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AVIVA-BERLIN.de im September 2021 - Beitrag vom 28.07.2010


Briefe an Julia - Ein Film von Gary Winick
Undine Zimmer

50 Jahre für die Liebe: Claire (Vanessa Redgrave) hat sich in den Kopf gesetzt, ihre Jugendliebe Lorenzo Bartolini (Franco Nero) wiederzufinden. In der Toskana leben jedoch 72 Lorenzo Bartolini, ...




... die in Frage kämen. Auf ihrer Suche begleitet wird Claire von ihrem Neffen Charlie, der, kaum in Verona angekommen, am liebsten sofort umgedreht wäre und von der angehenden Journalistin Sophie, die sie ermuntert die Reise fortzusetzen, um ihren Lorenzo zu wiederfinden.

In Verona treffen mehrere Zufälle aufeinander: Die angehende Journalistin Sophie (Amanda Seyfried) findet unter dem Balkon von Shakespeares Julia - der Pilgerstätte der Liebenden - nicht nur zahlreiche TouristInnen, die ihre Liebesbotschaften in den Mauerritzen hinterlassen, sondern auch eine Gruppe von Frauen, die sich "Julias Sekretärinnen" nennen und die hinterlassenen Liebesbriefe beantworten. Sophie beginnt selbst Antworten zu schreiben, als sie einen vergessenen Umschlag findet, der seit 50 Jahren auf Julias Ratschlag wartet. Ihre Antwort zeigt eine schnelle Wirkung, denn schon ein paar Tage später taucht die Schreiberin des Briefes Claire (Vanessa Redgrave) mit ihrem Neffen Charlie (Christopher Egan) in Verona auf. Während Claire begeistert ist, dass Sophie sie auf ihrer Suche begleiten möchte, hält sich Charlies Freude in Grenzen. Es wird sich jedoch zeigen, dass Claire recht hat, wenn sie Sophie anvertraut, dass sich hinter Charlies stacheligem Verhalten ein weicher und warmherziger Kern verbirgt.

Tatsächlich kommen sich Sophie und Charlie nach langen Autofahrten durch die weite toskanische Landschaft und komischen, tragischen und tragikomischen Begegnungen mit zahlreichen Lorenzo Bartolinis langsam näher. Sophie tritt jedoch verwirrt den Rückzug nach Verona an, denn sie ist mit ihrem Verlobten Victor (Gael García Bernal) unterwegs, um eine vorgezogene Hochzeitsreise zu genießen. Victor ist jedoch seit Beginn der Reise vor allem mit seiner kurz bevorstehenden Restauranteröffnung beschäftigt und schleppt Sophie auf allerlei Käseverköstigungen und Weinproben mit.

"Briefe an Julia" ist ein luftiger Sommerfilm, eine Mischung aus Shakespeareadaptionen wie "Viel Lärm um Nichts" oder "Shakespeare in Love" und einem Hauch Woody Allen. In einem Film, der sich auf "Romeo und Julia" beruft, darf natürlich auch die obligatorische Balkonszene nicht fehlen. Es werden alle Register gezogen, die in einer so angelegten Liebeskomödie vorkommen müssen: Die mütterliche Beziehung zwischen der älteren Frau Claire und der jüngeren Sophie, und das Aufeinanderprallen der Vorurteile zwischen dem skeptischen und gebügelten Briten Charlie gegenüber der jungen Amerikanerin Sophie. In der zweiten Hälfte drückt das Ganze sehr auf die Tränedrüse, wenn während der Reise auch noch die Familiengeschichten und Unsicherheiten der Figuren zum Vorschein kommen.

Julias Sekretärinnen, der "Club di Giulietta" existiert tatsächlich in Verona. Die ehrenamtlich arbeitenden "Giuliettas" sammeln seit 1972 jeden Tag die Briefe der unglücklich Verliebten ein, um diese zu beantworten. Mehr als tausend Briefe pro Jahr werden in 20 Sprachen geschrieben. Jedes Jahr am Valentinstag wird der schönste Liebesbrief des Jahres präsentiert. Wer sein Liebesanliegen nicht direkt in Verona unter dem Balkon der Julia verstecken kann, findet die Giuliettas auch im Internet: www.julietclub.com. Und wer dann noch nicht genug hat, kann in Lise und Ceil Friedmans Buch "Letters to Juliet: Celebrating Shakespeare´s Greatest Heroine, the Magical City of Verona, and The Power of Love" weiterlesen. In "Briefe an Julia" sind die Sekretärinnen übrigens ein wunderbar bunt besetztes Frauenensemble italienischer Schauspielerinnen (Luisa Ranieri u.a.), das sich auch in einem Almodovar-Film hätte sehen lassen können.

AVIVA-Tipp Es ist schon einen Kinobesuch wert, Vanessa Redgrave als Claire zu sehen, die, suchend und mit einer Mischung aus Angst und freudiger Erwartung die unzähligen Lorenzos aufsucht. Trotz Charlies unbeholfener Versuche Sophies Aufmerksamkeit mit Gags und Sticheleien zu erringen, die uns irgendwie schon bekannt vorkommen, gelingt es den Filmemachern, Sympathien für die gar nicht so souveränen und emotionalen HeldInnen aufkommen zulassen. "Briefe an Julia" begegnet dem Kitsch dieser Liebesgeschichte im Italienflair mit leichter Selbstironie und einem sicheren Gespür für eine feine Komik, immer wieder bestechen kleine Pointen. Das macht die Geschichte im Ganzen zwar etwas rührselig, aber auch liebenswert. Wer diesen Sommer noch nicht verreist war: Auf nach Verona!

Briefe an Julia
USA 2009
DarstellerInnen: Amanda Seyfried, Vanessa Redgrave, Gael García Bernal, Christopher Egan und Franco Nero
ProduzentInnen: Caroline Kaplan, Ellen Barkin, Mark Canton
Buch: José Rivera, Tim Sullivan
Verleih: Concorde
Länge: 105 Minuten
Kinostart: 19. August 2010
www.briefe-an-julia.de


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Beitrag vom 28.07.2010

Undine Zimmer 






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