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AVIVA-BERLIN.de im November 2021 - Beitrag vom 21.02.2009


Ghosted – neuer Spielfilm von Monika Treut
Silvy Pommerenke

Die deutsche Regisseurin Monika Treut ist überwiegend als Dokumentarfilmerin bekannt und hat sich bereits in den achtziger und neunziger Jahren mit Themen wie Transgender, Bondage oder ...




... SM filmisch auseinandergesetzt.

Das, was heute in den Blättern der Yellow Press kaum noch für Aufsehen sorgt, verstörte vor zwanzig Jahren die Öffentlichkeit, und Monika Treut hat mit ihrem bisweilen surrealistischen – aber immer humorvollen - Stil diese Verstörung noch zusätzlich gefördert. Sie hatte immer schon ein Händchen für die originelle Darstellung von Menschen jenseits des Mainstreams. Beispielsweise produzierte sie die ungewöhnliche Dokumentation "Didn't Do It for Love" über Eva Norvind, aka Mistress Ava Taurel, aka Eva Johanne Chegodaieva Sakonskaya: Adlige, Schauspielerin, Sexsymbol, Domina und Universitätsdozentin. Ein Leben, wie es eigentlich nur in einem Roman erfunden werden kann, und das Monika Treut wie keine zweite in eindrucksvollen Bildern nacherzählte. Es tat gut, zu sehen, dass es solche unangepassten Menschen wie Eva Norvind gab, die sich bewusst gegen gesellschaftliche Zwänge stellte und ihr Leben kreativ und grenzüberschreitend inszenierte. Genau so individuell gestaltete sich allerdings auch der Tod der Dominatrix, denn sie ertrank eine Woche nach ihrem 62. Geburtstag an der Küste Mexikos, die für einige Jahre ihre Wahlheimat war und der sie sich immer zugehörig gefühlt hatte.

Monika Treut hatte durch ihre internationale Arbeit – wobei die USA hier ihr bevorzugter Tummelplatz war – immer die Gender-Nase vorn, denn sie bearbeitete das Thema Trans* zu einem Zeitpunkt, als es hier in Deutschland in feministischen Kreisen eine absolute No-Go-Area war. Während ihr Doku-Film "Female Misbehavior" dank eines geschickt eingesetzten Spekulums den tiefen Einblick in Annie Sprinkle gewährte, erklärte Schnellrednerin, Quasselstrippe und Frauentheoretikerin Camille Paglia: "Haltet euch raus aus unserem Sexualleben!", und F2M Max Valerio war gerade mitten drin, sich zum Mann umbauen zu lassen. Sieben Jahre später konnte man in "Gendernauts" erfahren, dass in Los Angeles ein reger Transgender-Tourismus eingesetzt hatte, und bei Max wenigstens schon die Brüste ab waren, auch wenn der Schwanz erst eine Länge von fünf Zentimetern erreicht hatte – aber die Länge ist ja bekanntlich nicht so wichtig. Ach, und natürlich nicht zu vergessen die schrägen Spielfilme "Die Jungfrauenmaschine" oder "My Father Is Coming". Was haben wir gelacht!

Nun hat Monika Treut ihren neuen Spielfilm "Ghosted" auf der Berlinale Panorama 2009 vorgestellt. Wie bereits in ihrer letzten Arbeit, "Den Tigerfrauen wachsen Flügel", beschäftigt sie sich mit Taiwan, und plötzlich hat man das Gefühl, Treut ist sehr, sehr reif geworden. In ästhetischen, bisweilen asketischen Bildern lässt sie ein Beziehungsdrama zwischen Hamburg und Taipeh, zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart entstehen, das als Mixtur aus Krimi, Liebesfilm und Mystery-Thriller inszeniert ist. Erstaunlich brav werden hier zwar die Sexszenen zwischen der Video-Künstlerin Sophie Schmitt (Inga Busch) und der jungen Taiwanesin Ai-Ling (Ko Huan-Ju) gezeigt, die absolut nichts mit Bondage, SM oder Pornographie zu tun haben, aber das ist nicht weiter schlimm, denn Treut scheint sich an diesen Themen in der Vergangenheit mehr als abgearbeitet zu haben. Stattdessen ist ein spannender Spielfilm entstanden - Treut reloaded, aber mit anderer Munition. Die sieht nämlich eine zarte und dennoch leidenschaftliche Beziehung von zwei Frauen vor, die sehr märchenhaft und klischeehaft schön dargestellt wird. Allerdings trübt sich bald der Himmel voller Geigen, da Ai-Ling besessen von der Suche nach ihrem leiblichem Vater ist, und Sophie die Art ihres Zusammenlebens bald zu eng wird. Hier prallen unterschiedliche kulturelle Lebensentwürfe aufeinander, die auch durch die tiefe Liebe kaum aufgehoben werden können. Westlicher Individualismus versus östlichem Gemeinschaftsgefühl führt die beiden Liebenden in ihre erste große Krise. Während Sophie vor der einengenden Symbiose flieht, versucht Ai-Ling sich in ihrer neuen – ungewollten - Freiheit zurechtzufinden. Ein Ausflug in eine Lesbenbar lässt sie auch direkt auf die blondierte Rechtsanwältin Katrin Bendersen (Jana Schulz) treffen, die sofort von ihr entflammt ist. Auf dem gemeinsamen Heimweg geschieht jedoch etwas Unfassbares, und Sophies Anruf auf der Mailbox ist das Letzte, was Ai-Ling noch zu hören bekommt ...

Die neue Monika Treut tut richtig gut, und sie vermittelt – neben der spannenden und mystischen Rahmenhandlung, die die Grenze von Fiktion und Realität manches Mal verwischt - ein tiefsinniges Porträt von Taiwan, das zwischen Moderne und Tradition hin- und hergerissen ist. Trotz aller kultureller Unterschiede zeigt der Film jedoch vor allem eines: Liebe ist universell und kümmert sich nicht um gesellschaftliche Normen.

Dieser Text ist zuerst erschienen in der ersten Ausgabe der "Sissy", Homosexual´s Film Quarterly (www.sissymag.de)

Lesen Sie auch unseren Artikel zu dem neuen Filmmagazin "Sissy".

Ghosted
im Verleih von Edition Salzgeber
Deutschland / Taiwan, 2009
Regie: Monika Treut
DarstellerInnen: Inga Busch, Huan-Ru Ke, Ting-Ting Hu, Jana Schulz, Marek Harloff, Jack Kao, Yi-Ching Lu, Kevin Chen, Nick Dong-Sik
FSK: 12
Filmlänge: 89 Minuten
Kinostart: 30. April 2009

Weitere Informationen zum Film: www.ghosted-film.de


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Beitrag vom 21.02.2009

Silvy Pommerenke 






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KINDER DER HOFFNUNG. Kinostart 4. November 2021

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KINDER DER HOFFNUNG von Yael Reuveny
Seit zehn Jahren lebt die israelische Regisseurin Yael Reuveny (SCHNEE VON GESTERN) in Berlin. In Super-8-Aufnahmen aus ihrer Kindheit und Kurzporträts ihrer Mitschüler*innen in Israel heute dokumentiert sie, was aus den Träumen und Idealen ihrer Generation geworden ist. KINDER DER HOFFNUNG kommt zum Jahrestag der Ermordung von Jitzchak Rabin im Jahr 1995 ins Kino.
Mehr zum Film, der Trailer und Kinotour unter: www.filmkinotext.de/kinder-der-hoffnung.html

MITRA. Kinostart: 18.11.2021

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MITRA
Inspiriert vom Schicksal seiner Familie erzählt Regisseur Kaweh Modiri die Geschichte der Iranerin Haleh, die 37 Jahre nach der Hinrichtung ihrer Tochter die Frau wieder trifft, die sie dafür verantwortlich macht. Paraderollen für Jasmin Tabatabai, Shabnam Tolouei und Singer-Songwriter Mohsen Namjoo, der auch die Filmmusik komponierte.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/mitra

Das Glück zu leben - The euphoria of being. Ab 30.09.2021 im Kino

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Das Glück zu leben - The euphoria of being
Dokumentarfilm von Réka Szabó über die Entstehung einer Tanzperformance, in der die 90-jährige Éva Fahidi im getanzten Dialog mit einer jungen Tänzerin über ihr Leben und Schicksal erzählt, als einzige ihrer Familie das KZ Auschwitz überlebt zu haben.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.filmkinotext.de/das-glueck-zu-leben

Zuhurs Töchter. Kinostart am 04.11.2021

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Zuhurs Töchter
Das Regie-Team Laurentia Genske und Robin Humboldt zeichnet in ihrem neuen Werk das Porträt der beiden Transgender-Teenager Lohan und Samar, die in ihrer neuen Heimat Deutschland endlich ihre weibliche Identität entfalten können.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/ zuhurstoechter

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Biografische Porträts der Fotokünstlerinnen, Porträtfotografinnen und Fotoreporterinnen Marianne Breslauer, Gisèle Freund, Dora Maar und Lee Miller im Paris der 1920er und 1930er Jahre.
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Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Mit Dr. Lea Wohl von Haselberg, Veronika Kracher, Dr. Ingrid Strobl, Dr. Michal B Ron. Moderiert von Sharon Adler. Im Rahmen der Ausstellung mit Werken von Elianna Renner und Sharon Paz bei alpha nova & galerie futura

Roamers – Follow your Likes, Kinostart: 22. Juli 2021

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Der Dokumentarfilm ROAMERS erzählt von der Suche "Digitaler Nomaden" auf der Jagd nach dem nächsten, perfekten Moment nach Sinn und Halt in einer neuen, digitalen Welt unzähliger Möglichkeiten.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour in Anwesenheit der Regisseurin Lena Leonhardt unter: www.camino-film.com/filme/roamers

Dear Future Children. Ab 14. Oktober 2021 im Kino

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Drei Länder, drei Konflikte, drei Frauen und ein ähnliches Schicksal: Doch sie haben nicht vor aufzugeben: Hilda in Uganda, Rayen in Santiago de Chile, und Pepper in Hongkong. Sie kämpfen weiter. Für ihre und unsere zukünftigen Kinder.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour unter: www.camino-film.com/filme/dearfuturechildren

Iris Schürmann-Mock – Frauen sind komisch. Kabarettistinnen in Porträt

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Liesl Karlstadt, Valeska Gert, Maren Kroymann, Carolin Kebekus ... In zehn ausführlichen und fünfzig kurzen Porträts stellt die Journalistin und Autorin die Königinnen der Kleinkunst vor. Ihre Disziplinen: Comedy, Poetry Slam, Tanz, Pantomime, Chanson, Rap.
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Walter Kaufmann – Welch ein Leben! Bundesweiter Kinostart am 30.9.21

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Walter Kaufmann. Welch ein LebenDie Lebensgeschichte des jüdischen Schriftstellers und Korrespondenten Walter Kaufmann vom Kindertransport nach Großbritannien über die DDR und um die ganze Welt erzählt dieser berührende Film.
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