Titos Brille. Ein Film von Regina Schilling nach dem Buch von Adriana Altaras. Starttermin: 11. Dezember 2014 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur Film



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 26.11.2014


Titos Brille. Ein Film von Regina Schilling nach dem Buch von Adriana Altaras. Starttermin: 11. Dezember 2014
Claire Horst

Was für eine Familiengeschichte. Es braucht schon eine ordentliche Portion Selbstvertrauen, um sich von diesen Eltern nicht einschüchtern zu lassen. Zum Glück hat Adriana Altaras aber den Mut...




... ihrer Mutter und ihres Vaters geerbt und aus deren Lebensgeschichte ein Buch gemacht – das jetzt zu einem Film geworden ist.

In erster Linie ist Altaras Schauspielerin. Sie hatte Engagements an Theatern von der Freien Volksbühne Berlin bis zum St. Pauli-Theater in Hamburg. Daneben wurde sie aber auch als Regisseurin bekannt, den meisten wahrscheinlich mit ihrer Inszenierung der Vagina Monologe in der Arena Berlin.

Dass ihr erstes Buch ein so großer Erfolg werden würde, war nicht zu erwarten. Denn die Geschichte ihrer Eltern ist die zweier jüdischer PartisanenkämpferInnen in den Reihen von Marschall Tito. Und ein derart ernstes Thema eignet sich selten zum Bestseller.

Im Fall der Familie Altaras gilt das erst recht, weil es keine reine HeldInnengeschichte ist, die hier erzählt wird. Der Vater, einst gefeierter Widerstandskämpfer und erfolgreicher Arzt, wird in einen Schauprozess verwickelt und muss das Land verlassen. Vom Guerillakampf in Jugoslawien über das Exil in Italien bis zur Niederlassung im hessischen Gießen, von diesen Lebensstationen ihrer Eltern erzählte Altaras` autobiografischer Roman aber so humorvoll, dass Titos Brille, eben doch das Zeug zum Bestseller hatte.

Schuld an diesem Erfolg ist also nicht allein die spannende Biografie der Eltern, sondern vor allem die selbstironische Haltung, mit der Altaras sie erzählt. Denn neben all den dramatischen Wendungen berichtet das Buch auch vom ganz normalen Leben einer jüdischen deutschen Künstlerin, die sich mit Alltagssorgen herumplagt, und ist stellenweise zum Brüllen komisch.

Es ist keine leichte Aufgabe, ein solches Buch zu verfilmen. Glücklicherweise nehmen Regisseurin Regina Schilling und Hauptdarstellerin Altaras es nicht allzu genau mit der Originaltreue. Mit der Kamera machen sie sich auf die Reise zu den wichtigsten Schauplätzen der Familienbiografie. Die Zuschauerin begleitet Altaras also von Berlin aus, wo sie mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt, nach Gießen, wo ihre Eltern arbeiteten, nach Italien und schließlich nach Kroatien.

Ein unwahrscheinliches Glück für die Dokumentarfilmerin, dass der Vater mit Begeisterung Super-8-Filme gedreht hat. Ein Glück, weil sich das Erzählte so bebildern lässt, aber auch, weil sich so die Spur zu den verdeckten Teilen seiner Geschichte auftut. Dass wir Altaras beim Grübeln über die vielen Geliebten ihres Vaters und beim melancholischen Sinnieren über ihre einsame Kindheit beobachten, macht "Titos Brille" zu einem sehr persönlichen Film.

Altaras besucht die geliebte Tante in Italien, bei der sie die Ferien verbrachte, wenn sie nicht im Internat war. Sie weint in einer Gedenkstätte um die ermordeten Verwandten, um die ganze Ungeheuerlichkeit der Shoah. Und sie lacht mit den Söhnen über deren unbeholfenes Singen bei der Vorbereitung auf die Bar Mitzwa des Jüngeren oder über das verschlafene Maulen des Älteren.

Die Schauprozesse gegen den Vater, einen Arzt und Parteikader in Titos Jugoslawien, die Karriere der Mutter als Architektin und Leiterin der örtlichen jüdischen Gemeinde in Hessen, das Lager auf der Insel Rab und der Stolz der jüdischen PartisanInnen – Altaras´ Reise lässt Geschichte lebendig werden. Dazu tragen besonders ihre Gespräche mit Persönlichkeiten wie dem slowenischen Historiker Slavko Goldstein bei, der zum jüdischen Widerstand in Jugoslawien forscht.

Zugleich ist der Film natürlich eine Hommage an die Person Adriana Altaras, die ihre Lebensrolle mit Genuss inszeniert.
Adriana Altaras` neues Buch "Doitscha" ist im November 2014 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen. Eine Rezension auf AVIVA-Berlin folgt.

AVIVA-Tipp: Wer das Buch mochte, für die ist der Film fast ein Muss. Denn der Humor und Optimismus, mit dem Altaras alle Widrigkeiten zu meistern scheint, ist auch hier in jeder Minute zu spüren.

Zur Regisseurin: Regina Schilling, geboren 1962, ist freiberufliche Journalistin, Jugendbuchautorin und Dokumentarfilmerin. Daneben macht sie Programmarbeit beim Internationalen Literaturfestival lit. Cologne. Nach mehreren TV-Dokumentationen, etwa über den Autor Benjamin Lebert, kommt 2008 mit "Bierbichler", über den Schauspieler Josef Bierbichler, erstmals einer ihrer Filme in einer Langversion in die Kinos. Es folgt 2011 der Dokumentarfilm "Geschlossene Gesellschaft – Der Missbrauch an der Odenwaldschule", für die sie 2010 den Grimme-Preis erhielt. Außerdem wirkte sie an den mehrfach ausgezeichneten TV-Programmen "24 Stunden Berlin" und "24 Stunden Jerusalem" mit. (Informationen des Verleihs)

Titos Brille
Deutschland 2014, 94 min
Regie Regina Schilling
Drehbuch Regina Schilling
Kamera Johann Feindt
Produzent Thomas Kufus, zero one film
Darsteller Adriana Altaras
Verleih: X-Verleih
Starttermin: 11. Dezember 2014

Der Film im Netz: www.titosbrille.x-verleih.de

Adriana Altaras im Netz: altaras.eu

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Adriana Altaras - Titos Brille. Der Roman und das Hörbuch, gelesen von der Autorin

AVIVA-Interview mit Adriana Altaras

Aharon Appelfeld - Auf der Lichtung

Chasia Bornstein-Bielicka - Mein Weg als Widerstandskämpferin

Svetlana Velmar-Jankovic - Lagum





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Beitrag vom 26.11.2014

Claire Horst 






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