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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2022 - Beitrag vom 02.10.2021


Das Glück zu leben - The euphoria of being. Ab 30.09.2021 im Kino
AVIVA-Redaktion

Ein berührender Dokumentarfilm von Réka Szabó über die Entstehung einer Tanzperformance, in der die 90-jährige Shoah-Überlebende Éva Fahidi im getanzten Dialog mit der jungen Tänzerin Emese Cuhorka über ihr Leben und Schicksal erzählt, als einzige ihrer Familie das KZ Auschwitz überlebt zu haben.




Bewegt von Éva Fahidis 2011 erschienener Autobiografie "Die Seele der Dinge" ("Anima rerum") nahm die Regisseurin und Choreografin Réka Szabó mit Éva Fahidi und der Tänzerin Emese Cuhorka Kontakt auf. Ihre Idee war es, eine Tanzperformance einzustudieren, um die Lebensgeschichte der Shoah-Überlebenden Éva Fahidi auf die Bühne zu bringen. Der Film dokumentiert in wunderschönen Bildern die monatelange intensive Probenarbeit und die Entwicklung einer engen und achtsamen Beziehung zwischen den drei Frauen. Éva Fahidi stößt dabei aber nicht nur an ihre physischen Grenzen. Der dialogische Prozess schwemmt schmerzhafte Erinnerungen aus der Zeit im Konzentrationslager wieder an die Oberfläche. Mehr und mehr wird die performative Arbeit zur Auseinandersetzung mit ihrem Trauma, als einzige ihrer Familie den Holocaust überlebt zu haben.

"Kann eine Tanz-Performance all dies zusammen sein: Bewegungslust und schmerzhafte Lebenserinnerung, Traumatherapie, kindliches Spiel und intimer Dialog? Ja, das ist möglich und sogar auf strahlende, beglückende Weise. Die ungarische Regisseurin und Choreographin Réka Szabó zeigt es in "Das Glück zu leben", indem sie den Entstehungsprozess einer Performance schildert, bei der die 90-jährige Éva Fahidi und die um 60 Jahre jüngere Modern-Dance-Ballerina Emese Cuhorka einen grandiosen Pas de deux erarbeiten. Tanzstilistisch verbindet die Performance Elemente von Modern Dance und Impro-Tanztheater; thematisch steht die Lebensgeschichte von Éva Fahidi im Mittelpunkt."

"The Euphoria Of Being" hatte seine Weltpremiere 2019 beim Festival in Locarno. Der Dokumentarfilm wurde beim 35. Internationalen Dokumentarfilmfestival München mit dem vom Bayerischen Rundfunk und 3sat verliehenen "kinokino Publikumspreis" und beim Sarajevo Film Festival mit dem "Human Rights Award" im Dokumentarfilm-Wettbewerb ausgezeichnet. Der Film war auf zahlreichen weiteren Festivals zu sehen, unter anderem beim weltgrößten Dokumentarfilmfestival IDFA in Amsterdam.
Seit den Probearbeiten im Jahre 2015 ist die Tanzperformance unter dem Titel "Sea-Lavender oder Die Euphorie des Seins" 77mal aufgeführt worden, in Budapest ebenso wie in Wien und Berlin.

AVIVA-Tipp: Der Dokumentarfilm "The euphoria of being - Das Glück zu leben" ist ein Geschenk. Ein Geschenk, das die Zeitzeugin, die wunderbare Éva Fahidi gemeinsam mit der Tänzerin Emese Cuhorka unter der Regie der Choreografin Réka Szabó an ihr Publikum macht. Ein Film gegen das Vergessen.

The euphoria of being - Das Glück zu leben
Originaltitel: A létezés eufóriája
Internationaler Titel: The Euphoria of Being
Ein Film von Réka Szabó
mit Éva Fahidi und Emese Cuhorka
Ungarn 2019
Verleih: Film Kino Text
83 Min.
OmU
Kinostart: 30.09.2021
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.filmkinotext.de/das-glueck-zu-leben

Die Autobiographie von Éva Fahidi-Pusztai
Die Seele der Dinge

Herausgegeben im Auftrag des Internationalen Auschwitz Komitees, Berlin, und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin
239 Seiten, 40 Abb., 135x210mm, Festeinband mit Schutzumschlag
Lukas Verlag, erschienen Mai 2011
ISBN 978-3-86732-098-6
Mehr zum Buch unter: www.lukasverlag.com


Éva Fahidi (Pusztai) wurde in Debrecen, Ostungarn, in eine große, wohlhabende Familie hineingeboren. Ihr Traum, Pianistin zu werden, fand noch vor der Aufnahmeprüfung an der Musikakademie durch ihre Deportation nach Auschwitz ein jähes Ende. Von dort wurde sie zur Zwangsarbeit nach Deutschland in das KZ-Außenlager Münchmühle im hessischen Allendorf verschleppt. Nach der Befreiung kehrte sie in ihre Heimat zurück, wo sie sich in den ersten Jahren nicht mehr zurechtfinden konnte. Zur Zeit der kommunistischen Schauprozesse erklärte man sie zum "deklassierten Element" und ließ sie als Hilfsarbeiterin beim Aufbau der Stadt Sztálinváros (heute Dunaújváros) schuften. Nach der Revolution 1956 arbeitete sie im staatlichen Außenhandel, nach der Wende 1989 gründete sie eine eigene Außenhandelsfirma. Éva Fahidi lebt heute in Budapest und bezeichnet sich selbst als "Holocaust-Aktivistin". Im Jahr 20212 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz vom Bande für Ihren langjährigen Einsatz gegen das Vergessen und für die Versöhnung von Ungarn, Juden und Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust.


(Quellen: Film Kino Text, Lukas Verlag)


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Beitrag vom 02.10.2021

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