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AVIVA-BERLIN.de im März 2021 - Beitrag vom 12.11.2008


Wiedersehen mit Brideshead – ab 20. November 2008 im Kino
Christiane Krämer

In der Romanverfilmung des britischen Klassikers werden die fließenden Grenzen von löblichen Motiven und zerstörerischer Einflussnahme im Namen der Liebe von einer genialen Besetzung vorgeführt.




Ein junger Mann packt seine Koffer und verlässt das dunkle Haus seines schwermütigen Vaters für sein Studium. Inmitten der prächtigen Kulisse leuchtender Sandsteinkathedralen im Oxford der Zwanziger Jahre trifft Charles Ryder (Matthew Goode) auf den exzentrischen Sebastian Flyte (Ben Whishaw), der sich dank seiner adligen Herkunft einen dekadenten Lebensstil leistet. Auf dem prunkvollen Familienschloss Brideshead verbringen die Freunde goldene Spätsommertage von berauschender Sinnlichkeit, die durch die Ankunft der strengen erzkatholischen Mutter (Emma Thompson) abrupt gestört wird. Als Charles sich dann in Sebastians hübsche Schwester Julia (Hayley Atwell) verliebt, steht nicht nur die Freundschaft zu Sebastian auf dem Spiel: die Zukunft ihrer beiden Kinder ist zudem keine Frage der Wahl, wie ihm Lady Marchmain unmissverständlich zu verstehen gibt.

Fragwürdiges Wiedersehen auf dem Schloss der zerfallenden Familie

Strömten die barocken Kunstwerke und Statuen in den lichtdurchfluteten Gängen des Schlosses für den angehenden Künstler Charles zunächst die Lust und Fülle des Lebens aus, zeugen die schattigen Gewölbe und die Kapelle nun von "Sünde" und Schuld. Im Abbild der über alles thronenden Mutter Maria zeigt sich die unerbittliche Gräfin selbst als Wächterin über das Leben ihrer Kinder. Noch glaubt der überzeugte Atheist das Blatt der Geschichte wenden zu können. Doch als Charles im zweiten Weltkrieg als Soldat auf das verlassene Schloss zurückkehrt, muss er erkennen, dass etwas stärker war als sein beharrlicher Wille: Doch was wollte Charles Ryder wirklich?

Versklavung im Name der Liebe oder Religion?

Mit dieser Leitfrage des Films wird die Kritik an der britisch-katholischen Aristokratie und ihrer Sexualmoral der kontrovers diskutierten Romanvorlage von Evelyn Waugh aus dem Jahr 1945 perspektivisch umgekehrt. Es geht in der Verfilmung nicht um die Aktualisierung der Gesellschaftskritik des provokativen Originals, sondern um die Ambitionen des prestigehungrigen Charles, der sich vom zerstörerischen Drama der Adelsfamilie magnetisch angezogen fühlt. Abwechselnd bedient dieser den Narzissmus der Geschwister, um sie der Mutter zu entreißen, aber auch, um sie für seine Vorstellungen zu begeistern und für seine Zwecke zu benutzen. Während der selbst ernannte Erlöser damit scheitert, wird die eindeutige Unterscheidung zwischen der Religionsideologie der Mutter und den egoistischen Motiven einer versklavenden Liebe unmöglich.

AVIVA-Tipp: Die Verfilmung des "Becoming Jane"-Regisseurs Julian Jarrold kommt als typisch britisches Kostümdrama mit blühenden Landschaften und architektonischem Prunk zunächst etwas verstaubt daher. Dann beschränkt sich die Geschichte konsequent auf die Dreierbeziehung der ProtagonistInnen, deren spannungsreiche Dialoge filmisch in eine aufgeladene Blicksprache zwischen Charles, dem Geschwisterpaar und der Gräfin übersetzt werden. Von der glatten Schönheit der ästhetisch überfrachteten Bilder heben sich die in ihrer Komplexität äußerst überzeugendend dargestellten Charaktere ab. Für deren leidvolle Zerrissenheit und die Widersprüche der Geschichte, die manchmal unentschlossen wirkt, sind einfache Erklärungen nicht zu finden– was zugleich die Qualität des Films ausmacht.

Wiedersehen mit Brideshead
Originaltitel: Brideshead Revisited
UK 2007, 133 Min.
Nach dem gleichnamigen Roman von Evelyn Waugh
Regie: Julian Jarrold
Buch: Jeremy Brock und Andrew Davies
DarstellerInnen: Matthew Goode, Ben Whishaw, Hayley Atwell, Emma Thompson
Verleih: Concorde Filmverleih
Kinostart: 20. November 2008
www.bridesheadrevisited-themovie.com


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Beitrag vom 12.11.2008

AVIVA-Redaktion 






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