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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 23.04.2009


Harlan - Im Schatten von Jud Süss
»Nana« Nicole Wenger

Veit Harlan war der erfolgreichste Filmregisseur des Dritten Reiches. Von Goebbels beeinflusst und dem Nazi-Regime mit allen Mitteln gefördert, erreichte der antisemitische Film "Jud Süß" ...




... ein millionenfaches Publikum – in ganz Europa. Vom Reichsführer der SS Himmler verordnet, wurde "Jud Süß" zum Lehrfilm für die gesamte Waffen-SS, die Polizei und andere Reichsorgane gezielt eingesetzt, um Rassenwahn und Judenhass in seiner unfassbaren Dimension zu verbreiten.

Bereits in seiner Gerhard Hauptmann Verfilmung "Der Herrscher" griff Veit Harlan die Volksgemeinschaftsparolen, den Genie- und Herrscherkult auf und versetzte das Ganze gekonnt künstlerisch mit den ideologischen Botschaften der Zeit. Hitler und Goebbels wurden auf Harlan aufmerksam und wussten ihn bis zum Ende ihrer Herrschaft für ihre Propaganda zu nutzen. Für seine aufwendigen Filme wurden alle Mittel zu Verfügung gestellt - Menschen, Juden und Soldaten. Er drehte mit den berühmtesten und beliebtesten SchauspielerInnen, den Stars des Dritten Reiches, die mit jeder Pore das Bild des arischen Herrenmenschen hochhielten. Seine Frau, die Deutsch-Schwedin Kristina Söderbaum, die oft die naive blonde Kindfrau verkörperte und als "Reichswasserleiche" berühmt wurde, entwickelte sich zur Garantin seines Erfolgs. Es ist ihr Filmtod in "Jud Süß", der die Botschaft: "Totschlagen – Der Jude muss weg!" in die Köpfe der ZuschauerInnen pflanzen und verfestigen sollte.

Nach dem Ende des Krieges hatte sich Veit Harlan zweimal vor Gericht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verantworten – er berief sich bis zu seinem Lebensende auf den Zwang, den Goebbels auf ihn ausgeübt habe. Er wurde zweimal freigesprochen, auch wenn die Fragen nach seiner persönlichen Verantwortung und der Beihilfe zur Volksverhetzung nie verstummten. Veit Harlan konnte dennoch seine Filmkarriere weiterführen.

Doch wie geht Harlans Familie mit dem politischen Erbe, ihrer Geschichte und ihrer Verantwortung heute – auch in der dritten Generation - um? Diesen Fragen geht der Regisseur und Dokumentar-Filmer Felix Moeller nach. Er befragt Harlans Söhne, Töchter, Nichten, Neffen und EnkelInnen. Es ist eine große Familie, sie reicht hin bis zu seiner Nichte Christiane, die Stanley Kubrick heiratete und zu seiner Enkelin Jessica Jacoby, deren anderer jüdischer Großvater von den Nazis umgebracht wurde.
Die Reaktionen der Beteiligten fallen dabei sehr unterschiedlich, bisweilen schockierend, aus. Sein ältester Sohn Thomas Harlan setzt sich unnachgiebig mit der politischen wie künstlerischen Verantwortung seines Vaters und seiner Familie auseinander, für ihn ist und bleibt "Jud Süß" ein Mordinstrument:

Ich glaube nicht, dass der Antisemitismus bei ihm ein interessantes Thema ist. (...) Das Wirkliche ist, dass der Nicht-Antisemit der beste Wetzer des Messers war. Und das Schlimmste ist, dass der, der es gemacht hat, nicht verstanden hat, zu was er gerufen worden ist. Und als er es verstanden hat oder hätte verstehen können, immer noch nicht gemerkt hat, dass man in dem Beruf vielleicht doch nicht weiter machen darf."
Sein anderer Sohn Kristian Harlan kann den Umgang der Gesellschaft und seines Bruders nicht nachvollziehen und lehnt jegliche Schuld seines Vaters ab:
Es geht niemanden etwas an, was ich von meinem Vater denke. Er ist mein Vater!"
Seine Töchter Maria und Susanne Körber, die ihren Nachnamen änderten um ihre Schauspielkarriere nicht zu gefährden, versuchten durch ihre Heirat eines jüdischen Mannes Ruhe zu finden und scheiterten daran.

Auch seine Enkel und Enkelinnen stehen unterschiedlich distanziert und betroffen zu ihrer Familiengeschichte: Für manche von ihnen ist das Filmverbot für "Jud Süß" nicht mehr so ganz nachvollziehbar, sie hatten sich den Film "brutaler" vorgestellt. Jessica Jacoby muss damit leben, dass ihr prominenter Großvater Harlan alles Interesse auf sich zog, während ihr jüdischer Großvater in einem Massengrab der Anonymität preisgegeben wurde.

AVIVA-Tipp: Felix Moeller vereint in seinem Dokumentarfilm Biografie, Film- und Zeitgeschichte. Dank seiner sensiblen und verantwortungsvollen Auswahl und Montage von Kommentaren und Filmsequenzen vermeidet er ein einseitiges Portrait einer gespaltenen Familie. Das Schicksal von Millionen europäischer Juden und ihren Familien wird nicht von dem Familienschicksal der Harlans überlagert. Sein Film zeigt aber auch die Bereitschaft Einzelner, sich ihrer Verantwortung und ihrer Familiengeschichte zumindest teilweise entziehen zu wollen. Dem werden deutliche Zeit- und Filmdokumente entgegen gesetzt.

Harlan – Im Schatten von Jud Süss
Ein Film von Felix Moeller
D 2008, 100 Minuten
Regie und Buch: Felix Moeller
Mit: Thomas Harlan, Maria Körber, Caspar Harlan, Kristian Harlan, Jan Harlan, Christiane Kubrick, Jessica Jacoby, Alice Harlan, Chester Harlan, Nele Harlan, Lotte Harlan, Lena Harlan, Stefan Drößler u.a.
Im Verleih der Edition Salzgeber
Musik: Marco Hertenstein, eingespielt vom Philharmonischen Filmorchester München
Kamera: Ludolph Weyer, BVK
Sprecher: August Zirner

Produzenten: Amelie Latscha, Felix Moeller
Redaktion: Felix Kuballa (WDR), Rolf Bergmann (RBB), Barbara Denz (NDR), Outi Saarikosky (YLE)
Eine Produktion von Blueprint Film
Koproduktion: WDR/RBB/NDR
Zusammenarbeit: YLE TEEMA ATELJEE
Mit besonderer Unterstützung von Friedrich-Wilhelm-Murnau Stiftung / Transit Film
Gefördert durch FFF Bayern, den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Deutscher Filmförderfonds, Projektentwicklung unterstützt durch das Media Programm der Europäischen Union

Kinostart: 23. April 2009
Weitere Informationen im Netz finden Sie unter:
www.salzgeber.de


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Beitrag vom 23.04.2009

AVIVA-Redaktion 






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KINDER DER HOFFNUNG. Kinostart 4. November 2021

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KINDER DER HOFFNUNG von Yael Reuveny
Seit zehn Jahren lebt die israelische Regisseurin Yael Reuveny (SCHNEE VON GESTERN) in Berlin. In Super-8-Aufnahmen aus ihrer Kindheit und Kurzporträts ihrer Mitschüler*innen in Israel heute dokumentiert sie, was aus den Träumen und Idealen ihrer Generation geworden ist. KINDER DER HOFFNUNG kommt zum Jahrestag der Ermordung von Jitzchak Rabin im Jahr 1995 ins Kino.
Mehr zum Film, der Trailer und Kinotour unter: www.filmkinotext.de/kinder-der-hoffnung.html

MITRA. Kinostart: 18.11.2021

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MITRA
Inspiriert vom Schicksal seiner Familie erzählt Regisseur Kaweh Modiri die Geschichte der Iranerin Haleh, die 37 Jahre nach der Hinrichtung ihrer Tochter die Frau wieder trifft, die sie dafür verantwortlich macht. Paraderollen für Jasmin Tabatabai, Shabnam Tolouei und Singer-Songwriter Mohsen Namjoo, der auch die Filmmusik komponierte.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/mitra

PLAN A – Was würdest du tun? Ab 9. Dezember 2021 im Kino

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PLAN A – Was würdest du tun?
1945 plant eine Gruppe Holocaust-Überlebender die größte Racheaktion der Geschichte: Für jeden jede/n ermordete/n Jüdin/Juden soll ein/e Deutsche/r sterben. Doch kurz bevor der erste Giftanschlag ausgeführt werden kann, wird der Plan aufgedeckt.
Mehr zum Film, Kinotour mit Filmgespräch, den teilnehmenden Kinos und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/plan-a

Das Glück zu leben - The euphoria of being. Ab 30.09.2021 im Kino

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Das Glück zu leben - The euphoria of being
Dokumentarfilm von Réka Szabó über die Entstehung einer Tanzperformance, in der die 90-jährige Éva Fahidi im getanzten Dialog mit einer jungen Tänzerin über ihr Leben und Schicksal erzählt, als einzige ihrer Familie das KZ Auschwitz überlebt zu haben.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.filmkinotext.de/das-glueck-zu-leben

Zuhurs Töchter. Kinostart am 04.11.2021

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Zuhurs Töchter
Das Regie-Team Laurentia Genske und Robin Humboldt zeichnet in ihrem neuen Werk das Porträt der beiden Transgender-Teenager Lohan und Samar, die in ihrer neuen Heimat Deutschland endlich ihre weibliche Identität entfalten können.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/ zuhurstoechter

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris

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Biografische Porträts der Fotokünstlerinnen, Porträtfotografinnen und Fotoreporterinnen Marianne Breslauer, Gisèle Freund, Dora Maar und Lee Miller im Paris der 1920er und 1930er Jahre.
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Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Mit Dr. Lea Wohl von Haselberg, Veronika Kracher, Dr. Ingrid Strobl, Dr. Michal B Ron. Moderiert von Sharon Adler. Im Rahmen der Ausstellung mit Werken von Elianna Renner und Sharon Paz bei alpha nova & galerie futura

Roamers – Follow your Likes, Kinostart: 22. Juli 2021

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Der Dokumentarfilm ROAMERS erzählt von der Suche "Digitaler Nomaden" auf der Jagd nach dem nächsten, perfekten Moment nach Sinn und Halt in einer neuen, digitalen Welt unzähliger Möglichkeiten.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour in Anwesenheit der Regisseurin Lena Leonhardt unter: www.camino-film.com/filme/roamers

Dear Future Children. Ab 14. Oktober 2021 im Kino

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Dear Future Children
Drei Länder, drei Konflikte, drei Frauen und ein ähnliches Schicksal: Doch sie haben nicht vor aufzugeben: Hilda in Uganda, Rayen in Santiago de Chile, und Pepper in Hongkong. Sie kämpfen weiter. Für ihre und unsere zukünftigen Kinder.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour unter: www.camino-film.com/filme/dearfuturechildren

Iris Schürmann-Mock – Frauen sind komisch. Kabarettistinnen in Porträt

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Liesl Karlstadt, Valeska Gert, Maren Kroymann, Carolin Kebekus ... In zehn ausführlichen und fünfzig kurzen Porträts stellt die Journalistin und Autorin die Königinnen der Kleinkunst vor. Ihre Disziplinen: Comedy, Poetry Slam, Tanz, Pantomime, Chanson, Rap.
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fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen

Walter Kaufmann – Welch ein Leben! Bundesweiter Kinostart am 30.9.21

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Walter Kaufmann. Welch ein LebenDie Lebensgeschichte des jüdischen Schriftstellers und Korrespondenten Walter Kaufmann vom Kindertransport nach Großbritannien über die DDR und um die ganze Welt erzählt dieser berührende Film.
Alle Infos, der Trailer und Termine unter: www.walterkaufmannfilm.de


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