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AVIVA-BERLIN.de im August 2021 - Beitrag vom 20.11.2008


Novemberkind
Clarissa Lempp

Die Suche nach der verschollenen Mutter wird für Inga Knotenpunkt der eigenen Geschichte. Ein Film über Spuren der Vergangenheit in Ost und West, mit einer beeindruckenden Anna Maria Mühe als Inga.




Inga ist in einem kleinen Dorf in Mecklenburg aufgewachsen. Ihre Großeltern haben sich um sie gekümmert, nachdem ihre Mutter Anne 1980 auf Hiddensee ertrank. Wer ihr Vater ist, wissen die Großeltern nicht. Mit dieser Geschichte gibt sich Inga zufrieden, bis Robert auftaucht. Der Literaturprofessor behauptet, ihre Mutter in Konstanz gesehen zu haben. Das Lügenkonstrukt, das von Großeltern und Bekannten aufrecht erhalten wurde, zerbricht. Anne lebt und ist vor 28 Jahren in den Westen geflüchtet. Über die genaueren Umstände wird geschwiegen. Inga bittet Robert um seine Hilfe auf der Suche nach Anne.

Warum verließ Anne ihre Tochter und nahm sie nicht mit in den Westen? Welche Gründe verbergen sich wirklich hinter den Lügen der Großeltern und Bekannten? Welcher Fremde aus der Vergangenheit ihrer Mutter ist tatsächlich ein Freund und welcher angebliche Freund verfolgt doch nur die eigenen Interessen? "Novemberkind" verbirgt eine komplexe Geschichte über menschliche Beziehungen und Ereignisse vor und nach dem Mauerfall. Die schauspielerische Leistung der DarstellerInnen lässt das Dickicht der Fragen mit jeder Minute lichter werden. Anna Maria Mühe stellt Inga nicht als hilfloses Geschöpf dar, das den Lügen anderer ausgesetzt ist. Ihr Verlangen nach der eigenen Geschichte beflügelt sie zur Heldin, die keine Schlacht schlägt, aber dem Widerstand von Halbwahrheiten und Schweigen trotzt wie eine Kriegerin.

Viele bekannte Gesichter, die das deutsche Kino schon in anderen Filmen gut vertreten haben, trifft man wieder in "Novemberkind". Ob Steffi Kühnert (als Kerstin), die bereits in "Halbe Treppe" brillierte und in (fast) keinem Film von Leander Haußmann fehlt oder eben Ulrich Matthes, der mit "Der Untergang" für den Academy Award nominiert war. Umso beeindruckender ist es dann, wie Anna Maria Mühe neben den "Großen" nicht nur besteht, sondern sie viel mehr in ihr eigenes Spiel einbezieht. "Novemberkind" ist Christian Schwochows Regie-Debüt. Ein intensiver Film der durch seine Besetzung und das feinsinnige Drehbuch glänzt - das der Regisseur übrigens zusammen mit seiner Mutter, der Hörfunkautorin Heide Schwochow, geschrieben hat.
Für ihre Darstellung der Inga erhielt Anna Maria Mühe den Nachwuchsdarstellerpreis in Schwerin.

AVIVA-Tipp: Die realistische Sprach- und Bildgestaltung, die zurückhaltenden Farben, erinnern an die Filme der "Neuen Welle" im deutschen AutorInnenfilm, wie etwa Benjamin Heisenbergs "Schläfer". Novemberkind ist aber mehr als ein Film, der einer Form folgt, es ist ein Film, der bewegt. Das beweisen nicht zuletzt die Auszeichnungen als Publikumsliebling beim Filmkunstfest in Schwerin und beim "Max-Ophüls-Preis". Ein Film der zur richtigen Zeit kommt, denn längst ist das Zusammenwachsen von BRD und DDR all zu oft zum "Ostalgie-Event" inszeniert oder mit dem Zeigefinger vereinfacht worden. Hier zeigt sich aber der lange Atem der Geschichte in den kleinen und großen Dimensionen der Menschlichkeit.

Novemberkind
Deutschland 2008, 95 Minuten
Regie: Christian Schwochow
Buch: Heide und Christian Schwochow
DarstellerInnen: Anna Maria Mühe, Ulrich Matthes, Christine Schorn, Hermann Beyer u.a.
Kamera: Frank Lamm
Produktion: Sommerhaus Filmproduktionen
Koproduktion: SWR, Filmakademie Baden-Württemberg, cine plus, Filmemacher
Verleih: Schwarz Weiss Filmverleih
Prädikat BESONDERS WERTVOLL, Filmbewertungsstelle Wiesbaden
Start: 20. November 2008

www.novemberkind.net


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Beitrag vom 20.11.2008

Clarissa Lempp 






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