DIE ZWEIFLERS von David Hadda ("Freitagnacht Jews"). Regie Anja Marquardt und Clara Zoë My-Linh von Arnim. Ab 3. Mai 2024 in der ARD Mediathek - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur Film



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2024 - Beitrag vom 02.05.2024


DIE ZWEIFLERS von David Hadda ("Freitagnacht Jews"). Regie Anja Marquardt und Clara Zoë My-Linh von Arnim. Ab 3. Mai 2024 in der ARD Mediathek
AVIVA-Redaktion

Die sechsteilige ARD-Serie DIE ZWEIFLERS um eine jüdische Familie in Frankfurt am Main spiegelt hochkomplexe Erfahrungen von drei Generationen, deren Träume, Erwartungen, Identitäten. Die Ingredienzen: ein hochkarätiger internationaler Cast, eine turbulente Story um die vielfältigen Neurosen, aber auch die Traumata der Überlebenden der Shoah. Sehenswert.




Die Weltpremiere feiern DIE ZWEIFLERS in Cannes: Aus rund 350 Einreichungen wurde "Die Zweiflers" vom Cannes International Series Festival 2024 als einziger deutscher Beitrag für den diesjährigen Wettbewerb ausgewählt. Ausgezeichnet wurde "Die Zweiflers" in den Kategorien "Beste Serie", "Beste Musik" und "High School Award for Best Series".

DIE ZWEIFLERS

Familie kann unglaublich herausfordernd sein. Das kennen auch die Zweiflers in all ihren Facetten. Die jüdische Familie aus Frankfurt am Main steht vor einer alles verändernden Entscheidung: Familienoberhaupt Symcha Zweifler (Mike Burstyn) will das Delikatessenimperium der Familie verkaufen. Doch der Verkauf bringt die Vergangenheit zurück, als unerwartet die der Zeit geschuldeten chaotischen Anfänge von Symcha Zweifler im Frankfurter Rotlichtviertel direkt nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufleben.
Es war die Zeit, als die überlebenden Jüdinnen und Juden, die aus den Konzentrationslagern, aus dem Versteck, den DP-Lagern oder dem Exil zurückkehrten und versuchten, ein Leben nach dem Überleben zu formen.

Ein Geschäft wird zur Zerreißprobe für die ganze Familie, als lang verdrängte Konflikte wieder aufbrechen. Die Liebesgeschichte zwischen Symchas Enkel Samuel, gespielt von Aaron Altaras ("Unorthodox") und der Köchin Saba (Saffron Coomber) verschärft die Situation, als Uneinigkeit darüber entsteht, ob der neugeborene Sohn beschnitten werden soll oder nicht. Samuels Mutter Mimi (Sunnyi Melles) plant die Beschneidung selbstredend bereits bis ins Detail. Ihr Sohn ist hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe zu Frau und Kind, den Erwartungen seiner allgegenwärtigen Familie und den jüdischen Traditionen.

AVIVA-Tipp: "Die Zweiflers" spielt furchtlos mit Klischees und überzieht sie trotz aller streckenweise überzogener Komik ebenso genüsslich durch pointiert gesetzte subtile ironische Zwischentöne ins Warmherzige. Neben aller inszenierter Skurrilität werden auch die Traumata der Überlebenden und ihrer Nachkommen abgebildet. Für ein breites jüdisches wie nichtjüdisches TV-Publikum gleichermaßen eine willkommene Ablenkung in diesen Zeiten nach dem 7. Oktober.

Zum Cast: Patriarch Symcha Zweifler wird glaubhaft von Mike Burstyn verkörpert, der in Israel ein Star ist. In der Rolle der Matriarchin Lilka Zweifler glänzt die in Brooklyn, New York geborene, renommierte Schauspielerin, Sängerin, Theaterregisseurin, Dramatikerin, Librettistin, Choreografin, Übersetzerin und Autorin Eleanor Reissa, die in jeder noch so dramatischen Situation elegant die Contenance behält. Yiddish ist ihre zweite Muttersprache. Yiddish trägt auch diese Serie.
In weiteren Hauptrollen spielen Mark Ivanir, Eleanor Reissa, Deleila Piasko, Leo Altaras, Ute Lemper, Leonille Wittgenstein, Lena Klenke und Martin Wuttke.
Showrunner und Creator von "Die Zweiflers" ist David Hadda, der zusammen mit Juri Sternburg und Sarah Hadda die Drehbücher schrieb. Die Regie führten Anja Marquardt und Clara Zoë My-Linh von Arnim. Die Kamera verantwortet Phillip Kaminiak.

"Die Mehrheit der Deutschen weiß sehr wenig über die jüdischen Menschen, die heute in Deutschland leben. Sie wissen wenig über ihre Kultur, ihre Herkunft, über ihre Geschichte und ihre Lebensrealität.
Ich bin in Frankfurt geboren und aufgewachsen. Beide Eltern sind Kinder von polnischen Juden, die den Holocaust überlebt haben. Der Wunsch nach Zugehörigkeit war stets präsent, doch die Realität der Wurzellosigkeit immer spürbar. Die Verarbeitung biographischer Momente, Erfahrungen und den widersprüchlichen Ansichten war Teil der Serienschöpfung.
Mein Anliegen mit "Die Zweiflers" ist es, eine Familiengeschichte zu erzählen, die einen authentischen Einblick in diesen Mikrokosmos gibt und die Ambivalenz des jüdischen Selbstverständnisses in Deutschland auf tragisch-humoristische Weise verhandelt. Und sich trotzdem nicht herausnimmt, exemplarisch zu sein und irgendjemanden oder irgendwas zu repräsentieren. Der fromme Wunsch ist, nicht auf ein kulturelles Stereotyp reduziert zu werden.
Der Anspruch nach Authentizität spielte vor allem bei der Besetzung eine entscheidende Rolle. Die Glaubwürdigkeit der Charaktere war oberstes Credo, um mit bekannten Stereotypen spielen und diese immer wieder brechen zu können, bei ehrlicher Auseinandersetzung rund um die Fragen nach Identität, Religion und Kultur.
Unsere Serie will vor allem unterhalten und hat sich das Recht rausgenommen, sich nicht erklären oder gar eine Antwort auf all diese Fragen liefern zu wollen."
(David Hadda)
"Die Zweiflers" ist eine Produktion der Berliner Turbokultur GmbH in Koproduktion mit der ARD Degeto Film und dem Hessischen Rundfunk für die ARD und wurde von Hessen Film, dem Medienboard Berlin-Brandenburg, sowie dem FFF Bayern und dem GMPF (German Motion Picture Fund) gefördert. Produzenten sind David Hadda und Martin Danisch. Die Redaktion liegt bei Carolin Haasis (ARD) und Christoph Pellander (ARD Degeto), sowie Jörg Himstedt (Hessischer Rundfunk).

Alle sechs Episoden, die Videos und der Trailer in der ARD Mediathek sind ab 3. Mai 2024 verfügbar unter: www.ardmediathek.de


Quelle: ARD




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Beitrag vom 02.05.2024

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