Whale Rider. Das Meisterwerk von Niki Caro aus dem Jahr 2003. Ab 30. Januar 2015 auf DVD und Blu-Ray - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur Film



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 26.02.2015


Whale Rider. Das Meisterwerk von Niki Caro aus dem Jahr 2003. Ab 30. Januar 2015 auf DVD und Blu-Ray
Teresa Lunz

Ein maorisches Küstendorf erwartet die Geburt des Stammeshäuptlings. Doch das Baby stirbt bei der Geburt, nur dessen Zwillingsschwester überlebt. Ein schlechtes Omen? Oder das Zeichen einer...




... neuen Ära, in der auch Frauen zur Führung bestimmt sein können?

Niki Caros Verfilmung einer schwierigen Kindheit erzählt in grandiosen Bildern von einem Mädchen, das nur schwer Anerkennung findet, obwohl es über ganz besondere Fähigkeiten verfügt.

Eine Mythologie aus ferner Zeit, ein archaisches Wertesystem, mitten in die zeitgenössische Welt versetzt mit Autos, Cocktailpartys am Strand und einer Großmutter, die über Scheidung nachdenkt: Auf diesen Strukturen basiert der Film "Whale Rider". Dabei bleibt er glaubwürdig und berührt durch die ruhige, eindringliche Erzählweise, die ihn von Hollywood-Blockbustern unterscheidet.

Eine Legende und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart...

Vor vielen Jahren, so sind die Maori in einem entlegenen neuseeländischen Küstendorf überzeugt, kam ihr Urahne Paikea auf einem Wal über den Ozean geritten, um genau an diesen Sandstränden ihr Volk zu begründen. Seither wird ihm in jeder Generation ein würdiger Nachfolger geboren, der dafür sorgt, dass die alten Traditionen aufrechterhalten bleiben und der Stamm entschlossener, zielsicherer Führung untersteht.

Der alternde Koro ist überzeugt, dass der älteste männliche Nachkomme seines Sohnes Porourangi eben jene Bestimmung erfüllen wird. Doch das Kind stirbt bei der Geburt, ebenso die Mutter. Einzig die Zwillingsschwester überlebt und erhält von ihrem Vater den Namen Paikea. Der Großvater ist überzeugt, dass eine Frau niemals zum Stammesoberhaupt taugen könne.
Trotzdem kann er nicht anders, als der lebhaften Enkelin nach und nach sein Herz zu öffnen. Als Porourangi nach Frankreich und Deutschland abgereist ist, um sein Unglück zu vergessen, wächst das kleine Mädchen im Haus der Großeltern auf, und kennt nur ein Vorbild: Koro. Sie tut alles, um dem meist kühl und autoritär auftretenden Griesgram zu gefallen. Dieser jedoch hofft stur darauf, dass Porourangi ein zweites Mal heiraten und Söhne haben wird. Als sich herausstellt, dass Porourangi entschlossen ist, eine Deutsche zu heiraten und das ferne Land zu seiner Heimat zu machen, wird Koro schmerzlich bewusst, dass sich seine Hoffnung nicht erfüllen wird. So ruft er alle heranwachsenden Jungen des Stammes in seinem Anwesen zusammen, um im Verlauf eines mehrwöchigen Kurses den stärksten, mutigsten und klügsten unter ihnen herauszufinden: Er bildet sie in Stabkampf, in rituellem Gesang, in Volksgeschichte aus, schult ihre Ausdauer und ihre Geschicklichkeit.

Paikea, in der Familie liebevoll "Pai" genannt, ist bei diesem Unterricht unerwünscht. Als Mädchen sieht sie sich zu den anderen Frauen der Familie in die Küche verwiesen. Auf ihre stürmischen Bitten hin lehrt sie nun ihr Onkel Rawiri die Technik des Stabkampfes, und als wissbegierigste Schülerin ihrer Klasse weiß sie längst alles über die Geschichte der Maori. Der Großvater übersieht ihre Mühen, schilt sie gar, als er den heimlichen Kampfunterricht entdeckt: Eine Frau überschreite ihre Grenzen, indem sie zur geheiligten Waffe des Mannes greift, Pai bringe Schande, indem sie die Tradition missachtet. Eines Tages stimmt Pai einen Gebetsgesang an und alle Wale folgen ihrer Stimme zum Strand. Ist das nun das Zeichen, dass sie doch die Auserwählte ist und den Maori das Heil bringt?

"Sie waren gekommen, weil ich sie gerufen hatte. Doch etwas stimmte nicht. Sie starben."

Die Landschaftsaufnahmen im Film, an den weiten Stränden Neuseeland entstanden, tragen ebenso zu seinem monumentalen Charakter bei wie die junge Heldin: Pai, das aufgeweckte zwölfjährige Mädchen mit dem Wuschelhaar, naturverbunden, verliebt in die gewaltige landschaftliche Schönheit ihrer Heimat und besonders in den Ozean. Erfüllt von dem brennenden Wunsch, eine Rolle in der Stammesgemeinschaft zu spielen und zum Erhalt der Riten und Traditionen der Maori beizutragen, wie es Koro tut. Vor allem sehnt sie sich aber nach der Anerkennung ihres Großvaters, danach, dass er endlich Nähe zulässt. Doch es muss erst etwas Tragisches geschehen, ehe dem verstockten Patriarchen die Augen geöffnet werden…

Das insgesamt 28fach ausgezeichnete Drama gewann unter anderem den Audience Award auf dem Maui International Film Festival, dem San Francisco Film Festival, dem Sundance Film Festival und dem Rotterdam Film Festival. Gekrönt wurde der Erfolg durch den Internationalen Jurypreis auf dem São Paulo International Film Festival (2003). Nun ist der Welterfolg neu gemastert und in verbesserter Bildqualität erhältlich. Das Bonusmaterial umfasst einen Audiokommentar von Niki Caro, Proben mit Keisha Castle-Hughes, geschnittene Szenen, ein "Behind the Scenes" und eine Te-Waka-Featurette.

Die Regisseurin Niki Caro schaffte mit "Whale Rider" den Durchbruch. Geboren 1967 in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington, absolviert sie zunächst die Elam School of Fine Arts in Auckland, dann die Swinburne School of Film and Television in Melbourne, Australien. 1994 gibt sie ihr Regiedebüt mit dem Kurzfilm Sure to Rise, das ihr eine Nominierung auf den Filmfestspielen in Cannes einbringt. Mit dem Liebesdrama Memory & Desire folgt 1997 der erste Langfilm. 2005 wird Niki Caro von den Studios in Hollywood als Regisseurin für Kaltes Land mit Charlize Theron in der weiblichen Hauptrolle verpflichtet. Es folgen kleinere Produktionen für das australische Fernsehen. Niki Caro ist mit dem Architekten Andrew Lister verheiratet und zweifache Mutter.

Die Komponistin Lisa Gerrard, geboren 1961 in Melbourne/Australien, wurde durch die Band Dead Can Dance, ein Gemeinschaftsprojekt mit Brendan Perry, bekannt. Sie komponierte unter anderem die Soundtracks zu den Filmen Insider (1999), Black Hawk Down (2001), Whale Rider (2002) und Mann unter Feuer (2004), anteilig zu Gladiator (2000). Für diese Mitarbeit erhielt sie als bisher einzige Frau den Golden Globe in der Kategorie Beste Filmmusik. Die Dokumentation "Sanctuary" (2006) von Clive Collier dokumentiert ihre Karriere und die damit einhergehende musikalische Entwicklung. Ihr bis dato letztes Album "Farscape", eine Koproduktion mit dem Elektronik-Musiker Klaus Schulze, erschien 2007. Mehr Infos unter: www.lisagerrard.com

AVIVA-Tipp: Vicky Haughton, die in "Whale Rider" Pais Großmutter Flowers spielt, beschreibt den Film als "von internationaler Gültigkeit". Dem ist nichts hinzuzufügen: Die Geschichte hinterfragt, warum Frauen nicht in allen Bereichen gleiche Rechte haben sollten, auch im Kontext uralter Überlieferung. Er verlangt nach Toleranz und Gleichberechtigung, vermeidet jedoch reißerische Plädoyers und explizite Forderungen. Der Film zeigt, dass es immer möglich ist, umzudenken. Atemberaubende Landschaftsaufnahmen und liebenswerte, von den Darsteller_innen brillant mit Leben gefüllte Charaktere machen diesen Film so zeitlos.

Whale Rider
Regie: Niki Caro
Darsteller_innen: Keisha Castle Hughes, Rawiri Paratene, Vicky Haughton, Cliff Curtis
Bildformat: 2,35:1
Sprachen: Deutsch, Englisch, Untertitel: Deutsch
Anzahl Disks: 1
VÖ: 30. Januar 2015
FSK: ab 6 Jahren
Gesamtspieldauer: 97 Min. Hauptfilm + 53 Min. Bonusmaterial + 20 Min. Trailershow
9,99 Euro
Verleih: Pandorafilm
www.whalerider.pandorafilm.de

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"Whale Rider" in der Hörspielfassung

The Sapphires - Ein Film mit Deborah Mailman und Jessica Mauboy

"The Silver Tree": Ein Soloalbum von Lisa Gerrard




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Beitrag vom 26.02.2015

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KINDER DER HOFFNUNG. Kinostart 4. November 2021

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KINDER DER HOFFNUNG von Yael Reuveny
Seit zehn Jahren lebt die israelische Regisseurin Yael Reuveny (SCHNEE VON GESTERN) in Berlin. In Super-8-Aufnahmen aus ihrer Kindheit und Kurzporträts ihrer Mitschüler*innen in Israel heute dokumentiert sie, was aus den Träumen und Idealen ihrer Generation geworden ist. KINDER DER HOFFNUNG kommt zum Jahrestag der Ermordung von Jitzchak Rabin im Jahr 1995 ins Kino.
Mehr zum Film, der Trailer und Kinotour unter: www.filmkinotext.de/kinder-der-hoffnung.html

MITRA. Kinostart: 18.11.2021

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MITRA
Inspiriert vom Schicksal seiner Familie erzählt Regisseur Kaweh Modiri die Geschichte der Iranerin Haleh, die 37 Jahre nach der Hinrichtung ihrer Tochter die Frau wieder trifft, die sie dafür verantwortlich macht. Paraderollen für Jasmin Tabatabai, Shabnam Tolouei und Singer-Songwriter Mohsen Namjoo, der auch die Filmmusik komponierte.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/mitra

PLAN A – Was würdest du tun? Ab 9. Dezember 2021 im Kino

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PLAN A – Was würdest du tun?
1945 plant eine Gruppe Holocaust-Überlebender die größte Racheaktion der Geschichte: Für jeden jede/n ermordete/n Jüdin/Juden soll ein/e Deutsche/r sterben. Doch kurz bevor der erste Giftanschlag ausgeführt werden kann, wird der Plan aufgedeckt.
Mehr zum Film, Kinotour mit Filmgespräch, den teilnehmenden Kinos und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/plan-a

Das Glück zu leben - The euphoria of being. Ab 30.09.2021 im Kino

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Das Glück zu leben - The euphoria of being
Dokumentarfilm von Réka Szabó über die Entstehung einer Tanzperformance, in der die 90-jährige Éva Fahidi im getanzten Dialog mit einer jungen Tänzerin über ihr Leben und Schicksal erzählt, als einzige ihrer Familie das KZ Auschwitz überlebt zu haben.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.filmkinotext.de/das-glueck-zu-leben

Zuhurs Töchter. Kinostart am 04.11.2021

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Zuhurs Töchter
Das Regie-Team Laurentia Genske und Robin Humboldt zeichnet in ihrem neuen Werk das Porträt der beiden Transgender-Teenager Lohan und Samar, die in ihrer neuen Heimat Deutschland endlich ihre weibliche Identität entfalten können.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/ zuhurstoechter

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris

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Biografische Porträts der Fotokünstlerinnen, Porträtfotografinnen und Fotoreporterinnen Marianne Breslauer, Gisèle Freund, Dora Maar und Lee Miller im Paris der 1920er und 1930er Jahre.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.ebersbach-simon.de

Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Mit Dr. Lea Wohl von Haselberg, Veronika Kracher, Dr. Ingrid Strobl, Dr. Michal B Ron. Moderiert von Sharon Adler. Im Rahmen der Ausstellung mit Werken von Elianna Renner und Sharon Paz bei alpha nova & galerie futura

Roamers – Follow your Likes, Kinostart: 22. Juli 2021

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 Roamers – Follow your Likes
Der Dokumentarfilm ROAMERS erzählt von der Suche "Digitaler Nomaden" auf der Jagd nach dem nächsten, perfekten Moment nach Sinn und Halt in einer neuen, digitalen Welt unzähliger Möglichkeiten.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour in Anwesenheit der Regisseurin Lena Leonhardt unter: www.camino-film.com/filme/roamers

Dear Future Children. Ab 14. Oktober 2021 im Kino

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Dear Future Children
Drei Länder, drei Konflikte, drei Frauen und ein ähnliches Schicksal: Doch sie haben nicht vor aufzugeben: Hilda in Uganda, Rayen in Santiago de Chile, und Pepper in Hongkong. Sie kämpfen weiter. Für ihre und unsere zukünftigen Kinder.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour unter: www.camino-film.com/filme/dearfuturechildren

Iris Schürmann-Mock – Frauen sind komisch. Kabarettistinnen in Porträt

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Liesl Karlstadt, Valeska Gert, Maren Kroymann, Carolin Kebekus ... In zehn ausführlichen und fünfzig kurzen Porträts stellt die Journalistin und Autorin die Königinnen der Kleinkunst vor. Ihre Disziplinen: Comedy, Poetry Slam, Tanz, Pantomime, Chanson, Rap.
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Walter Kaufmann – Welch ein Leben! Bundesweiter Kinostart am 30.9.21

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Walter Kaufmann. Welch ein LebenDie Lebensgeschichte des jüdischen Schriftstellers und Korrespondenten Walter Kaufmann vom Kindertransport nach Großbritannien über die DDR und um die ganze Welt erzählt dieser berührende Film.
Alle Infos, der Trailer und Termine unter: www.walterkaufmannfilm.de


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