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AVIVA-BERLIN.de im September 2021 - Beitrag vom 16.11.2009


Beast - Beast
Lisa Erdmann

Früher kamen die Monster aus dem Kleiderschrank, heute kriechen sie aus der Musikanlage. Das kanadische Experiment der "Go To Hell Music" erscheint in 2009 als elektronischer Frankenstein - eine...




...Kreatur aus Rock, Triphop und viel Gedröhne.

Völlig "Out Of Control" kommt das Beast aus dem Labor von Sängerin Betty Bonifassi und Produzent Jean-Phi Goncalves und macht sich sofort auf, Angst und Schrecken zu verbreiten. Eine düstere Stimmung liegt in der Luft, wenn die kraftvolle Stimme der Frontfrau aus Montreal neben einem schlagzeugerischen Übermaß ertönt.

Erinnern soll das "Beast"-Debüt an "Portishead", "Massive Attack", aber auch "Rage Against the Machine" – nachweisbar ist nur der Hang zur dunklen Seite. Es begann als bloßer Versuch, ein Treffen der französischstämmigen, kanadischen KünstlerInnen im Studio und wuchs dann als Bestie zum Projekt heran.

2004 wurde Sängerin Betty Bonifassi noch für den Titelsong des Animationsfilms "Les Triplettes de Belleville" für den Oscar nominiert – jetzt leiht sie dem Ungeheuer ihre Stimme. Jean-Phi Goncalves übernahm dabei als Soundengineer und Produzent die Kontrolle über die Regler und erklärte: "Unsere Studiosessions hatten tatsächlich was von einem Labor-Experiment. Wie Forscher waren wir auf der Suche, wussten aber nicht so genau was wir finden würden. Wir machten weiter, bis wir das Unbekannte gefunden hatten." So kommt neben geisterhaften Chören auch viel Electro mit zu dickem Bass zum Zug. Das Duo selbst nennt ihr apokalyptisches Gemisch "TripRock" oder auch "Go To Hell Music". Die Hörerin kann nur zustimmen - so viel Gedröhne und Getöse trennt nicht mehr viel vom Höllentrip.

Nach ihrer amerikanischen Präsentation in 2008 stellt sich das "Beast" 2009 auch Europa vor. Das "Spoken Word" der Betty Bonifassi ist bereits im ersten Titel "Devil" hörbar bemüht, sich über aggressive Gitarrenriffs und harte Schlagzeugeinsätze hinwegzusetzen, geht jedoch darin unter. Jeder ihrer Sätze klingt nach Wut und zweifellos auch nach viel Power - leider aber zerstören die penetranten Synthies die Kraft der Künstlerin. Ihre eigentlich eindruckvolle Stimme kann nur im zweiten Track "Finger Prints" überhaupt richtig registriert werden. Nur in diesem Song nehmen sich die musikalischen "Geräte" zurück und die depressiven Endzeit-Texte mit der tief-kräftigen, hier sogar klangschönen Stimme der Sängerin treten in den Vordergrund. Die "Rap"-Passagen Bonifassis legen sich elektronisch verzerrt mit hörbarem französischem Akzent über fehlplatzierte Gospelchöre und einem Gemisch aus Hämmern und Dröhnen - 41 Minuten lang.

Mit der Textzeile: "The pain is gone. The sun outshone. My youth is gone. The lights are on. The time is gone" besingen die MusikerInnen in "Out of Control", dem sechsten Titel des Albums und zugleich ersten Singleauskopplung, das Ende der Welt. Erinnert das Lied anfangs noch an den Charthit "Feel Good Inc" von den Gorillaz, kippt die Stimmung nach dem Chorus – ein völliges Überlagern und Überlappen von Backgroundchören und Betty Bonifassis zum Schreien ausartenden Zeilen überfordern jede Hörerin. Die Konfusion zieht sich wie ein roter Faden durch die 12 Tracks. Soundeffekte, beispielsweise eine Feuerwehrsirene im Hintergrund von "City", gestalten ein Ohrenkino für GruselfreundInnen. Beim letzten Titel "Satan" geben Bonifassi und Goncalves noch mal alles. Der technoide Gospel und die schnellen Beats sind durchaus innovativ, nach all den anderen Songs des Albums erklingt Track Zwölf jedoch nur noch als Antonym.

Beast im Netz: www.myspace.com/beastsound

AVIVA-Fazit: Das kanadische Duo unterfüttert die kraftvolle Stimme von Sängerin Betty Bonifassi mit düsteren Elektro-Klängen und harten Rock-Beats . Eine Mischung die mutig und neuartig klingt, aber nicht jede Hörerin überzeugen kann.

Beast
Beast

Label: Universal Music, VÖ: November 2009


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Beitrag vom 16.11.2009

Lisa Erdmann 






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