Ilias. Neue Inszenierung vom 27. März bis 03. April 2010 im Heimathafen Neukölln - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur Kultur live



AVIVA-BERLIN.de im September 2021 - Beitrag vom 10.03.2010


Ilias. Neue Inszenierung vom 27. März bis 03. April 2010 im Heimathafen Neukölln
AVIVA-Redaktion

Die Ilias von Homer erzählt vom Krieg und seinen Folgen. In dieser Inszenierung spielen Frauen, die in den 90er Jahren vor dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien flüchten mussten, gemeinsam mit...




...einem jungen Schauspiel- und Regieteam um den Regisseur Kristof Minkowski.

Die Kriege im zerfallenden Jugoslawien haben Europa erschüttert, denn nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatte niemand einen weiteren Krieg auf europäischem Boden für möglich gehalten. Viele Menschen flohen damals aus ihrer Heimat, einige leben heute mit ihren Familien in Berlin. Mit Frauen dieser im Gesamtbild Berlins wenig beachteten und in sich zersplitterten Bevölkerungsgruppe ist eine Inszenierung von Homers Ilias entstanden, die der basalen Anatomie des Krieges nachspürt.

Die Ilias erzählt vom Krieg als einer Abfolge von privaten Einzelentscheidungen mit globalem Ausmaß. Sie erzählt von Paris, der mit einer privaten Begehrlichkeit diesen Krieg auslöst. Sie erzählt von den griechischen Fürsten, die aus freundschaftlicher Verpflichtung in diesen Krieg ziehen, der sie nichts angeht. Sie erzählt von Agamemnon, der aus privater Gier seinen wichtigsten Mann düpiert. Sie erzählt von Achill, der aufgrund dieser Kränkung dem Schlachtfeld fern bleibt, was tausenden Griechen das Leben kostet. Sie erzählt von Hektor, der Tag für Tag in den Kampf zieht, um seine Familie zu schützen. Sie erzählt von GöttInnen, die sich aufgrund persönlicher Vorlieben für die eine oder andere Seite in die Schlacht werfen. Sie erzählt von persönlichen Interessen und Entscheidungen und von dem Leid, die diese nach sich ziehen – für alle Beteiligten.

Der Krieg ist im zehnten Jahr und ein Ende nicht abzusehen. Alle wollen nach Hause – die Flüchtlinge in ihre zerstörten und geplünderten Städte rund um Troja, die Griechen und ihre Verbündeten zu ihren Familien. Doch viele werden ihre Heimat verlieren, ihre Angehörigen oder ihr eigenes Leben.

Das Lager vor Troja wird in der Inszenierung zum Flüchtlingscamp der 90er Jahre, das Provisorium ist für seine BewohnerInnen. Die Laiendarstellerinnen haben Krieg und Flucht erlebt. Ihre Erfahrungen geben der Ilias eine konkrete Perspektive, während der antike Text Strukturen offen legt, die auch auf dem Balkan Gültigkeit besaßen.

Zu den Regisseuren:

Krzysztof Minkowski
ist seit 2008 diplomierter Theaterregisseur, sein Studium absolvierte er an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. Seine Diplominszenierung "Die Reiherkönigin. Ein Rap." zeigte er am Maxim Gorki Theater Berlin. Er inszeniert in Deutschland und Polen. Seit 2008 inszeniert er gemeinsam mit Dirk Moras in der Justizvollzugsanstalt für Frauen in Berlin Pankow.
Dirk Moras, Regisseur und Dramaturg, studierte Klassische Philologie. Er arbeitete als Regieassistent und Produktionsleiter am Theater Ulm und am Maxim Gorki Theater Berlin und inszenierte dort auch eigene Stücke. Das Konzept für die Theaterarbeit in der JVA für Frauen in Pankow entstammt seiner Feder und konnte dank seiner Überzeugungsarbeit erfolgreich zum ersten Mal 2008 umgesetzt werden. Seine Reisen in das ehemalige Jugoslawien haben zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Balkankonflikt geführt und das Projektkonzept maßgeblich mitbestimmt.

Zu den SchauspielerInnen:

Begzada Alatovic´
, geboren 1962 in Modrica, war vor ihrer Flucht Abgeordnete im Bundesparlament von Bosnien-Herzegowina. Im April 1992 musste sie ihre Heimat verlassen, floh mit einem LKW-Konvoi im Juli nach Kroatien, später nach Ungarn. Im April 1993 kam sie zu Fuß über die polnische Grenze nach Berlin. Begzada lebt mit ihrem 21jährigen Sohn in Kreuzberg, ihren Mann hat sie im Krieg verloren. Sie arbeitet bei Südost Europa Kultur e.V. als Projektleiterin für den interkulturellen Garten "Rosenduft".
Raza Alic´, geboren 1959 in Zabrinca-Priboj, flüchtete von Bosnien zunächst nach Kroatien. Dort lebte sie mehrere Monate lang in einem Zelt unter freiem Himmel, bis sie mit dem Bus weiter über Slowenien und Österreich gelangen konnte. 1994 erreichte sie schließlich Berlin. Mit ihrer Familie – ihrem Sohn, ihrer Tochter und den drei Enkelkindern – lebt sie rund um den Bersarinplatz in Friedrichshain. In der Ilias spielt sie zum ersten Mal Theater.
Sena Calukovic´, geboren 1963 in Celic, musste im September 1993 aus Bosnien fliehen und landete in Berlin. In Koraj, nur elf Kilometer von ihrer Geburtstadt entfernt, arbeitete sie als Textiltechnikerin für Kinderkleidung, heute ist sie Rezeptionistin im Südost Europa Kultur e.V. Sena lebt mit ihrer 12jährigen Tochter in Kreuzberg. Vielleicht haben die beiden im April etwas Großes zu feiern – denn dann fällt die Entscheidung, ob Sena eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis bekommt oder nicht.
Vasvija Grbo kam 1957 in Bosnien-Herzegowina auf die Welt. Über Montenegro, Mazedonien, Dänemark, Polen, Tschechien flüchtete Vasvija aus Bosnien, bis sie im März 1993 in Berlin ankam. Ihren Mann verlor sie im Krieg. Heute lebt Vasvija mit ihren beiden Söhnen in Neukölln. Sie ist Hausfrau und nun auch Schauspielerin beim Ilias-Projekt.
Seka Mujkic´ wurde 1968 in Doboj geboren. Sie arbeitete in ihrer Heimat als Schneiderin. 1992 musste sie fliehen und gelangte aus Bosnien über Kroatien in die Tschechische Republik. Dort lebte sie zwei Jahre mit vielen weiteren Flüchtlingen aus dem Balkan in einer ehemaligen russischen Kaserne. 1994 gelang es einem Cousin, ein Visum für Seka zu besorgen und sie zog nach Berlin. Heute lebt sie mit ihrer Mutter in Schöneberg.
Nikolai Plath schloss seine Schauspielausbildung 2008 an der Berliner Schauspiel Schule "Ernst Busch" ab. Bereits während des Studiums spielte er am Eigenreich Berlin (Akademie der Künste) in "Hinkemann" unter der Regie von Aureliusz Smigiel. 2007 war er am BAT Studiotheater zu sehen. 2008 spielte er am Deutschen Theater Berlin und am Maxim Gorki Theater Berlin. Von 2008 bis 2009 war er im Festengagement am Staatsschauspiel Dresden. Seit 2009 ist er als freier Schauspieler tätig.
Der gebürtige Däne Jonas Littauer schloss seine Schauspielausbildung 2008 an der Berliner Schauspiel Schule "Ernst Busch" ab. 2007 war er am BAT Studiotheater zu sehen. 2008 spielte er am Maxim Gorki Theater Berlin. Von 2008 bis 2009 war er im Festengagement am Thalia Theater Halle. Seit 2009 ist er als freier Schauspieler tätig und tourt als Gitarrist mit Marie Dahl.

Veranstaltungsort: Heimathafen Neukölln - Studio
im Saalbau Neukölln
Karl-Marx-Straße 141
12043 Berlin
www.heimathafen-neukoelln.de

Aufführungstermine:
Premiere: Samstag, 27. März 2010, 20:30 Uhr
Sonntag, 28. März 2010, 20:30 Uhr
Donnerstag, 01. April 2010, 20:30 Uhr
Freitag, 02. April 2010, 20:30 Uhr
Samstag, 03. April 2010, 20:30 Uhr
Eintritt: 13 Euro, erm. 8 Euro
Die Inszenierung wird veranstaltet von Neuropolis - Culture at Work e.V., in Kooperation mit Südost Europa Kultur e.V., und dem Theaterhaus Mitte.
Produktion: Parallelwerk

Weitere Infos und Kontakt unter:
www.parallelwerk.de
www.k-minkowski.de
www.neuropolis.eu
www.suedost-ev.de


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Beitrag vom 10.03.2010

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