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AVIVA-BERLIN.de im September 2021 - Beitrag vom 25.08.2011


Jennifer Rostock - Mit Haut und Haar
Lisa Erdmann

Nicht nur optisch ist Jennifer Weist eine der unkonventionellsten Frontfrauen im Musikgeschäft, auch ihre songwriterischen Fähigkeiten sind alles andere als durchschnittlich. Ehrliche Texte im...




...NDW-Pop-Rock-Gewand sind eindeutig ihre Stärke und überzeugen auch auf dem dritten Longplayer der Berliner Band "Jennifer Rostock" wieder ohne Umwege die Hörerinnenschaft.

Übersäht mit Piercings und Tattoos bis zum Hals wirken die 25-Jährige Jennifer Weist und ihre Bandkollegen so angriffslustig, wie die dreizehn neuen Songs ihres aktuellen Langspielers "Mit Haut und Haar". Da ist kein Platz für Balladen, da wird nach vorne geprescht und Zähne gefletscht, vor allem aber gestichelt und mit dem eigenen Image kokettiert. "Spielt Musik ein, ihre Zeit ist um, wenn sie spricht, krümelt sie mit ihrer Meinung rum" heißt es da, doch die Hörerin ahnt sofort, dass es mit diesem Album erst so richtig losgeht.

Was Ende der 1990er mit Jennifer Weist und Johannes "Joe" Walter als SchülerInnenband in Zinnowitz begann, kann heute getrost als die Wiedergeburt des NDW-Sounds bezeichnet werden. Nach abgeschlossenem Abitur zogen die beiden in 2006 nach Berlin, wo sie die drei zukünftigen Bandmitglieder Alex, Christoph und Baku kennenlernten und sich aktiv auf eine Musikkarriere konzentrierten. Wie der finale Bandname "Jennifer Rostock" zustande kam, ist unklar. Angeblich adressierten MitarbeiterInnen eines Berliner Tonstudios ihre Mitteilungen an eine "Jennifer Rostock". Madame Weist bemerkte dazu: "Jennifer, das ging an mich und Rostock, weil sie wussten, wir sind von der Küste und Rostock war wohl die einzige Stadt, die die Studioleute bei uns hier oben kannten." In der Fernsehsendung "Das Perfekte Promi-Dinner" erzählte sie jedoch, sie sei in dem Handy eines Freundes als "Jennifer Rostock" gespeichert, da sie sich mit ihm mal in Rostock traf.

Doch egal, wie es nun wirklich zum Bandnamen kam, sind die MusikerInnen mittlerweile eine fester Bestandteil der deutschen Indie-Pop-Rock-Szene und veröffentlichen nach vier Jahren Bandgeschichte mit "Mit Haut und Haar" bereits ihr drittes Studioalbum. Klanglich bleiben sich "Jennifer Rostock" grundsätzlich treu, auch wenn das neue Album mit preschenden Punk-Rock-Hymnen und diesmal völlig frei von Balladen nach vorne stürmt.

"Ich werd` mit diesem Schiff untergeh`n, denn ich bin der Kapitän!" - Bereits der Opener kündigt hörbar an, wohin die Reise gehen soll. Diese Fünf sind eindeutig auf Krawall gebürstet und erinnern angriffslustig und völlig unter Strom an eine erstklassige Mischung aus "Ideal", Wir sind Helden", "Juli" und ein bisschen "Christina Stürmer".
Die darauf folgende Single "Es war nicht Alles schlecht" ist ebenso ein Ohrwurm oberster Güte, dem auch das finale Geschrei von "War from a Harlots Mouth"-Schreier Nico nichts mehr anhaben kann. Auch "Mein Mikrofon" versprüht den rotzig-frechen Charme, welcher die Band eins so berühmt machte. Treibende Synthies und Weists facettenreiches Spiel mit Text und Gesang sind eindeutig der Kern des Dreizehnteilers. Während sie bei "Fuchsteufelswild" stimmlich fast einer Nina Hagen gleichkommt, formuliert sie bei "Meine bessere Hälfte" in stürmischem Popgewand ihre Qualitäten.

Natürlich gibt es auch traurigere Stücke, doch das Verlassen muss nicht immer leise und wehmütig sein - da darf auch mal gewütet und geflucht werden. Das können "Jennifer Rostock" sowieso besonders gut. Vor allem Frontfrau Weist quietscht, grölt und stichelt so vordergründig, dass ihren vier Jungs gar nichts anderes übrig bleibt, als sich hinter sie zu stellen, und ihr den Rücken freizuhalten - wer hier vorangeht, wird schon auf dem Albumcover manifestiert.

Jennifer Rostock im Netz: www.jennifer-rostock.de

AVIVA-Tipp: "Du sagst der Ton macht die Musik und ich treff` keinen Ton, aber: Keiner nimmt mir mein Mikrofon" - diese Band ist einfach nicht zu stoppen. Auch wenn sich die Formation grundsätzlich auch auf ihrem Drittlingswerk treu bleibt, ist "Mit Haut und Haar" noch besser produziert, als seine Vorgängeralben. Ein durchweg runder Silberling, der mit eingängigen Melodien und wirklich erstaunlich guten Texten überzeugt.


Jennifer Rostock
Mit Haut und Haar

Label: Warner, VÖ: Juli 2011


Weiterhören auf AVIVA-Berlin:

Jennifer Rostock - Ins Offene Messer

Fräulein Wunder







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Beitrag vom 25.08.2011

Lisa Erdmann 






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