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AVIVA-BERLIN.de im März 2021 - Beitrag vom 08.01.2010


Das darf man nicht sagen von Hélène Cixous, Regie Anne Schneider
AVIVA-Redaktion

In der heimischen Pariser Küche sprechen Eri und Selma Meyer, zwei der letzten Überlebenden der ehemals großen jüdischen Gemeinde Osnabrücks, über die Reise in ihre Geburtsstadt. Längst...




...vergangene, nie besprochene Familien- und Exilerinnerungen kommen bei dem Gespräch zum Vorschein. Allmählich nähern sich die beiden einer Wahrheit an, die man eigentlich nicht aussprechen darf. Muss man sagen, was man nicht sagen darf?


"Mit fast neunzig können Sie doch nicht absagen. Sie beide, unsere letzten Juden. Sie müssen unsere Jugend erziehen"
Erinnerung bewahren, Vorbild sein - dazu acht Tage Unterbringung im besten Hotel der Stadt, Kulturprogramm und Frühstücksbüffet inklusive. Mit diesen Verheißungen hat die Stadtverwaltung Osnabrück die Schwestern Eri Meyer, 86 Jahre alt, und Selma Meyer, 89 Jahre alt dazu gebracht, in ihre Geburtsstadt zurückzukehren, um dort an einer Gedenkveranstaltung für die ehemals große jüdische Gemeinde der Stadt teilzunehmen.

Nach Paris zurückgekehrt, sprechen die beiden Damen über ihre Reiseeindrücke und ihre Erinnerungen, während sie in ihrer Küche Leberhäckle und Eintopf zubereiten. "Sie glauben, wirklich zu kochen und nur zu sprechen, um die Pausen auszufüllen, doch es ist umgekehrt", erklärte Autorin Hélène Cixous ihr Werk und Regisseurin Anne Schneider erklärt ihre sparsame Inszenierung so: "Die Küchensituation ist ganz wichtig, denn das sind auf irgendeine Art und Weise Gespräche, die nur in der Küche geführt werden können".

Das Stück basiert auf dem 2001 erschienenem Roman "Benjamin nach Montaigne - Was man nicht sagen darf" der Autorin Cixous, den sie als "Autobiografikation" bezeichnet und in dem sie die Familiengeschichte ihrer Mutter, ihre persönlichen Kindheitserinnerungen an Algerien und die Reisebeschreibungen von Michel de Montaigne miteinander verknüpft.

"Das darf man nicht sagen" oder "Das haben wir in Osnabrück nicht gesagt" bleibt dabei immer wiederkehrende Erkenntnis und erklärt zugleich die oft angespannte und zumeist verkrampfte Beziehung zwischen Jüdinnen und Juden und Nicht-Jüdinnen und Nicht-Juden. Dabei geht es besonders um jene Deutschen, welche sich ihres Judentums erst bewusst wurden, als sie darauf reduziert und dafür verfolgt und ermordet wurden.

Das Fazit des Stückes ist laut Anne Schneider "die Feststellung, dass auch die nicht-gesagten Dinge irgendwann ausgesprochen werden müssen, damit man beginnen kann, zu verstehen". Daher ist "Das darf man nicht sagen" trotz des karg erscheinenden Bühnenbildes und der wenigen aktiven Handlungen auf der Bühne durchaus inhaltsreich und hält konstant die Spannung. Die ZuschauerInnen fühlen sich, als wären sie heimliche BeobachterInnen, welche die Szenerie wie durch ein Schlüsselloch betrachten.


Hélène Cixous wurde 1937 in Oran, Algerien als Tochter jüdischer Eltern geboren und begründete die interdisziplinäre Studienrichtung "Recherches et ètudes féminines" an der Universität Paris VIII. Sie gilt als eine der wichtigsten französischen Theoretikerinnen des Feminismus. Sie lebt und schreibt in Paris und lehrt an Universitäten in Frankreich und in den USA.


Termine:

Premiere: Mittwoch, 06. Januar 2010
Weitere Aufführungen: Freitag, 08. Januar 2010, 20:30 Uhr und Dienstag, 26. Januar 2010, 19:30 Uhr
Einlass und Abendkasse: ab 18:30 Uhr.
Derniere: Donnerstag, 11. Februar 2010, 20:30 Uhr
Reservierungen: per E-Mail an ticket@schaubuehne.de oder telefonisch unter: 030 – 890023
Eintritt: 6 – 38 Euro, je nach Preiskategorie des Sitzplatzes
Veranstaltungsort: Schaubühne am Lehniner Platz
Kurfürstendamm 153
10709 Berlin
Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.schaubuehne.de


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Beitrag vom 08.01.2010

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