Isa Genzken - Mach Dich hübsch! Retrospektive vom 9. April bis 26. Juni 2016 im Martin-Gropius-Bau - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur Kultur live



AVIVA-BERLIN.de im Juli 2021 - Beitrag vom 08.04.2016


Isa Genzken - Mach Dich hübsch! Retrospektive vom 9. April bis 26. Juni 2016 im Martin-Gropius-Bau
Yvonne de Andrés,Sharon Adler

Sie ist eine der wichtigsten Künstlerinnen ihrer Generation. Radikal und kompromisslos fordert sie dazu auf, über Geschlechterrollen und andere Stereotypen nachzudenken. Gezeigt wird die Bandbreite ihres Schaffens von frühen Filmen, am Computer entworfenen Skulpturen, Ellipsoiden, ...




... Zeichnungen und Betonskulpturen bis hin zu Collagen von 1968 bis heute.

Beatrix Ruf, Stedelijk Museum Amsterdam, Direktorin und Kuratorin freute sich am auf der Pressekonferenz am 8. April 2016, die längst überfällige Werkschau von Isa Genzken, nach einer Station in Amsterdam, jetzt in Berlin zeigen zu können. Besonders, deswegen, da Berlin neben New York der wichtigste Lebensmittelpunkt der Künstlerin ist. Mit Berlin als künstlerischem Mittel- und Inspirationspunkt ist Isa Genzken schon seit Ende der 1970er Jahre verbunden: Genau hier, im Lichthof des Martin-Gropius-Baus präsentierte sie Holzskulpturen, die sie auf dem Boden schweben ließ: Ellipsoide und Hyperbolus.



Isa Genzken, geboren am 27. November 1948, zählt zu den vielschichtigsten Künstlerinnen Deutschlands und fand schon früh Anerkennung durch Einzelausstellungen, Lehraufträge, Stipendien. Die dreifache Documenta-Teilnehmerin (1982, 1992 und 2002) hat 2007 auf der Biennale von Venedig den Deutschen Pavillon bespielt, 2013 richtete das Museum of Modern Art, New York die erste umfassende Gesamtausstellung mit ihr aus, die durch Amerika tourte und im Museum of Contemporary Art, Chicago, und dem Dallas Museum of Art zu sehen war. Sie war Teilnehmerin der Biennale 2015 und wurde mit zahlreichen internationalen Preisen und Auszeichnungen gewürdigt. Genzkens Werk umfasst Skulptur, Installation, Film, Video, Malerei, Werke auf Papier, Collagen und Fotografie.
Isa Genzken lebt und arbeitet in Berlin.



Die Übersichtsausstellung zeigt eine unkonventionelle, freche, lebendige Künstlerin die nicht die Absicht hat, Konventionen und Klischees zu entsprechen. Ausgehend von der Skulptur zeichnet sich ihr Werk durch eine sich ständig weiterentwickelnde Bildsprache und der Verwendung von Medien und Alltagsmaterialien aus. Schon in den 1970er Jahren produzierte sie am Computer entworfene Skulpturen und nahm dabei Bezug zum amerikanischen Minimalismus und zur Konzeptkunst auf.
Dazu Isa Genzken: "Ich will mit meinen Skulpturen keinen Raum wegnehmen. Ich gebe Raum dazu."

Auf diese langen, elegant-schlanken Holzskulpturen, sogenannte Ellipsoide und Hyperbolos, folgte ein radikaler Schritt nach dem anderen: Skulpturen aus Gips oder Beton, Collagen-Bücher, diverse Filmformate, Gemälde, Fotografien und Außenskulpturen.



Im Lichthof befinden sich eine Auswahl an "Ellipsoiden" und "Hyperbolos" die in den Siebziger und Achtziger Jahren anhand von Computerzeichnungen entworfen wurden. Ebenfalls im Lichthof befindet sich die großformatige Serie "Ohren" von 1980, die in New York entstanden ist. Die Serie "X-Rays" ist eine ungewöhnliche Serie von Selbstportraits, die die Künstlerin während eines Krankenhausaufenthalts geschaffen hat. Eine andere biografische Annäherung ist ihr Film "Meine Großeltern im Bayerischen Wald" (1992). Ihr Interesse an Architektur bringt sie in den verschiedenen Serien zum Ausdruck: "Fuck the Bauhaus", "New Buildings for Berlin" oder "Ground Zero" Genzkes Oeuvre setzt mit den Themen Köper Identität, Massenkultur und Sozialkritik, Serialität und Kontinuität mit Kommunikation und immer wieder mit den unterschiedlichen Ausdruckformen von Materialität auseinander. Individualität und Identität in der Serie ist ihr wichtig.



Isa Genzken setzt sich intensiv mit dem Begriff der Schönheit auseinander. Ihre Serie "Nofretete" 1984 oder "Sieben auf einen Streich" zeigt eine andere Nofretete, als den Superstar der Museumsinsel. Nofretete steht zwar auch hier auf einem Sockel, doch sie ist nicht makellos. Ihre Nofretete tritt uns mal mit Sonnenbrille, Skibrille, kaputter Brille entgegen, so dass die bewunderte Amarna-Pharaonin einäugig dreinschaut.

"Ich wollte schon immer den Mut haben, total verrückte, unmögliche und auch falsche Dinge zu tun."
(Isa Genzken, 1994)



Als weitere Hommage an Berlin hat Isa Genzken ein Künstlerbuch über Berlin für diese Ausstellung geschaffen, das neben zwei weiteren in der Ausstellung in zwei Räumen zu sehen ist.
Die Exponate und Anordnung der Ausstellung zwingt das Publikum durch seinen intensiven Aufforderungscharakter zur Auseinandersetzung mit diesen Themen. Dabei lässt Genzken das Spiel offen. Die Zuschreibungen sind nicht konnotiert. "Sei wachsam – be alert" ist die Forderung, die Isa Genzken an uns stellt.
Ihre Arbeitsweise beschreibt sie wie folgt: "Ich verknüpfe gerne Dinge, die vorher zusammenhanglos dastanden. Diese Verbindung ist wie ein Händedruck zwischen Menschen." Und: "Ich bin gerne frech."

AVIVA-Tipp: Eine spannende und streckenweise verstörende Ausstellung, die sich minimalistisch und trashig, neonfarben und zitatenreich präsentiert. Hieronymos Bosch, Marcel Duchamp, amerikanische Konzeptkunst, Punk und Underground. Verzweiflung, Flucht und Rausch gepaart mit viel Selbstironie. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Stedelijk Museum Amsterdam und wurde von Beatrix Ruf und Martijn van Nieuwenhuyzen kuratiert. Es ist bislang die größte Einzelausstellung zu Isa Gerzken. Sehr, sehr sehenswert.

Isa Genzken: Mach Dich hübsch!
9. April bis 26. Juni 2016

Veranstaltungsort: Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin
Öffnungszeiten:
MI bis MO 10:00–19:00
DI geschlossen
Eintritt. 7 Euro/ ermäßigt 5 Euro, Gruppen (ab 5 Personen) p.P. 5 Euro
Schüler_innengruppen, p.P. 3 Euro
Eintritt frei bis 16 Jahre
Ein umfangreiches Begleitprogramm begleitet die Ausstellung.
AVIVA ist Medienpartnerin

Weitere Infos und das Programm finden Sie unter:

www.berlinerfestspiele.de




Copyright Fotos: Sharon Adler





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Beitrag vom 08.04.2016

AVIVA-Redaktion 






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