Ulrike Ottinger - Die koreanische Hochzeitstruhe. Termine und Spielstätten in Berlin auf AVIVA-Berlin - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur Film



AVIVA-BERLIN.de im November 2021 - Beitrag vom 24.09.2009


Ulrike Ottinger - Die koreanische Hochzeitstruhe. Termine und Spielstätten in Berlin auf AVIVA-Berlin
Claire Horst

Ursprünglich wollte die Regisseurin nur einen Kurzfilm drehen, einen Beitrag für das Internationale Frauenfilmfestival in Seoul. Auf ihrer Koreareise sammelte sie aber so viel Material, dass ein...




... abendfüllender Dokumentarfilm entstanden ist.

Schon mehrfach hat Ulrike Ottinger in ihren Filmen Rituale verschiedener Kulturen abgebildet, etwa in Dokumentationen über China und die Mongolei. In ihrer Sicht sagt das Hochzeitsritual sehr viel über die Kultur eines Landes aus. Und so steht die titelgebende Hochzeitstruhe symbolisch für den koreanischen Alltag. "Eine Hochzeitstruhe ist nicht nur eine Archivbox, sondern etwas sehr Lebendiges und zugleich etwas ganz Traditionelles". Diese Feststellung der Regisseurin lässt sich auf das Gesamtbild übertragen, das sie vom heutigen Korea zeichnet. Das Land wirkt zugleich hochmodern und archaisch. Seoul ist eine der modernsten Großstädte der Welt, und dennoch sind alte Traditionen noch lebendig.

Die Hochzeitstruhe wird den Brauteltern vor der Hochzeit von einem Boten überbracht. Die hochkompliziert verpackte Truhe trägt er auf dem Rücken, gekleidet im traditionellen "Hanbok", den farbenfrohen koreanischen Gewändern. Den Boten begleitet die Kamera auf seiner langen Wanderung durch die Hauptstadt, vorbei an Märkten, Motorrädern und Hochhäusern.

Zum Heiraten gehört aber noch viel mehr. Ottinger zeigt das umfassende Business, das heute damit verbunden ist. Schneebedeckte Tempel (die eine wunderbare Ruhe ausstrahlen), moderne Fotostudios, Kräuterapotheken, Friseurläden, sie alle sind einbezogen in die Vorbereitungen. Ein junges Paar lässt Bilder in einem Passbildautomaten machen und "im Stil von Michelangelo" per Computer zum Ölgemälde bearbeiten, befestigt ein Schloss mit den eigenen Namen zwischen zahllosen Schlössern anderer Paare an einem Zaun und lässt sich stundenlang im Schönheitssalon bearbeiten.

Ottingers Kamera fängt dabei immer viel mehr ein als die vordergründigen Ereignisse, die eigentliche Hochzeit. Denn sie beobachtet sehr genau die zahllosen Angestellten, die im Hintergrund agieren und für den reibungslosen Ablauf sorgen. Absurd wirkt deren Beteilung an der Hochzeit etwa dann, wenn die wichtigsten Gäste während der Zeremonie ständig zurechtgewiesen, zurechtgezerrt und kameragerecht positioniert werden. "Diese Assistenten agieren ähnlich wie die Assistenten im asiatischen Theater, die die Puppen führen und dabei – eigentlich – nicht gesehen werden, nur die Figuren werden gesehen. Die Assistenten werden gewissermaßen `weg-gesehen`."

So gelingt es Ottinger dank ihrer Außenseiterinnenperspektive, zwei Ebenen zugleich darzustellen. Wie die großformatigen Hochzeitsalben, die jede koreanische Familie besitzt, zeigt der Film die jahrhundertealte koreanische Hochzeitstradition. Zugleich zeigt er deren Inszenierung in einem Land am Übergang. Eigentlich ist das heutige Korea natürlich nicht mehr das Land der Schamaninnen und Tempeltrommeln, der Ahnentafeln und "hundertjährigen Ehen". Scheidungen sind ebenso häufig wie in Europa, sie werden nur nicht gern erwähnt. In Ottingers Korea scheinen diese Gegensätze immer wieder auf und durchbrechen gängige Erwartungen. Großartig sind scheinbar nebensächliche Szenen, wenn etwa der Disput zwischen einer älteren Marktfrau und ihrer Kundin aufgezeichnet wird und damit jedes Klischee von den "höflichen und zurückhaltenden AsiatInnen" widerlegt wird.

AVIVA-Tipp: Obwohl nicht jede Hochzeit in Korea mit dem gleichen Aufwand betrieben wird, bietet der Film einen erhellenden Einblick in ein Land, dass von ganz anderen Traditionen geprägt ist als Europa. Ulrike Ottinger ist es gelungen, eine Familie in ihrem Alltag zu begleiten, und das so gut, dass man die Kamera beinahe vergisst. Die zurückhaltende koreanische Musik sowie das den Film strukturierende Märchen tragen – ebenso wie wunderbare Landschaftsaufnahmen - zu einer spielerischen und gelösten Atmosphäre bei.

Zu der Regisseurin: Ulrike Ottinger wurde am 6. Juni 1942 geboren. Von 1962 bis 1968 lebte sie als Malerin und Fotografin in Paris, seit 1973 lebt sie in Berlin. Seither realisierte sie 21 Filme, inszenierte Theaterstücke und Opern. "Die koreanische Hochzeitstruhe" feierte 2009 im Forum der 59. Berlinale ihre erfolgreiche Premiere und hatte im Anschluss weitere Stationen auf internationalen Festivals.
Filmografie (Auswahl): Madame X – Eine Absolute Herrscherin (BRD 1977), Superbia (Der Stolz) (BRD 1986), Bildnis einer Trinkerin (BRD 1979), China. Die Künste – Der Alltag (BRD 1985), Freak Orlando (BRD 1981), Johanna D´Arc Of Mongolia (BRD/Fr 1989), Taiga (D 1992), Zwölf Stühle (D 2004), Prater (D/A 2007)
(Quelle: Arsenal Distribution)

Die koreanische Hochzeitstruhe
R: Ulrike Ottinger
D 2008, 82 min, 35 mm, Farbe, Dolby SR, Koreanisch/Deutsch, mit dt. UT
Kinostart: 01.10.2009

Berliner Spielstätten:
ab 01.10. tgl. im Broadway, Sonntags-Matinee im Delphi
vom 21.-27.10. täglich 20 Uhr im Arsenal
Preview: 30.09.09 um 19 Uhr in der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin

Der Film im Netz: www.ulrikeottinger.com/de/fkoho

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Südostpassage von Ulrike Ottinger


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Beitrag vom 24.09.2009

Claire Horst 






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