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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 15.12.2007

Lea Singer - Mandelkern
Sharon Adler

Lea Singer, eigentlich Dr. Eva Gesine Baur, erz├Ąhlt von der in M├╝nchen lebenden, international renommierten Neurowissenschaftlerin und der gro├čen Frage nach Gl├╝ck und K├Ąuflichkeit. Zwiesp├Ąltig.



Die Neurowissenschaftlerin Grace Eder ist eine anerkannte Gr├Â├če der Wissenschaft und eine gefragte Rednerin. Ihrem Aufstieg auf der Karriereleiter scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein, und sie ist eine charismatische, attraktive Single-Frau. Ihr ist aber dennoch bewusst, dass sie die Lust auf Macht kaschieren muss, wenn sie neben den m├Ąnnlichen Kollegen bestehen will. Sie hat gelernt, "mit dem Messer im R├╝cken zu leben" und ist es leid, die immergleiche Frage nach dem Verzicht auf das Muttergl├╝ck zu beantworten.

Die Gehirnforscherin, die sich dem Studium von Neuronen verschrieben hat, ger├Ąt einen Tag vor Weihnachten in eine Lebenskrise, als sie das Foto einer alten Schulfreundin in einer Zeitschrift entdeckt. Sophie ist dort mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern abgebildet und sieht sehr gl├╝cklich aus. F├╝r Grace, die sich mit den Molek├╝len der Gef├╝hle besch├Ąftigt, ist dies der Ausl├Âser, den Sinn ihrer bisherigen Existenz in Frage zu stellen.

Die sonst so Beherrschte erkennt, dass ihr eigenes Gl├╝ck aus der Anerkennung "j├╝ngere[r] Kollegen oder Kolleginnen [besteht], die besinnungslos der gleichen Zukunft entgegenhechelten, maulwurfsblind f├╝r die Heillosigkeit, die sie erwartete".
Nachts - alleine im Labor auf das Ergebnis eines Versuchs wartend - trifft sie die ersch├╝tternde Erkenntnis, dass ihr Apartment nach nichts anderem als ihrem eigenen Parfum riecht. Aus einem Impuls heraus will sie sich mit einer ├ťberdosis Tabletten das Leben nehmen, spuckt aber in letzter Minute alles wieder aus.

An diesem Wendepunkt ihres Lebens trifft sie auf die geheimnisvolle, verm├Âgende und einflussreiche Lucie, die wie aus dem Nichts auftaucht und sie zum Weihnachtsfest einl├Ądt. Grace, gefangen in ihren Erinnerungen an die ├Ąrmliche Kindheit und dem Ehrgeiz ihrer alleinerziehenden Mutter, sagt zu. Von nun an ist nichts mehr wie es war. Lucie scheint all ihre W├╝nsche und Sehns├╝chte nach Liebe und Erf├╝llung zu ahnen, noch bevor Grace ├╝berhaupt einen Gedanken formuliert hat...

Zur Autorin: Lea Singer, eigentlich Dr. Eva Gesine Baur studierte Kunstgeschichte, Musik- und Literaturwissenschaft. Sie ist Sachbuchautorin und Publizistin. Bisher hat sie neben der "├ľsterreichischen Hure" (2005) vier von der Presse hochgelobte Romane ver├Âffentlicht: "Die Zunge" (2000), "Wahnsinns Liebe" (2003) ├╝ber die t├Âdliche Aff├Ąre Mathildes, der Frau Arnold Sch├Ânbergs, mit dem Maler Richard Gerstl, "Das nackte Leben" (2005) ├╝ber das Schicksal und die Ehen der Constanze Mozart und "Vier Farben der Treue" (2006), eine schicksalstr├Ąchtige Begegnung von Toscanini und Eleonora von Mendelssohn, Max Reinhardt, Alma Mahler-Werfel und Franz Werfel bei den Festspielen in Salzburg 1935. Die Kulturhistorikerin Dr. Eva Gesine Baur war Redakteurin, stellvertretende Chefredakteurin und Chefredakteurin bei verschiedenen Zeitschriften. Heute lebt und arbeitet sie in M├╝nchen als freie Journalistin und Buchautorin. Ihre besondere Leidenschaft gilt privat wie beruflich der Verbindung der sinnlichen Gen├╝sse und der Gastrosophie.

AVIVA-Fazit: Der Roman Lea Singers ist eine sprachliche Glanzleistung, doch die Figuren wirken oftmals konstruiert und der Plot zu aufgesetzt. Auch mit der Kind-Karriere-Frage macht die Autorin es sich zu einfach: Hier wird einmal mehr ein g├Ąngiges Klischee bedient, und das vorhersehbare "Entweder-Oder" m├╝ndet in eine Eindimensionalit├Ąt, die "Mandelkern" zu einem schwachen Ende f├╝hrt.

Lea Singer
Mandelkern

Hoffmann und Campe Verlag, erschienen August 2007
ISBN: 978-3-455-40080-9
320 Seiten
19,95 Euro (D), 20,60 EUR (A), 34,90 SFR (CH)

Literatur Beitrag vom 15.12.2007 Sharon Adler 





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