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AVIVA-BERLIN.de im März 2021 - Beitrag vom 29.04.2009


Rachael Yamagata - Elephants ...Teeth Sinking Into Heart
Silvy Pommerenke

Die amerikanische Folk-Sängerin präsentiert eine musikalische Talfahrt durch Schmerz und Schwermut, um danach sehr rockig in Richtung Bergspitze aufzubrechen, denn sie sammelt musikalisch Kraft ...




... für einen Neuanfang. So symbolisiert dieses Doppel-Album die beiden Seiten des Lebens und der Liebe, eingefangen durch eine traumhaft schwermütige und rauchige Stimme, die auf der zweiten CD regelrecht wütend aus sich herausbricht und mit ihrer Trauer aufräumt.

Das Konzeptalbum hat es in sich, denn bereits der Opener "Elephants", der im geschichtsträchtigen Woodstock entstanden ist, schneidet mit seinen Geigen, dem verhaltenen Klavier und dem herzerweichenden Text tief in den emotionalen Schutzpanzer ein. Nichts für zart besaitete Seelen, aber alles für diejenigen, die gerne vor ihren Lautsprechern leiden, mit Hilfe Gefühle Anderer das eigene Leid noch verstärken oder einfach nur fremdleiden wollen. "What If I Leave" zielt in die gleiche Richtung, thematisiert den möglichen Weggang aus einer Beziehung, die Ungewissheit, die sich in solch entscheidendem Moment ausbreitet und die Fragen, die sich wohl erst sehr viel später klären werden. "Little Life" klingt schon etwas kraftvoller, als mache sich Miss Yamagata auf den Weg ins neue Leben. Das letzte Stück auf der ersten CD besticht erneut durch Melodramatik, das zum Ende hin mit großem Orchester eingespielt wurde und dadurch die Dramatik noch mehr steigert. Nach einer etwa drei-minütigen Pause folgt noch ein hidden Track, der extrem sparsam instrumentiert wurde. Purismus par excellence, und dennoch vermittelt das Stück - vor allem, weil die Stimme von Rachael Yamagata darauf klar und rein wie eine Morgenquelle klingt – eine Art Hoffnungsschimmer. Es geht ums Durchhalten, ums Weitermachen, wie schwer es auch fällt, für einen neuen, unbeschwerteren Weg.

Zäsur, Schnitt, neue CD: die zweite Hälfte des Albums fällt temporeich und energievoll aus. Als würde es sich um eine gänzlich andere Musikerin handeln. Dr. Jekyll and Ms. Hyde? Zugegebenermaßen steht der Amerikanerin die melancholische Seite besser, aber genau diese konträren Pole machen das Album zu einem wahren Hör-Abenteuer. Die 31-jährige Yamagata singt sich frei, lässt die Gitarren auf "Sidedish Friend" richtig krachen und tobt sich am Mikro hemmungslos aus. "Accident" klingt nach Retro-Independent der neunziger Jahre, nach Patti Smith oder PJ Harvey, nur eine Tonlage tiefer. Zu guter Letzt holt sie auf dem letzten Stück "Don`t" auch noch ein paar Country Elemente mit ins Boot, und fertig ist ein sehr spannendes Album, das nicht für jeden Tag, nicht für jede Stimmung geeignet ist. Andererseits eröffnet der Abwechslungsreichtum der beiden CDs eine Vielzahl von Möglichkeiten, in denen man wahlweise die eine oder die andere hören kann. Aber Vorsicht: bei einem Hang zu Depressionen sollte man lieber die Finger von CD 1 lassen!

Rachael Yamagata im Netz: www.rachaelyamagata.com und auf MySpace

Weiterhören: A Fine Frenzy und Katja Werker

AVIVA-Tipp: Der zweite Longplayer der amerikanischen Sängerin Rachael Yamagata ist extrem spannend geraten, da er nicht nur – in Anlehnung an alte Vinylscheiben – zwei CDs im Doppelpack beinhaltet, von der eine lediglich 19 Minuten Spielzeit aufbringt, sondern auch eine CD mit tragischen und herzergreifenden Songs und eine andere mit Aufbruchsongs aufweist, die rockig und kräftig den melancholischen Eindruck der ersten CD schwerelos fortwischen. Ein Album, mit dem man sich wahlweise in seelische Abgründe bringen oder ganz viel Kraft für einen Neubeginn gewinnen kann. Ein Dazwischen gibt es nicht!

Rachael Yamagata
Elephants ... Teeth Sinking Into Heart

Label: Warner Bros Records, VÖ April 2009


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Beitrag vom 29.04.2009

Silvy Pommerenke 






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