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AVIVA-BERLIN.de im September 2021 - Beitrag vom 21.07.2019


Aggregat. Ein Dokumentarfilm von Marie Wilke. Ab 19.07.2019 auf DVD
Britta Leudolph

Es rumort in Deutschland. Wirtschaftlich steht das Land 2016/17 besser da, als die letzten zwei Jahrzehnte davor. Doch die Demokratie scheint bedroht. RechtspopulistInnen tragen ihre Hetzparolen bis in die Mitte der Gesellschaft, "besorgte" BürgerInnen fühlen sich …




... durch die sogenannte "Flüchtlingskrise" bedroht und haben das Vertrauen in demokratische Institutionen und die etablierten Medien offenbar verloren.

Doch wie können PolitikerInnen und MedienvertreterInnen diese Menschen erreichen, die nicht mehr zuhören wollen? Menschen, die ihre Informationen ausschließlich aus sozialen Netzwerken beziehen, die mit ihren Algorithmen nur das servieren, was die Nutzerin lesen will.

Marie Wilke bildet in ihrem Dokumentarfilm "Aggregat" dieses Spannungsfeld ab. Gezeigt werden etwa ein BürgerInnendialog der SPD in einer sächsischen Gaststätte, ein Workshop, in dem PolitikerInnen körperliche Abwehrtaktiken und Kommunikation mit renitenten Menschen üben oder Redaktionen der taz und des MDR. Gedreht wird auch am Absperrzaun einer Pegida-Demonstration und auf einer Pressekonferenz der mittlerweile geschassten Frauke Petry, die ein unfertiges Konzept der AFD für die Neuordnung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks präsentiert.

"Aggregat" zeigt, wie PolitikerInnen um Worte ringen, wie sie versuchen, politisches Handeln zu vermitteln. Der Dokumentarfilm besteht aus Fragmenten, die unkommentiert bleiben. Durch diese Distanz werden die Gräben deutlich, die inzwischen zwischen Teilen der Bevölkerung und den politisch Verantwortlichen verlaufen. Es zeigt sich, dass es nur vordergründig um eine vermeintliche "Flüchtlingskrise" geht, das eigentliche Thema ist soziale Ungerechtigkeit.

Zur Regisseurin: Marie Wilke, geboren 1974 Berlin, arbeitete zunächst als Filmvorführerin und als Regie- und Produktionsassistentin bei Spiel- und Dokumentarkurzfilmen. Später studierte sie Regie und Montage an der Schule für Dokumentarfilm, Fernsehen und Neue Medien ´Zelig´ in Bozen, Italien, und Experimentelle Mediengestaltung an der Universität der Künste (UdK) Berlin.
Während der Studienzeit arbeitete Marie Wilke als Filmkritikerin für eine Tageszeitung und als Kamerafrau unter anderem bei dem Dokumentarfilm "Ad occhi chiusi" ("Mit geschlossenen Augen", IT 1998) sowie als Cutterin an Dokumentarfilmen, Nachrichtenbeiträgen und Reportagen in Italien und Deutschland. Ab 1999 realisierte sie eigene Dokumentarfilme und Videoinstallationen und war als Dozentin für Regie und Schnitt in Bozen tätig. Ihr Dokumentarfilm "Con anima e corpo" ("Mit Leib und Seele", IT 2000) lief auf internationalen Festivals. 2004 wurde sie Künstlerische Mitarbeiterin für Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg. Im Jahr darauf schloss sie mit dem Dokumentarfilm "Berlin Eins Dunkel" ihr Studium ab der UdK ab. Im Jahr 2012 begann Marie Wilke mit den Dreharbeiten zu ihrem dritten langen Dokumentarfilm, "Staatsdiener".
Im Forum der 68. Berlinale 2018 stellte Marie Wilke ihren Dokumentarfilm "Aggregrat" vor. Bei der Duisburger Filmwoche gewann der Film den Carte Blanche Nachwuchspreis, außerdem den Preis Bester Dokumentarfilm der Deutschen Filmkritik 2019. Im November 2018 startete "Aggregrat" in den Kinos.
2018 begann Wilke unter dem Titel "Höllental" mit der Arbeit an einer sechsteiligen TV-Dokumentation über den bis heute ungeklärten Mord an Peggy Knobloch (1992-2001).
(Quelle: filmportal, Marie Wilke)

AVIVA-Tipp: "Aggregat" reiht Filmausschnitte aneinander ohne dass sich daraus ein Erzählstrang ergibt. Der Dokumentarfilm stellt Welten nebeneinander, die keinerlei gemeinsame Schnittmenge haben. Dadurch entsteht für die Zuschauerin ein Gesamtbild, das die politische Realität der letzten Jahre treffend darstellt: Auf der einen Seite eine immer komplexer werdende Welt, in der es keine einfachen Lösungen für gesellschaftliche Probleme gibt. Auf der anderen Seite BürgerInnen, die damit überfordert und anfällig für rechte RattenfängerInnen sind. Dazwischen PolitikerInnen, denen es zunehmend schwerer fällt, Inhalte zu vermitteln und sich überhaupt Gehör zu verschaffen. "Aggregat" zeigt, welche Bedrohung sich hieraus für die Demokratie ergibt.

Aggregat
Deutschland 2018
Laufzeit: 94 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung
Regie: Marie Wilke
Produktion: Andreas Banz, Dirk Engelhardt, Matthias Miegel, Robert Thalheim
Kamera: Alexander Gheorghiu
DVD- Informationen:
Sprachen: Deutsch
Tonformat: Dolby Digital 2.0 + 5.1
Bildformat: 16:9, 1,78:1
Ländercode: 2
Label: Zorro Medien
Vertrieb: Indigo
Indigo-Nr: DV 178478
EAN: 4015698880106
Bonusmaterial: Informations-und Unterrichtsmaterial als PDF auf der DVD
DVD-VÖ: 19.07.2019
Mehr zum Film unter: www.facebook.com/AggregatDerFilm


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Beitrag vom 21.07.2019

Britta Leudolph 






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