Fliegende Fische müssen ins Meer. Ein Film von Güzin Kar. Ab 23. März 2012 gibt es den Gewinner des Max-Ophüls-Preises 2011 auf DVD - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur Film





 

Chanukka 5782




AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 25.03.2012


Fliegende Fische müssen ins Meer. Ein Film von Güzin Kar. Ab 23. März 2012 gibt es den Gewinner des Max-Ophüls-Preises 2011 auf DVD
Marie-Luise Wache

Die dreifache Mutter Roberta, gespielt von Meret Becker, scheint ihren jugendlichen Eifer nicht nur in Sachen Männern nie verloren zu haben, hingegen wirkt ihre 15-jährige Tochter Nana schon...




... allzu erwachsen. Ein skurriler Rollentausch in einer Mutter-Kind-Beziehung, der das Chaos vorprogrammiert.

Roberta (Meret Becker) stürzt sich immer wieder in neue Liebesabenteuer von kurzer Dauer, die weder für sie noch für ihre Kinder gut sind. Die jeweiligen Herren lernt sie bevorzugt während ihrer Arbeit auf einem Ausflugsdampfer kennen, der den Grenzfluss zwischen Schweiz und Deutschland befährt. Roberta vertraut in die Versprechen der Männer, mit ihr und ihren Kindern die große, weite Welt zu bereisen, wird aber immer wieder enttäuscht. Da sich ihre Mutter in Zukunftsträumen verliert, muss die älteste Tochter, die 15-jährige Nana (Elisa Schlott) für die Familie sorgen. Täglich arbeitet sie als Schleusenwärtin beim Wasserkraftwerk, erledigt die Einkäufe und bringt ihre Geschwister ins Bett.

Als sich das Jugendamt bei Roberta meldet und droht, die Kinder ins Heim zu geben, falls sie ihre Rolle als dreifache Mutter nicht ernster nimmt, verspricht sie Besserung. Da sich die Kinder darauf nicht verlassen wollen, begeben sich Nana und ihre Geschwister erst mal auf die Suche nach einem geeigneten Mann und eventuellem Familienvater. Doch dann verliebt sich die 15-Jährige selbst in einen der Anwärter, den jungen und attraktiven Arzt des Dorfes (Barnaby Metschurat).

Als Kulisse für die tragik-komische Familiengeschichte dient ein Grenzdorf zwischen Deutschland und der Schweiz. Umgeben ist das provinziale Städtchen von Wiesen aus sattem Grün, die vielleicht die seltenen TouristInnen zu Begeisterungssprüngen rühren, jedoch nicht Roberta und ihre Familie. Die kleine Gemeinde ist genau so, wie frau sich einen Ort am Ende der Welt vorstellt. Die BewohnerInnen leben nach konservativen Wertvorstellungen, Hausfrauen und Verkäuferinnen treffen sich einmal wöchentlich zum Singen im Chor, es gibt genau eine Fleischerei, einen Supermarkt und vor allem viel zu wenig Abwechslung.

Nicht nur durch ihre Arbeit und Lebensweise sticht so die Eigenbrötlerin Roberta aus ihrem Umfeld heraus, sondern auch optisch. Die Regisseurin Güzin Kar inszeniert ihre Hauptperson in knallig-bunten, kurzen Kleidern und die Wohnung der Familie als einen wilden Mix aus Möbeln und Mustern, die so den Patchwork-Charakter verdeutlichen. Aber auch Nana, im Gegensatz zu ihrer Mutter schlicht gekleidet, lebt in einer bunten Welt. Ihre Tagträume, die als ironische Zwischenepisoden im Film auftauchen, handeln phantasievoll und mit satten Farben von ihren Vorstellungen eines bürgerlicheren Familienlebens.

"(Ich wollte) einen bunten, farbenfrohen Film machen, der Nanas Perspektive diente, die trotz aller Alltagssorgen eine kindlich-verspielte ist." so die Regisseurin im Interview mit der betreuenden Presseagentur "Cinemaids".
Die Farbenpracht und die witzigen, filmischen Einschübe dienen außerdem dazu, "Fliegende Fische müssen ins Meer" von einem Drama in eine tragische Komödie umzulenken. So wird zwar die Situation einer alleinerziehenden Mutter detailliert behandelt, Spaß und Charme allerdings nicht außen vor gelassen.

Meret Becker verkörpert Roberta als lebenslustige, etwas durchgeknallte Frau, die hin- und hergerissen ist zwischen dem Verlangen, auszubrechen und Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen. Dem herausragenden Spiel Beckers ist es zu verdanken, dass die Figur nicht ins Lächerliche abfällt, wenn sie im kurzen Minirock und rot-gepunkteten, viel zu hohen Pumps Songs wie Madonnas "Like a Virgin" für die TouristInnen und Bankkaufmänner auf dem Ausflugsdampfer dahinhaucht.
Elisa Schlott als Nana, deckt mit ihrem Spiel mehrere weibliche Facetten so überzeugend ab, dass frau ihr die hart arbeitende Schleusenwärterin, die fürsorgliche "Mutter" oder auch die verführerische Diva, die sie verkörpert, belustigt und fasziniert zugleich abnimmt. 2010 war die talentierte Jungschauspielerin bereits in einer deutschen Kinoproduktion zu sehen: An der Seite von Bruno Ganz und Corinna Harfouch spielte sie die Rolle der Jessica in "Giulias Verschwinden".

Zur Regisseurin: Güzin Kar wurde 1971 in der Türkei geboren und ist in der Schweiz aufgewachsen. Nach dem Gymnasium in Basel begann sie in Zürich ein Germanistikstudium und arbeitete zwischenzeitlich als Jugendarbeiterin, Deutschlehrerin für Hausfrauen und Manager sowie als Frisurenmodell. Von 1994 bis 1999 studierte sie an der Ludwigsburger Filmakademie mit Schwerpunkt Drehbuch. Seit über zehn Jahren macht sie Filme, schreibt Kolumnen und Bücher, die zu Bestsellern wurden. Zu ihren Werken gehört unter anderem das Drehbuch zu "Die wilden Hühner" nach dem gleichnamigen Kinderroman von Cornelia Funke. Zurzeit lebt Güzin Kar in Zürich.

AVIVA-Tipp: Ein Film, der die ZuschauerInnen ähnlich wie ein Märchen in seinen Bann zieht. Mit viel Witz und Farbe behandelt die Regisseurin die Tücken der ersten Liebe und die Schwierigkeiten des Lebens in der Provinz sowohl für pubertierende Erwachsene als auch für "erfahrenere" Teenager.


Fliegende Fische müssen ins Meer
Schweiz/Deutschland 2011
Drehbuch und Regie: Güzin Kar
DarstellerInnen: Meret Becker, Elisa Schlott, Barnaby Metschurat, Hans-Peter Müller-Drossaart
Label: Movienet Film GmbH
Filmlänge: ca. 86 Min
Sprachen Deutsch Untertitel: keine
Extras: Trailer
VÖ 23. März 2012 (VÖ Rental: 9. März 2012)
FSK ab 0 Jahren
Bestellnummer 28408387 EAN 4250128408387
Vertrieb Lighthouse Home Entertainment

www.movienetfilm.de


(Quelle: Cinemaids)


Kunst + Kultur > Film

Beitrag vom 25.03.2012

AVIVA-Redaktion 






AVIVA-News bestellen
  AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter



KINDER DER HOFFNUNG. Kinostart 4. November 2021

. . . . PR . . . .

KINDER DER HOFFNUNG von Yael Reuveny
Seit zehn Jahren lebt die israelische Regisseurin Yael Reuveny (SCHNEE VON GESTERN) in Berlin. In Super-8-Aufnahmen aus ihrer Kindheit und Kurzporträts ihrer Mitschüler*innen in Israel heute dokumentiert sie, was aus den Träumen und Idealen ihrer Generation geworden ist. KINDER DER HOFFNUNG kommt zum Jahrestag der Ermordung von Jitzchak Rabin im Jahr 1995 ins Kino.
Mehr zum Film, der Trailer und Kinotour unter: www.filmkinotext.de/kinder-der-hoffnung.html

MITRA. Kinostart: 18.11.2021

. . . . PR . . . .

MITRA
Inspiriert vom Schicksal seiner Familie erzählt Regisseur Kaweh Modiri die Geschichte der Iranerin Haleh, die 37 Jahre nach der Hinrichtung ihrer Tochter die Frau wieder trifft, die sie dafür verantwortlich macht. Paraderollen für Jasmin Tabatabai, Shabnam Tolouei und Singer-Songwriter Mohsen Namjoo, der auch die Filmmusik komponierte.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/mitra

Das Glück zu leben - The euphoria of being. Ab 30.09.2021 im Kino

. . . . PR . . . .

Das Glück zu leben - The euphoria of being
Dokumentarfilm von Réka Szabó über die Entstehung einer Tanzperformance, in der die 90-jährige Éva Fahidi im getanzten Dialog mit einer jungen Tänzerin über ihr Leben und Schicksal erzählt, als einzige ihrer Familie das KZ Auschwitz überlebt zu haben.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.filmkinotext.de/das-glueck-zu-leben

Zuhurs Töchter. Kinostart am 04.11.2021

. . . . PR . . . .

Zuhurs Töchter
Das Regie-Team Laurentia Genske und Robin Humboldt zeichnet in ihrem neuen Werk das Porträt der beiden Transgender-Teenager Lohan und Samar, die in ihrer neuen Heimat Deutschland endlich ihre weibliche Identität entfalten können.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/ zuhurstoechter

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris

. . . . PR . . . .

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris
Biografische Porträts der Fotokünstlerinnen, Porträtfotografinnen und Fotoreporterinnen Marianne Breslauer, Gisèle Freund, Dora Maar und Lee Miller im Paris der 1920er und 1930er Jahre.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.ebersbach-simon.de

Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Mit Dr. Lea Wohl von Haselberg, Veronika Kracher, Dr. Ingrid Strobl, Dr. Michal B Ron. Moderiert von Sharon Adler. Im Rahmen der Ausstellung mit Werken von Elianna Renner und Sharon Paz bei alpha nova & galerie futura

Roamers – Follow your Likes, Kinostart: 22. Juli 2021

. . . . PR . . . .

 Roamers – Follow your Likes
Der Dokumentarfilm ROAMERS erzählt von der Suche "Digitaler Nomaden" auf der Jagd nach dem nächsten, perfekten Moment nach Sinn und Halt in einer neuen, digitalen Welt unzähliger Möglichkeiten.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour in Anwesenheit der Regisseurin Lena Leonhardt unter: www.camino-film.com/filme/roamers

Dear Future Children. Ab 14. Oktober 2021 im Kino

. . . . PR . . . .

Dear Future Children
Drei Länder, drei Konflikte, drei Frauen und ein ähnliches Schicksal: Doch sie haben nicht vor aufzugeben: Hilda in Uganda, Rayen in Santiago de Chile, und Pepper in Hongkong. Sie kämpfen weiter. Für ihre und unsere zukünftigen Kinder.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour unter: www.camino-film.com/filme/dearfuturechildren

Iris Schürmann-Mock – Frauen sind komisch. Kabarettistinnen in Porträt

. . . . PR . . . .

Iris Schürmann-Mock - Frauen sind komisch
Liesl Karlstadt, Valeska Gert, Maren Kroymann, Carolin Kebekus ... In zehn ausführlichen und fünfzig kurzen Porträts stellt die Journalistin und Autorin die Königinnen der Kleinkunst vor. Ihre Disziplinen: Comedy, Poetry Slam, Tanz, Pantomime, Chanson, Rap.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.aviva-verlag.de

fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen

Walter Kaufmann – Welch ein Leben! Bundesweiter Kinostart am 30.9.21

. . . . PR . . . .

Walter Kaufmann. Welch ein LebenDie Lebensgeschichte des jüdischen Schriftstellers und Korrespondenten Walter Kaufmann vom Kindertransport nach Großbritannien über die DDR und um die ganze Welt erzählt dieser berührende Film.
Alle Infos, der Trailer und Termine unter: www.walterkaufmannfilm.de


Kooperationen

GEDOK-Berlin
Paula Panke
RuT - Rad und Tat e.V.
Begine