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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2021 - Beitrag vom 29.08.2015


Cindy Sherman. Works from the Olbricht Collection Künstlerin im me Collectors Room
AVIVA-Redaktion

Mit Arbeiten aus nahezu allen Schaffensperioden gewährt die retrospektiv angelegte Ausstellung vom 16. September 2015 – 28. August (verlängert!) 2016 einen guten Überblick über das Gesamtwerk der Fotokünstlerin.




In der "Cindy Sherman – Works from the Olbricht Collection" werden ab dem 16. September 2015, zur Berlin Art Week, 65 Fotografien der Künstlerin im me Collectors Room in der Auguststraße zu sehen sein.

Ein unschuldiger Blick vom Spültisch im Schwarz-Weiß der 50er Jahre, eine goldblonde Maria lactans mit leeren Augen und Plastikbrust oder eine alternde Upper Class-Beauty mit zu viel Schmuck und viel zu viel Make-Up, Cindy Sherman (geboren 1954 in den USA) ist eine Meisterin der Maskerade. Anfangs noch sehr am Medium Film interessiert, inszenierte sie 1975 eine Serie von Fotoportraits, in denen sie Elemente der Verkleidung und des Rollenspiels nutzte. Sie erschafft dabei einen Typus und setzt diesen in einen atmosphärischen Kontext. Sherman benutzt nur ihre eigene Person oder Puppen als Modelle. Ihre Bilder entstehen in einmaliger Eigenregie, sie hat keine AssistentInnen für die Aufnahmen, das Kostüm oder Maske. Diese Herangehensweise zieht sich durch ihr gesamtes fotografisches Werk.

Bekanntheit erlangte die Künstlerin in den 1970er Jahren mit der schwarz-weißen Serie "Untitled Film Stills", in denen sie klischeehafte Frauenfiguren der 40er und 50er Jahre in fiktiven Filmszenen verkörpert. Ab 1980 folgte nicht nur der Wechsel zu farbigen Abzügen und großen Formaten, sondern mit den "Centerfolds" auch der große künstlerische Erfolg. Provokant an die Bildsprache des Playboy angelehnt, zeigen sie Frauen in mysteriösen emotionalen Krisen. Dieses Rätselhafte dominiert auch die "Fairy Tales" (1985) und "History Portraits/Old Masters" (1988-1990), auf denen Sherman meist mit Hilfe sichtbarer Prothesen oder Puppen Figuren und Szenerien aus der Welt der Märchen und altmeisterlicher Gemälde verzerrt.

Parodistisch und bissig nutzt sie die unterschiedlichen Möglichkeiten der Darstellung durch Werbung, Kino oder klassische Malerei und reflektiert in ihren Arrangements Identitäten, die mit Stereotypen und symbolischer Macht kämpfen und mit dem Frauenbild einer männlich dominierten Gesellschaft zusammenprallen.
Übergroße Zähne, plastikblonde Haare oder hausmütterliche Einfalt verkörpern die Figuren der "Hollywood/Hampton Types" (2000-2002), während sich das humoristisch Unheimliche der Maskerade in der Serie der "Clowns" (2003-2004) verdichtet, um in den traurig vulgären Porträts alternder "Society-Ladies" (2008) zu gipfeln. Alle ihre Serien liefern eine subtile Analyse, lenken den Blick auf das Ringen des Individuellen mit kollektiven Klischees und der Macht des Symbolischen.

Cindy Sherman hat ein unverwechselbares und wegweisendes Werk geschaffen, das die Formensprache der Fotografie auf ungeahnte Weise erweitert hat.
Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit Cindy Sherman entstanden.

Im Rahmen von "Cindy Sherman – Works from the Olbricht Collection" erscheint eine umfangreiche Broschüre: 96 Seiten, 69 Abbildungen, Texte von Thomas Olbricht "Meine persönlichen Erlebnisse mit Cindy Sherman und ihrer Kunst" und Sarah Sonderkamp "Enzyklopädie der Stereotype". Außerdem steht den Besucher_innen eine kostenlose App mit Videoführung und vielen weiteren Informationen zur Verfügung. Für Schulklassen werden Führungen inkl. praxisbezogene Workshops angeboten zum Thema: Rollenspiel und Inszenierung an. Im begleitenden Rahmenprogramm finden darüber hinaus die Vorführung des Films "Office Killer" (1997) statt, bei dem Cindy Sherman Regie geführt hat sowie Expert_innengespräche.

Parallel eröffnet in der Lounge die Ausstellung "Falling Fictions" (16.09. – 15.11.2015). Sie und die begleitende Publikation sind das Ergebnis einer Kooperation des me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht mit der London Metropolitan University und der Whitechapel Gallery im Rahmen des Masterprogramms "Curating the Contemporary". Bereits zum vierten Mal lädt die Stiftung Olbricht junge KuratorInnen ein, ihren eigenen Blick auf die Olbricht Collection zu entwickeln und im Rahmen ihrer Abschlussarbeit eine Ausstellung im me Collectors Room Berlin zu realisieren.

CINDY SHERMAN
Works from the Olbricht Collection

16. September 2015 – 28. August 2016
me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht
Auguststraße 68, 10117 Berlin
Öffnungszeiten: Di-So, 12-18 Uhr
www.me-berlin.com

Sprüth Magers Berlin eröffnet zeitgleich die Ausstellung "Jenny Holzer, Barbara Kruger, Louise Lawler, Cindy Sherman, Rosemarie Trockel" (17.09. – 21.10.2015 / Eröffnung: 16.09., 18-21 Uhr). Teil der Präsentation sind neue Arbeiten Shermans aus dem Jahr 2015, in welchen die Künstlerin erstmals eigene Werke aus verschiedenen Phasen ihres Œuvres in Überblendungen und Zusammenschnitten auf eine gemeinsame Bildfläche bringt. www.spruethmagers.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Female Trouble - Die Kamera als Spiegel und Bühne weiblicher Inszenierungen - Inka Graeve Ingelmann



Quelle Text: me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht. Clarissa Lempp, AVIVA-Berlin)


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Beitrag vom 29.08.2015

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