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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 12.12.2010


Marnie Stern - Marnie Stern
Kristina Auer

An der Grenze zum Chaos – so lässt sich die Musik von Marnie Stern vielleicht am ehesten beschreiben und verrät damit wohl auch etwas über das Leben der Künstlerin. Doch auch wenn sich hier eine...




...recht turbulente Lebenssituation erahnen lässt, gelingt es Marnie Stern dennoch, lebensbejahende Stärke und ungeheure Helligkeit auszustrahlen, was die US-Amerikanische Künstlerin mit ihrem dritten Album eindrucksvoll beweist.

Das aktuelle Album ist in einer schwierigen Lebensphase der Künstlerin entstanden, verrät der Info-Text von Marnie Sterns Plattenfirma, dem berüchtigten Punk-Label Kill Rock Stars. Der Internetseite testpress.net zufolge ist damit vor allen Dingen der Selbstmord ihres Ex-Freundes Ash gemeint, dessen Verlust Stern auf dem Album verarbeitet hat. Dieses ist dabei besonders persönlich und intim geworden, was sich schon daran erkennen lässt, dass das Album mit dem Namen der Künstlerin betitelt ist. Die Platte "Marnie Stern" spiegelt also die Frau Marnie Stern wider.

Die New Yorkerin mit jüdischen Wurzeln hat in den Jahren 2007 und 2008 bereits zwei Platten veröffentlicht, das Debütalbum "In Advance of the Broken Arm" und ein Album mit dem ellenlangen Titel "This Is It and I Am It and You Are It and So Is That and He Is It and She Is It and It Is It and That Is That". Beide wurden von der Presse mit viel positiver Kritik bedacht, die Künstlerin wurde mehrfach ausgezeichnet.

Ihre musikalische Karriere begann die heute 34-Jährige als Folk-Sängerin in den Bars von New York, indem sie bei Open-Mike-Veranstaltungen auftrat. Tagsüber arbeitete sie als Büroangestellte. In einem Interview mit der New York Times beschrieb sie einen der einschneidendsten Momente ihres Lebens, den sie durch die Kritik eines Kollegen erfuhr: "Ich habe dich immer als eine Musikerin gesehen, die als Sekretärin arbeitet. Jetzt sehe ich dich nur noch als Sekretärin". Innerhalb einer Woche kündigte Stern und begann fortan, acht Stunden pro Tag Gitarre zu üben.

Dieses Üben hört man Marnies Musik an: Sie ist berüchtigt für ihr eigenwilliges und auffallend virtuoses Gitarrenspiel. Dabei machen besonders zwei Spieltechniken, nämlich Tapping und Shredding, ihren rasanten Sound aus und prägen ihren musikalischen Stil als Gitarristin. Beim Tapping wird mit einer oder beiden Händen schreibmaschinenartig auf die Saiten geklopft, was flüchtige, schrille Töne erzeugt. Shredding bezeichnet eine Technik des irrwitzig schnellen Spiels, die ansonsten vor allem im Heavy Metal sehr beliebt ist.

Mit ihrem dritten Album hat Stern nun ein beeindruckendes Kompendium extrem kraftvoller und strahlender Songs aufgenommen, die durch eine enorme Tiefe bestechen. In den meisten Songs des Albums, so auch im Aufmacher "For Ash" dominiert die Gitarre, die mit flirrenden Tönen alles mit Licht erfüllt und die enorme technische Versiertheit der Musikerin zum Vorschein bringt. Sterns Gitarre verbindet sich nahtlos mit den wilden, synkopischen Rhythmen von Drummer Zach Hill, die durchaus tanzbar sind. Sterns Gesang ist mal punkig schreiend wie in "Nothing Left", mal wechselt er zwischen kreischenden, jaulenden Tönen und feineren Melodien wie bei "Transparency Is the New Mystery". Dennoch bleibt die Stimme auf "Marnie Stern" meist im Hintergrund und hat eher begleitende Funktion, weshalb auch die Texte oft nur schwer zu verstehen sind.

Das mag auch der Grund dafür sein, dass die melancholisch und persönliche Stimmung von "Marnie Stern" erst bei genauerem Hinhören auffällt. Die Auseinandersetzung mit dem Tod ihres Ex-Freundes Ash ist dem Album anzumerken. So singt Stern in "Risky Biz" düster: "I got something in my soul, pushing me to hold on to the pain." Geradezu schmerzhaft wird das Zuhören, wenn Stern auf "Cinco de Mayo" ins Mikrophon schreit: "How can I explain the cold I´m feeling since you left me. You were the love of my life" und später "I hope you see God."
Durch die Verbindung von kraftvollen, ungemein selbstbewussten Songs mit intimen, oft nachdenklichen Texten ergibt sich ein Kontrast, der eine ungemeine Faszination auslöst und die Hörer/innen schließlich, wie nach einer Achterbahnfahrt, etwas erschöpft und verwirrt, zurücklässt.

AVIVA-Tipp: Marnie Stern ist eine Ausnahmekünstlerin, die Elemente des Punk und Grunge mit experimentellem Progressive Rock verbindet. Ihr drittes Album ist ein wildes, rasant zwischen Chaos und Harmonie wechselndes Kunstwerk geworden, das strahlend ist vor Selbstbewusstsein und gleichzeitig so intim und aufrichtig wie nie.

Marnie Stern
Marnie Stern
Label: Kill Rock Stars, VÖ 18.10.2010

Weitere Infos zur Künstlerin finden Sie unter:

www.myspace.com

www.killrockstars.com

(Quelle: Kill Rock Stars, New York Times, testpress.net)


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Beitrag vom 12.12.2010

AVIVA-Redaktion 






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