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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2021 - Beitrag vom 16.12.2009


Séraphine - Ein Film von Martin Provost mit Yolande Moreau
Sunna Krause-Leipoldt

Das filmische Portrait von Séraphine Louis, einer herausragenden, aber noch relativ unbekannten Vertreterin der "Naiven Kunst", avancierte in Frankreich in kurzer Zeit zum Publikumsliebling und...




...gewann 2009 sieben Césars.

Der deutsche Kunstsammler Wilhelm Uhde (gespielt von Ulrich Tukur) zieht 1912 in das französische Städtchen Senlis, um sich dem Schreiben zu widmen und von dem hektischen Treiben der Großstadt zu erholen. Als Haushälterin stellt ihm seine Vermieterin die unscheinbar und wortkarg wirkende Séraphine (Yolande Moreau) an die Seite.

Eines Tages findet Uhde, Entdecker von Picasso und Rousseau, ein Bild, das ihn sofort berührt und begeistert. Zu seiner Überraschung stellt sich heraus, dass das Werk von Séraphine stammt. Noch ganz angetan von ihrer außergewöhnlichen Arbeit beschließt er, die eigenwillige und von allen belächelte Künstlerin zu fördern.

Als die Deutschen zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Frankreich einfallen, muss Uhde fliehen und lässt die Arbeiten seines Schützlings Séraphine zurück. Vor seinem Aufbruch verspricht er ihr jedoch noch, wieder zu kommen, und bittet sie inständig, nicht mit dem Malen aufzuhören.

Séraphine hält Wort und widmet sich in jeder freien Minute der Kunst. Ihre Farben fertigt sie sich selber an – aus Schlamm, Tierblut und Blütenstaub. Uhde kehrt 1927 nach Frankreich zurück und wird durch eine Ausstellung lokaler KünstlerInnen an seine Entdeckung von damals erinnert.

Mit seiner finanziellen Unterstützung kann Séraphine sich nun ganz der Malerei hingeben. Ihre Werke werden immer imposanter, ihre Erstellung immer mehr zu einem Ritual. Sie malt nur nachts zu den Klängen von Kirchenliedern und ist dabei wie in Trance.

Séraphine erreicht mit ihren Arbeiten einen gewissen Bekanntheitsgrad, doch dann kommt die Wirtschaftskrise und Uhde kann oder will sie nicht weiter unterstützen. Für die Malerin ist das zuviel. Séraphine verliert den Verstand...

Das Biopic wurde 2008 in den französischen Kinos gezeigt und erhielt bei der Verleihung des nationalen französischen Filmpreises 2009 sieben Césars. Ausgezeichnet wurde es in den Kategorien "Bester Film", "Bestes Drehbuch", "Beste Kamera", "Beste Kostüme", "Beste Ausstattung" und "Beste Musik". Zudem wurde Yolande Moreau für ihre Interpretation der Séraphine als "Beste Hauptdarstellerin" mit dem Preis geehrt.

Laut dem französischen Kunstkritiker Anatole Jakovsky(1909 - 1988), war Séraphine "eine der größten naiven Maler der Welt und aller Zeiten." Der Regisseur und Drehbuchautor Martin Provost schildert in seinem Werk nicht nur das Leben dieser ungewöhnlichen Frau, sein Hauptaugenmerk liegt auf ihrem Schaffensdrang. Ohne große Worte, aber mit viel Liebe zum Detail übermittelt er den ZuschauerInnen, wie lebensnotwendig die Malerei für Séraphine war. In einfachen, fast meditativen Einstellungen stellt er nach, wie die Künstlerin ihre Farben selber kreierte, sich Inspiration in der Natur holte und völlig in ihrer Arbeit an den Bildern aufging.

Die nüchterne Zurückhaltung in der Darstellung unterstreicht nicht nur die Seriosität des Films, sondern lässt den ZuschauerInnen auch die Möglichkeit einer eigenen Interpretation.

Das Leben und Schaffen der Künstlerin wurde mit dem Film aus der Vergessenheit herausgeholt und wieder für ein breites Publikum sichtbar gemacht. Von Oktober 2008 bis Mai 2009 fand eine Einzelausstellung der Werke von Séraphine im "Musée Maillol" in Paris statt.

Zur Hauptdarstellerin: Yolande Moreau wurde 1953 in Brüssel geboren und absolvierte ihr Schauspielstudium an der Ecole Jaques Lecoq. 1982 hatte sie ihren ersten Erfolg mit dem One-Woman-Stück "Sale affaire du sexe et du crime". Die Schauspielerin war in Filmen wie "Sans toit ni loi" (Vogelfrei) von "Agnès Varda" zu sehen. Vor allem die Zusammenarbeit mit Jean Pierre Jeunet war erfolgreich: "Amelie Poulain" avancierte 2001 zum Publikumsliebling. Mit "Quand la mer monte" "(Wenn die Flut kommt)" stellte die Schauspielerin erstmals ihr Talent als Regisseurin und Drehbuchautorin unter Beweis. Mit der Rolle der Irène gewann sie 2005 den César als beste Darstellerin sowie die Auszeichnung für das beste Erstlingswerk. Für ihre Interpretation der Séraphine erhielt sie 2009 erneut den César als beste Akteurin und reiht sich somit in die Riege großer französischer Schauspielerinnen wie Catherine Deneuve und Nathalie Baye ein.
(Quelle: Arsenal Filmverleih)

AVIVA-Tipp: Durch eine geschickte Kameraführung und die melancholische Filmmusik von Michael Galasso erlangt der Film "Séraphine" eine Tiefe, die unter die Haut geht. Sowohl Besetzung als auch Regie überzeugen und sorgen dafür, dass die Darstellung zu keinem Zeitpunkt überzogen wirkt. Der Film präsentiert sich ohne viele Worte und richtet den Blick der ZuschauerInnen somit auf das Wesentliche.

Séraphine
Frankreich 2008
Regie: Martin Provost
ProduzentInnen: Miléna Poylo und Gilles Sacuto
Drehbuch: Martin Provost und Marc Abdelnour
DarstellerInnen: Yolande Moreau, Ulrich Tukur, Anne Bennent, Geneviève Mnich, Nico Rogner, Adélaїde Leroux, Serge Larivière, Françoise Lebrun u.v.a.
Kamera: Laurent Brunet (Austrian Film Comission)
Musik: Michael Galasso
Original mit Untertitel und in synchronisierter Fassung
Länge: 125 Minuten
Arsenal Filmverleih
Kinostart: 17. Dezember 2009
Mehr zum Film: www.filmpresse-meuser.de und www.arsenalfilm.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Wenn die Flut kommt". Ein Film von und mit Yolande Moreau.

"Séraphine Louis" von Manja Wilkens und Hans Körner.

"Interview mit Agnès Varda".


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Beitrag vom 16.12.2009

AVIVA-Redaktion 






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