9 Leben - ein Dokumentarfilm von Maria Speth. Ab 03. Februar 2012 auf DVD - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur Film





 

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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 03.02.2012


9 Leben - ein Dokumentarfilm von Maria Speth. Ab 03. Februar 2012 auf DVD
Sonja Baude

Offen und direkt erzählen sieben Jugendliche vom Leben auf der Straße in Berlin. Ein berührender Film, der den Porträtierten Raum gibt, sich mit ihren Schwächen und Stärken selbst zu positionieren.




Das erste Bild: Ein weißer Raum, darin ein Stuhl, darauf ein Mädchen, schwarz gekleidet mit Piercings im Gesicht und Tatoos auf Händen und Armen, Cello spielend - sehr schön und offensichtlich sehr begabt.
In ihrem ersten Dokumentarfilm porträtiert Maria Speth sieben Jugendliche, die eine Zeitlang in Berlin auf der Straße gelebt haben oder leben. Sie lässt die jungen Erwachsenen selbst erzählen, lässt sie selbst wählen, was ihnen erwähnenswert erscheint. Die Filmemacherin stellt kaum Fragen, nur vereinzelt hören wir aus dem Off ein vorsichtiges Nachfragen, das nie eine bestimmte Tendenz erkennen lässt, kein vorgefertigtes Bild bestätigt haben will.

Sie alle, fünf junge Frauen und zwei junge Männer, erzählen mehr oder weniger ausführlich, mehr oder weniger eloquent von ihrer Kindheit, davon, warum sie sich einst im Alter von 12 oder 13 Jahren entschieden haben, auf der Straße zu leben und wodurch dieses Leben bestimmt war. Sie erzählen sehr offen von ihren Drogenabhängigkeiten, ihren seelischen Nöten, ihrer Verletzlichkeit und ihren Hoffnungen. Auch wenn ihre Herkünfte sehr verschieden sind, ist ihnen allen gemeinsam, einen Ort der Geborgenheit finden zu wollen, und dieser Ort war- trotz vieler Widrigkeiten und fern jeglicher Romantisierung - die Straße und dort die Gemeinschaft mit anderen.

Entstanden ist ein differenziertes Bild von sieben sehr verschiedenen Persönlichkeiten, die teilweise sehr komplex ihre jeweilige Lebenssituation zu reflektieren verstehen. Mit Verzicht auf ablenkende Farbgebung dient ein weißer leerer Raum als geschützter Ort, an dem die Jugendlichen aus ihren Leben berichten. Sie selbst treten nicht auf, sondern sind ganz selbstverständlich darin als Grau-Schwarz-Kontrast. Dieses filmische Mittel ist sehr überzeugend gewählt, denn es verzichtet darauf, die Jugendlichen anders verorten zu wollen, als sie es selbst kraft ihrer Erzählung tun. Maria Speth nimmt keine stereotype, bilderreiche schwarz-weiß-Malerei vom richtigen und falschen Leben vor, keine U-Bahn-Eingänge mit schnorrenden Punks, keine Parkbänke oder sonstiges Milieu-Colorit. Gerade das artifizielle Weiß-Schwarz-Setting, die Abstraktion rückt die Jugendlichen sehr nah an uns heran. Schonungslos wird unser Blick auf ihre Gesichter und Körper konzentriert und mit ihren Berichten führen uns die Porträtierten weit in ihre Biografien hinein, die trotz ihrer jungen Jahre schon eine Vielzahl von Brüchen aufweisen.

Der Film erzählt aber nicht nur von diesen Brüchen. Er führt neben dem Mangel, den diese Jugendlichen litten und leiden, auch ihren großen Schatz an Erfahrungen und Talenten vor Augen: die eine fotografiert, einige unter ihnen sind begabte MusikerInnen und alle sind sie sehr genaue GeschichtenerzählerInnen. Sie könnten auch, und werden möglicherweise in der Zukunft, noch ein anderes, ein weiteres Leben leben, denn auch sie befinden sich wahrscheinlich, ebenso wie andere Gleichaltrige, in einer Zeit des Aufbruchs.

AVIVA-Tipp: Der Dokumentarfilm 9 Leben von Maria Speth führt uns in die Welt der Berliner Straßenkinder. Die Bilder dieser Welten entstehen dabei allein in unseren Köpfen durch die Erzählungen von sieben Jugendlichen, die über gängige Klischees hinaus eine weite Lebensrealität mit Sorgen und Nöten, aber auch mit Stärken und Hoffnungen aufspannen. Maria Speth gelingt es mit diesem Film, diese Jugendlichen, die zumeist als schnorrende PunkerInnen in den Großstädten wahrgenommen werden, wieder ein ganzes Stück näher in unsere Gesellschaft zu integrieren und ihre Abwehrhaltungen als Folge seelischer Verletzungen sehr ernst zu nehmen. Gleichzeitig zielt sie keineswegs darauf ab, bei den ZuschauerInnen Betroffenheit ob der düsteren Schicksale zu evozieren, sondern führt uns in den Porträts die Würde und Kraft, die Talente und die Lebendigkeit dieser Jugendlichen vor Augen.

9 Leben
Deutschland
Produktion/Buch/Regie/Schnitt: Maria Speth
Kamera: Reinhold Vorschneider
Mitwirkende: Za, Sunny, Krümel, Toni&Band "Les Petits Hotz, Soja, JJ, Stöpsel&Familie
Verleih: Peripher Filmverleih
Vertrieb: ALIVE
Lauflänge: 105 Minuten
FSK: 12
VÖ: 03. Februar 2012
www.madonnenfilm.de/9leben.html
Empf. VK: 14,90 Euro
EAN: 9783941540446 / ISBN: 978-3-941540-44-6

Weitere Infos & Fotos zu 9 LEBEN finden Sie unter:
www.filmgalerie451.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Madonnen und In den Tag hinein - von Maria Speth



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Beitrag vom 03.02.2012

AVIVA-Redaktion 






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KINDER DER HOFFNUNG. Kinostart 4. November 2021

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KINDER DER HOFFNUNG von Yael Reuveny
Seit zehn Jahren lebt die israelische Regisseurin Yael Reuveny (SCHNEE VON GESTERN) in Berlin. In Super-8-Aufnahmen aus ihrer Kindheit und Kurzporträts ihrer Mitschüler*innen in Israel heute dokumentiert sie, was aus den Träumen und Idealen ihrer Generation geworden ist. KINDER DER HOFFNUNG kommt zum Jahrestag der Ermordung von Jitzchak Rabin im Jahr 1995 ins Kino.
Mehr zum Film, der Trailer und Kinotour unter: www.filmkinotext.de/kinder-der-hoffnung.html

MITRA. Kinostart: 18.11.2021

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MITRA
Inspiriert vom Schicksal seiner Familie erzählt Regisseur Kaweh Modiri die Geschichte der Iranerin Haleh, die 37 Jahre nach der Hinrichtung ihrer Tochter die Frau wieder trifft, die sie dafür verantwortlich macht. Paraderollen für Jasmin Tabatabai, Shabnam Tolouei und Singer-Songwriter Mohsen Namjoo, der auch die Filmmusik komponierte.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/mitra

Das Glück zu leben - The euphoria of being. Ab 30.09.2021 im Kino

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Das Glück zu leben - The euphoria of being
Dokumentarfilm von Réka Szabó über die Entstehung einer Tanzperformance, in der die 90-jährige Éva Fahidi im getanzten Dialog mit einer jungen Tänzerin über ihr Leben und Schicksal erzählt, als einzige ihrer Familie das KZ Auschwitz überlebt zu haben.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.filmkinotext.de/das-glueck-zu-leben

Zuhurs Töchter. Kinostart am 04.11.2021

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Zuhurs Töchter
Das Regie-Team Laurentia Genske und Robin Humboldt zeichnet in ihrem neuen Werk das Porträt der beiden Transgender-Teenager Lohan und Samar, die in ihrer neuen Heimat Deutschland endlich ihre weibliche Identität entfalten können.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/ zuhurstoechter

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris

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Biografische Porträts der Fotokünstlerinnen, Porträtfotografinnen und Fotoreporterinnen Marianne Breslauer, Gisèle Freund, Dora Maar und Lee Miller im Paris der 1920er und 1930er Jahre.
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Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Mit Dr. Lea Wohl von Haselberg, Veronika Kracher, Dr. Ingrid Strobl, Dr. Michal B Ron. Moderiert von Sharon Adler. Im Rahmen der Ausstellung mit Werken von Elianna Renner und Sharon Paz bei alpha nova & galerie futura

Roamers – Follow your Likes, Kinostart: 22. Juli 2021

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 Roamers – Follow your Likes
Der Dokumentarfilm ROAMERS erzählt von der Suche "Digitaler Nomaden" auf der Jagd nach dem nächsten, perfekten Moment nach Sinn und Halt in einer neuen, digitalen Welt unzähliger Möglichkeiten.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour in Anwesenheit der Regisseurin Lena Leonhardt unter: www.camino-film.com/filme/roamers

Dear Future Children. Ab 14. Oktober 2021 im Kino

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Dear Future Children
Drei Länder, drei Konflikte, drei Frauen und ein ähnliches Schicksal: Doch sie haben nicht vor aufzugeben: Hilda in Uganda, Rayen in Santiago de Chile, und Pepper in Hongkong. Sie kämpfen weiter. Für ihre und unsere zukünftigen Kinder.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour unter: www.camino-film.com/filme/dearfuturechildren

Iris Schürmann-Mock – Frauen sind komisch. Kabarettistinnen in Porträt

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Liesl Karlstadt, Valeska Gert, Maren Kroymann, Carolin Kebekus ... In zehn ausführlichen und fünfzig kurzen Porträts stellt die Journalistin und Autorin die Königinnen der Kleinkunst vor. Ihre Disziplinen: Comedy, Poetry Slam, Tanz, Pantomime, Chanson, Rap.
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Walter Kaufmann – Welch ein Leben! Bundesweiter Kinostart am 30.9.21

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Walter Kaufmann. Welch ein LebenDie Lebensgeschichte des jüdischen Schriftstellers und Korrespondenten Walter Kaufmann vom Kindertransport nach Großbritannien über die DDR und um die ganze Welt erzählt dieser berührende Film.
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