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AVIVA-BERLIN.de im März 2021 - Beitrag vom 26.07.2011


Toast. Filmstart am 11. August 2011
Marie-Luise Wache

Die Regisseurin SJ Clarkson verfilmte die Biografie des britischen Kochstars und Restaurantkritikers Nigel Slater. Skurril, witzig und dramatisch erzählt sie, unter anderem mit Helena Bonham Carter...




... in einer der Hauptrollen, die Kindheit und Jugend Nigels im England der 1960er und 70er Jahre.


Nigel Slater hat in Großbritannien denselben Bekanntheitsgrad und Kultstatus erlangt wie Jamie Oliver. Was in seiner Kindheit passierte und wie er die Leidenschaft zum Kochen entdeckte, schildert er in seiner im Jahr 2006 im Piper Verlag erschienenen Biografie "Halbe Portion - Wie ich lernte die englische Küche zu lieben". Diese wurde 2010 zunächst für eine TV-Produktion und schließlich für die Kinoleinwand von Regisseurin SJ Clarkson ("Dr. House") in Szene gesetzt.

Schon in den ersten Minuten des Films, in denen der 8-jährige Nigel Slater (Oscar Kennedy) träumerisch vor Käsekuchen oder frischen Würsten stehend zu sehen ist, wird der Zuschauerin klar, um was es in seinem jungen Leben geht: Essen. Zum Leidwesen Nigels ist seine Mutter (Victoria Hamilton) zwar die liebevollste Mama, die er sich vorstellen kann, nur eben leider eine weniger gute Köchin. Ihre "Kochkünste", die sich täglich in mit salziger Butter bestrichenen Toasts oder Konservendosenmahlzeiten äußern, macht sie jedoch mit dem unerschütterlichen Glauben an die Gesundheit dieser Nahrung sowie der Zuneigung und Fürsorglichkeit zu ihrem Sohn wett.
Jeder Versuch des jungen Nigel, seine Eltern kulinarisch in Richtung Salat, Käse oder selbstgebackene Kuchen zu bewegen, scheitert. Aber der Junge liebt seine Mutter, über deren Leben frau außerhalb der Küche leider wenig erfährt, er isst ihre wenig abwechslungsreichen Mahlzeiten und studiert nachts heimlich Kochbücher unter der Bettdecke.

Als die Mutter an ihrem Lungenleiden stirbt, stellt der Vater Nigels (Ken Stotter) eine Reinigungskraft ein. Ms. Potter, überzeugend gespielt von Helena Bonham Carter, wickelt, zusätzlich zu ihren "Putzqualitäten" und zum Entsetzen Nigels, den Witwer mit modernsten Koch- und Backkreationen um den Finger, um durch eine Heirat in die Middle Class aufzusteigen.

Ein erbitterter Kampf um die Aufmerksamkeit und den Respekt des Hausherrn entbrennt. Die Positionen sind klar, die wirkungsvollsten Mittel auch - Gaumenfreuden. Im Alter von 14 Jahren beschließt Nigel Kochen im Haushaltskurs zu lernen, und nicht, wie die anderen Jungs seiner Klasse am Werkunterricht teilzunehmen. Mit den besten Zitronen-Baiser-Tortenkreationen, den saftigsten Porkpies oder den süßesten Teascones wird gewetteifert - bis schließlich einer auf der Strecke bleibt und sich das Leben aller Beteiligten ändert.

Toast ist ein bis ins kleinste Detail durchdachter Film, der mit einer hervorragenden Besetzung glänzt. Drehbuchautor Lee Hall schrieb, ähnlich wie in seinem bekanntesten Film Billy Elliot, eine starke, in der Unter- und Mittelklasse verankerte, typisch britsische Geschichte. Witzige Dialoge, ernsthafte Grübeleien, kindliche Neugier, aber auch die Verarbeitung des Verlusts der Mutter und den Kampf um den Respekt des Vaters vereint der Autor so geschickt, dass eine magische aber authentische Geschichte entsteht. Zu diesem stetig mitschwingenden Zauber hat die Regisseurin SJ Clarkson mit einer an "Die fabelhafte Welt der Amélie"-erinnernden Filmmusik, bunten Bildausschnitten, schrägen Kameraeinstellungen und sehr gutem Cast einen großen Teil beigetragen.

Helena Bonham Carter überzeugt in der Rolle eines etwas schrillen, leicht verrückten aber wenig sympathischen "Haushaltsmonsters", das kein Staubkorn unangetastet lassen kann. Die Rolle des Teenagers Nigel Slater wurde durch Freddie Highmore mit einem talentierten Jungschauspieler, bekannt geworden durch Tim Burtons "Charlie und die Schokoladenfabrik", besetzt.

AVIVA-Tipp: "Toast" rückt als ehrlicher, schriller und magischer Film weniger die Kochkünste des Nigel Slaters in den Vordergrund, als vielmehr die in der Kindheit verwurzelten Motive seiner Kochleidenschaft. Dabei geht es zwar auch ums Essen, aber vor allem um das Duell mit der Schwiegermutter und die Erziehung in einem kleinbürgerlichen, englischen Ort in den 1960er Jahren - verpackt als leichte Kost.

Zur Regisseurin: In den vergangenen Jahren arbeitete SJ Clarkson auf beiden Seiten des Atlantiks an einigen der bekanntesten TV-Shows mit. Sie war Co-Autorin der erfolgreichen BBC-Serie Mistresses, bei deren Eröffnungsfolge sie auch Regie führte und wovon es inzwischen auch eine US-amerikanische Version gibt. 2008 drehte sie für Carnival/IT die dreiteilige Folge Whitechapel (Jack the Ripper ist nicht zu fassen) mit Rupert Penry-Jones und Phil Daniels. Die Miniserie hat die Aufklärung von Serienmorden, verübt von einem Nachahmungstäter von Jack the Ripper, zum Thema und erreichte außergewöhnlich hohe Zuschauerquoten. 2009 führte Clarkson Regie bei Dexter, der von der Kritik gefeierten US-Serie über das Doppelleben eines Gerichtspathologen/Serienmörders, sowie zwei Folgen der beliebten NBC-Serie Heroes. Nach Toast kehrte SJ Clarkson in die Vereinigten Staaten zurück, um einige Episoden der Arzt-Serie Dr. House zu drehen. (Quelle: MFA+ Film )

Toast
Basierend auf der Autobiografie von Nigel Slater
Regie: SJ Clarkson
Drehbuch: Lee Hall (Billy Elliot)
DarstellerInnen: Helena Bonham Carter, Ken Stott, Victoria Hamilton und Freddie Highmore
Verleih: MFA+ Film
Länge: ca. 100 Minuten
Kinostart: 11. August 2011

www.mfa-film.de


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Beitrag vom 26.07.2011

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