Maike Rosa Vogel - Unvollkommen - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur Music



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 19.03.2011


Maike Rosa Vogel - Unvollkommen
Kristina Auer

Man könnte sie den weiblichen, deutschen Bob Dylan nennen. Durch ihre kompromisslose Aufrichtigkeit und rohe Authentizität entwickeln die Lieder der Singer/Songwriterin aus Frankfurt eine...




...unkontrollierbare emotionale Wucht, die sich unmittelbar tief ins Herz bohrt.

In einem Video erklärt Maike Rosa Vogel "Wenn ich Musik mache, geht es mir vor allem auch darum, etwas rauszubringen, was in mir ist und raus muss, weil es irgendwie klemmt oder wehtut". Ihren Texten ist anzumerken, dass das Liederschreiben für sie ein dringendes, sogar existenzielles Bedürfnis darstellt.

Maike Rosa Vogel wuchs in Frankfurt in einem gesangsfreudigen 68er-Haushalt auf. Schon früh brach sie die Schule ab und gründete mit 14 Jahren ihre erste Band. Nachdem sie sich jahrelang mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen hatte, beschloss sie schließlich, sich an der Popakademie in Mannheim zu bewerben, wo sie prompt angenommen wurde. Dort lernte sie auch den Komponisten und Multiinstrumentalisten Konstantin Gropper ("Get Well Soon") kennen, mit dem sie seither musikalisch zusammenarbeitet. Das Debütalbum "Golden" erschien im Dezember 2008.
Auch Sven Regener, Autor des Romans "Herr Lehmann" und Frontmann der Gruppe "Element of Crime", zählt zu Maike Rosa Vogels prominenten Fans. An "Unvollkommen" wirkte er als Produzent mit, außerdem buchte er sie als Vorprogramm für seine Band.
Maike Rosa Vogel lebt heute in Berlin, wo sie eine Familie gegründet hat. Momentan arbeitet sie dort am Maxim Gorki Theater als Musikerin für Milan Peschels Inszenierung des Stücks "Glasmenagerie" von Tennessee Williams.

So Einiges verbindet Maike Rosa Vogels Musik mit der des großen Bob Dylan. Wie er besitzt sie die seltene Gabe, Botschaften so in Worte zu hüllen, dass sie eine ungefilterte Wahrheit zum Ausdruck bringen. Die Direktheit ihrer Texte kann tief bewegen und bestürzen. Dabei weisen sie komplexe und vielschichtige Erzählstränge auf, die eigene Interpretationen zulassen und manchmal erst nach mehrmaligem Hören klar verständlich werden.

Maike Rosa Vogels Texte sind ebenso politisch wie persönlich, wobei die Grenzen oft verwischen. So handeln viele ihrer Stücke von der Herausforderung, sich selbst lieben zu lernen. "Ich mag nicht, dass es immer noch / Mein Körper ist / der fremd bleibt viel zu oft / Und dass egal wie sehr es mich stört / Es niemand anderen so empört / Das mag ich nicht" singt sie in "Ich bau mir ein Zelt".
"Faule Menschen" ist dagegen ein klassischer Protestsong, der ganz in der Tradition großer politischer Hymnen wie Dylans "The Times, They Are A-Changin" bewusst auf einen Refrain verzichtet. Das Stück kritisiert Menschen, die große Macht ausüben aber keine Anteilnahme für andere empfinden und wenig Menschlichkeit in sich tragen. Der bissige und gleichzeitig humorvolle Text spricht für sich:

"Und wenn alles irgendwann in Asche liegt
Beugen sie sich über das, was davon übrig blieb
Und sagen: Dieser Rest hat alles überlebt
Und das bedeutet, dass es nichts Besseres gibt
In ihrem Götterhimmel regieren die Küchenschaben
Weil die schon wirklich alles aber auch alles überlebt haben"


Auch musikalisch bewegt sich Maike in der Tradition der lebendigen Ikone Dylan. Sie schreibt eingängige Melodien, welche die deutliche Verständlichkeit der im Vordergrund stehenden Texte begünstigt. In klassischen Folksongs wie "Ich bau mir ein Zelt" bedient sie sich der charakteristischen Stilmittel des traditionsreichen musikalischen Genres: Organische Akkordgitarre, Klavier und Schlagzeug verbinden sich in einem kraftvollen Rhythmus, Background-Gesang verstärkt die Ausdruckskraft der gesungenen Worte und die unverzichtbare Mundharmonika sowie eine Bläser-Sektion kommen zum Einsatz. Bei dem simplistischen "Deine Haut" verleiht dagegen die auf Gitarre und Stimme beschränkte Strophe dem Song seinen rauen Charme, bevor dieser im Refrain durch anrührende Geigen einen ganz neuen Charakter bekommt. Bei ruhigeren Stücken wie "Alle meine Träume wahr" spielt sich dagegen das Klavier sanft in den Vordergrund.

AVIVA-Tipp: Maike Rosa Vogels zweites Album ist alles andere als "Unvollkommen". Stattdessen macht es in elf großartigen Songs das begnadete Talent einer schonungslos ehrlichen Künstlerin offensichtlich und prägt sich tief in das Bewusstsein ein. Wer Maike Rosa Vogels Lieder hört, die einer Essenz von Schönheit und Echtheit gleichkommen, bleibt mit dem gleichzeitig erschütternden und beglückenden Gefühl zurück, ein Stück mehr über das Leben und seine Bedeutung begriffen zu haben.

Maike Rosa Vogel
Unvollkommen

Label: Our Choice, VÖ: 08.04.2011

Weitere Infos finden Sie unter:

www.maikerosavogel.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Joan Baez – Day After Tomorrow

Wir sind Helden - Von hier an blind

(Quelle: Our Choice)


Kunst + Kultur > Music

Beitrag vom 19.03.2011

AVIVA-Redaktion 






AVIVA-News bestellen
  AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter



Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Mit Dr. Lea Wohl von Haselberg, Veronika Kracher, Dr. Ingrid Strobl, Dr. Michal B Ron. Moderiert von Sharon Adler. Im Rahmen der Ausstellung mit Werken von Elianna Renner und Sharon Paz bei alpha nova & galerie futura

fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen

Iris Schürmann-Mock – Frauen sind komisch. Kabarettistinnen in Porträt

. . . . PR . . . .

Iris Schürmann-Mock - Frauen sind komisch
Liesl Karlstadt, Valeska Gert, Maren Kroymann, Carolin Kebekus ... In zehn ausführlichen und fünfzig kurzen Porträts stellt die Journalistin und Autorin die Königinnen der Kleinkunst vor. Ihre Disziplinen: Comedy, Poetry Slam, Tanz, Pantomime, Chanson, Rap.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.aviva-verlag.de

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris

. . . . PR . . . .

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris
Biografische Porträts der Fotokünstlerinnen, Porträtfotografinnen und Fotoreporterinnen Marianne Breslauer, Gisèle Freund, Dora Maar und Lee Miller im Paris der 1920er und 1930er Jahre.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.ebersbach-simon.de


Kooperationen

GEDOK-Berlin
Paula Panke
RuT - Rad und Tat e.V.
Begine