgender-Teenager Lohan und Samar, die in ihrer neuen Heimat Deutschland endlich ihre weibliche Identität entfalten können.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/ zuhurstoechter

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris

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Biografische Porträts der Fotokünstlerinnen, Porträtfotografinnen und Fotoreporterinnen Marianne Breslauer, Gisèle Freund, Dora Maar und Lee Miller im Paris der 1920er und 1930er Jahre.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.ebersbach-simon.de

Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Mit Dr. Lea Wohl von Haselberg, Veronika Kracher, Dr. Ingrid Strobl, Dr. Michal B Ron. Moderiert von Sharon Adler. Im Rahmen der Ausstellung mit Werken von Elianna Renner und Sharon Paz bei alpha nova & galerie futura

Roamers – Follow your Likes, Kinostart: 22. Juli 2021

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 Roamers – Follow your Likes
Der Dokumentarfilm ROAMERS erzählt von der Suche "Digitaler Nomaden" auf der Jagd nach dem nächsten, perfekten Moment nach Sinn und Halt in einer neuen, digitalen Welt unzähliger Möglichkeiten.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour in Anwesenheit der Regisseurin Lena Leonhardt unter: www.camino-film.com/filme/roamers

Dear Future Children. Ab 14. Oktober 2021 im Kino

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Drei Länder, drei Konflikte, drei Frauen und ein ähnliches Schicksal: Doch sie haben nicht vor aufzugeben: Hilda in Uganda, Rayen in Santiago de Chile, und Pepper in Hongkong. Sie kämpfen weiter. Für ihre und unsere zukünftigen Kinder.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour unter: www.camino-film.com/filme/dearfuturechildren

Iris Schürmann-Mock – Frauen sind komisch. Kabarettistinnen in Porträt

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Liesl Karlstadt, Valeska Gert, Maren Kroymann, Carolin Kebekus ... In zehn ausführlichen und fünfzig kurzen Porträts stellt die Journalistin und Autorin die Königinnen der Kleinkunst vor. Ihre Disziplinen: Comedy, Poetry Slam, Tanz, Pantomime, Chanson, Rap.
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Walter Kaufmann – Welch ein Leben! Bundesweiter Kinostart am 30.9.21

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Walter Kaufmann. Welch ein LebenDie Lebensgeschichte des jüdischen Schriftstellers und Korrespondenten Walter Kaufmann vom Kindertransport nach Großbritannien über die DDR und um die ganze Welt erzählt dieser berührende Film.
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