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AVIVA-BERLIN.de im Februar 2021 - Beitrag vom 13.06.2018


Kari Bremnes - Det Vi Har
Lisa Goldberg

Stell Dir vor, das weite Polarmeer liegt vor Dir. Du schließt die Augen und atmest tief die eisige, klare Luft … und eine unwirkliche Stille umgibt Dich. Kari Bremnes norwegische Heimat und die 30 jährige Erfahrung im skandinavischen Musikbusiness prägen auch ihr sechzehntes Soloalbum. "Det Vi Har" bewegt durch brillanten Klang und tiefgründige Texte, die ein ganzes Sounduniversum öffnen und in traumähnliche Zustände versetzen.




Was wir haben…

Zuerst fiel mir das schlichte Albumcover von Kari Bremnes aktuellem Album "Det Vi Har" auf, das am 19.01.2018 bei Strange Ways Records erschienen ist. Schwarz mit eben diesem Titel in roter Schrift (und dem Namen der Künstlerin) erweckte es trotz seiner Schlichtheit sofort mein Interesse.
Längst aus Kopenhagen nach Berlin zurückgekehrt, zieht mich noch immer alles Skandinavische an – oder ich eben Skandinavisches.

Die norwegische Musikerin ist längst kein Geheimtipp mehr und hat seit einigen Jahren auch eine wachsende deutsche ZuhörerInnenschaft. Mit viel Liebe und Leidenschaft – fünf Jahre sind seit ihrem letzten Album Og Så Kom Resten Av Livet vergangen – und mit dem sehr genauen Blick fürs Wesentliche, dem "Was wir haben", erfreut Kari Bremnes gleichzeitig kräftige und zärtliche Stimme auf elf weiteren Songs.

Liebe zur Sprache

Trotz internationalem Erfolg bleibt Kari Bremnes auf dieser Platte bei ihren Wurzeln und schreibt ihre Songs allein in ihrer Muttersprache. Die Nähe zur Sprache und ein Maximum an Authentizität ist das Geheimrezept der über 60-Jährigen Musikerin. Aus Respekt vor der Sprache und der Kraft der Worte schreibt sie mit Liebe zum Detail zuerst die sehr persönlichen Texte und komponiert darauf anschließend die Klänge: Atmosphärisch, poetisch und etwas sehnsüchtig erzählt sie ihre Geschichten und Gedanken in norwegischer Sprache – deren intensive Gefühle auch nicht "skandinaviophilen" Hörerinnen durch die vielfältige Klangwelt zugänglich wird.

Und das klingt so…

Kraftvolle Verse, eine hochqualitative Produktion und Mut zur Kreativität: so überrascht Kari Bremnes mit dem dem Song Det må Være Orden – der optimistische Sprechgesang und die poppigen Beats erinnern im sechsten Song des Albums beinahe an Rap. Auch Spor hat etwas von den Elektrodisco-Songs der 2000er Jahre und ist beinahe tanzbar, auf alle Fälle gut Fuß-wippbar. Auf dieser Platte wechseln dynamische Stücke langsamere akustische Tracks ab, wobei elektronische Elemente das Klangbild dominieren.

Dieses Album ist ein Kleinod. Statt Reizüberflutung inspiriert die schöne und entspannte Klangfarbe von Karis Stimme dazu, sich eigenen Gedanken zu verlieren.

Melancholie und Lebenserfahrung

Vor allem die lyrischen Songtexte verdienen Aufmerksamkeit. Kari thematisiert vielfältige Lebenslagen und prägende Erkenntnisse: beispielsweise Momente des Abschieds vom Sohn, der zur Armee geht…

"Er nimmt mich in den Arm
und setzt ein Lächeln auf
So viel Zuversicht, so völlig frei von Zweifeln
Nun erfasst es mich, und es trägt
Das ist mein Sohn, der da steht"


…oder ihre Reflexionen zum Lauf der Zeit.

"Das Rad das sich beständig dreht
Der Lauf, der vor langer Zeit begann
Etwas, das beständig wachgehalten wird
Bestimmt uns nun egal, was wir bestimmten"


Diese berührende Traurigkeit der Lyrics wirken jedoch nicht deprimierend, sondern ermutigen vielmehr dazu, nach vorn zu schauen.

Nordlichtstimmung

Die Sängerin, die aus dem norwegischen Teil von Lappland kommt, pflegt eine starke Verbindung zu der rauen und einzigartigen Landschaft ihrer Heimat. Deshalb kehrt sie bis heute zum Schreiben und Komponieren meist zurück an den Ort ihrer Geburt: Svolvær, der größten Stadt der Lofoten.
Genau das ist hörbar: Bilder von zerklüfteten Eisgletschern, weiten Fjorden, dunklen Wintertagen und vom Kamin gewärmter Holzhäusern und von Mittsommernacht schwingen in jedem ihrer Lieder mit.

AVIVA-Tipp: Auch wenn der Gedanke an die Lofoten eher an Eismeer und leuchtende Polarnächte erinnert, eignet sich dieses Album auch im Sommer ganz ausgezeichnet als Soundtrack einer lauen Sommernacht auf dem Balkon – allein oder in Gesellschaft.
Dieses Album wird all diejenigen erfreuen, die Stille genießen können und die Ruhe aufbringen, atmosphärischen Melodien auf sich wirken zu lassen.

Zur Künstlerin: Kari Bremnes wurde am 9. Dezember 1956 auf den Lofoten, eine Inselgruppe vor der Küste Nordnorwegens, geboren und wuchs dort auf.
Heute lebt sie hauptsächlich in Oslo, wo sie Geschichte und Theaterwissenschaften studiert hatte und anschließend als Journalistin arbeitete.
Die dreifache Spellemannsprisen-Preisträgerin - der norwegische Grammy - hatte sich erst recht spät, im Alter von 30 Jahren, entschieden, ihre Karriere als Musikerin zu starten.
Weitere Informationen zur Künstlerin im Netz: www.karibremnes.no und auf www.facebook.com

Ein tolles Interview mit der norwegischen Künstlerin anlässlich ihrer Deutschlandtour im April/Mai 2018 von Deutschlandfunk Kultur: www.deutschlandfunkkultur.de

Kari Bremnes
Det Vi Har

VÖ: 19.01.2018
Label: Strange Ways Records
Bestellnummern: 151322 (CD), 151321 (LP)
EAN CD: 4015698013979
Vertrieb: Indigo
Die Texte im beiliegenden Booklet wurden von Ludger Storp ins Deutsche übersetzt.
www.strangeways.de

Songs auf dem Album:

1. Det kunne skjedd – Es hätte geschehen können
2. Glem ikkje – Vergiss nicht
3. Det er min sønn – Das ist mein Sohn
4. Kanskje – Vielleicht
5. Rim sin stemme – Rim´s Stimme
6. Det må være orden – Es muss Ordnung herrschen
7. Det einaste vi ville – Das Einzige, was wir wollten
8. Tog vi ikkje tok – Züge, die wir ziehen ließen
9. Det som ennu ikkje har et navn – Was noch keinen Namen hat
10. En sang fra andre sia – Ein Lied von der anderen Seite
11. Spor – Spuren
(Quelle: CD-Booklet)

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Kari Bremnes - Og sa kom resten av livet
Das neue Album der Sängerin aus Svolvær auf den Lofoten, einer Inselgruppe knapp südlich des Polarkreises, wo harsche Winter und regenreiche Sommer nicht nur die Stimmung, sondern auch die aus ihr entstandene Kunst prägen. (2012)

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Beitrag vom 13.06.2018

Lisa Goldberg 






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