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AVIVA-BERLIN.de im September 2020 - Beitrag vom 02.07.2008


Ingeborg Bachmann - Erklär mir, Liebe
Silvy Pommerenke

Eines der schönsten und meistinterpretierten Gedichte Bachmanns steht als Namensgeber für die Re-Edition ihres lyrischen Werkes aus den vierziger und fünfziger Jahren.




Ingeborg Bachmann wurde 1952 durch Ilse Aichinger mit Hans Werner Richter bekannt gemacht, der ihr den Zugang zur Gruppe 47 ermöglichte. Ihre Lesung auf dem "elektrischen Stuhl" - dem Zensurorgan dieser literarischen Gruppe, die keine Gruppe sein wollte -, ist in die Annalen eingegangen. Schüchtern und den Tränen nahe trug sie ihre poetischen Perlen vor und wurde fast ausnahmslos von den AutorInnen des elitären Zirkels gefeiert. Nur wenige Tage später saß sie bereits beim NWDR Hamburg und NWDR Hannover im Studio, um Rundfunkaufnahmen zu produzieren.

Bisweilen hört man die Zurückhaltung und Unsicherheit in der Stimme Bachmanns bei dieser vom Hörverlag herausgegebenen Gedichtsammlung. Unprätentiös und ohne übertriebenes Pathos liest die Autorin Gedichte wie "Entfremdung", "Die gestundete Zeit", "An die Sonne" oder "Geh, Gedanke" und drückt damit ihre Trauer über die Entfremdung der Menschheit und die Unmöglichkeit der Liebe aus. Bachmann, 1926 in Klagenfurt geboren, hat diese Ängste brillant in ihren Gedichten ausgedrückt, später auch in ihrer Prosa. Eine eigentümliche Schwere zieht sich durch ihre Texte, die ihren literarischen Höhepunkt in der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Diktatur finden, wie beispielsweise in dem Gedicht "Früher Mittag".

1953 erschien der erste Gedichtband Bachmanns, "Die gestundete Zeit". Ein knappes Jahr später war sie schon auf dem Titelbild des Spiegel, der ihre Lyrik "zu den besten deutschsprachigen Gedichten ihrer Generation" zählte, und sie schrieb nun von Italien aus, wo sie an ihrem zweiten Lyrikband "Anrufung des großen Bären" arbeitete. Neben Gedichten schrieb sie als freie Journalistin unter dem Pseudonym Ruth Keller für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, verfasste Hörspiele, arbeitete für Hans Werner Henze an einem Libretto und hielt als promovierte Philosophin ihre berühmten Poetik-Vorlesungen in Frankfurt. In späteren Jahren wandte sie sich der Prosa zu, veröffentlichte 1961 "Das dreißigste Jahr" und schrieb "Malina", einen Roman, der zu der (unvollendeten) Trilogie des "Todesarten"-Projektes gehörte. Dies sollte sich für Bachmann als self-fulfilling prophecy bewahrheiten: Sie starb 1973 in Rom an den Folgen eines Wohnungsbrandes.

Neben ihrem Oeuvre hinterlässt die intellektuelle Autorin und große Dichterin einen nach ihr benannten Literaturpreis: Vier Jahre nach ihrem Tod wurde der jährlich stattfindende Klagenfurter Literaturwettbewerb ins Leben gerufen und trägt seitdem den Namen Ingeborg-Bachmann-Preis.

Zur Autorin: Ingeborg Bachmann, 1926-1973, wurde für ihre Lyrik u.a. mit dem Georg-Büchner-Preis 1957 und dem Großen Österreichischen Staatspreis 1968 ausgezeichnet. Sie studierte Philosophie, Germanistik und Psychologie. 1950 promovierte sie über Heidegger. 1953 ging Ingeborg Bachmann als freie Schriftstellerin nach Italien, wurde zwei Jahre darauf Dramaturgin in München und lehrte ab 1960 Poetik an der Universität Frankfurt. 1965 kehrte "die Bachmann", zum letzten Mal, nach Italien zurück. Werk und Wirken der Ingeborg Bachmann widerfuhren zahlreiche Ehrungen. Zu den wichtigsten Auszeichnungen gehören der Bremer Literaturpreis 1957, der Büchner-Preis 1964 und der Große Österreichische Staatspreis 1968 (Quelle: Verlagsinformation).

Weiterhören: Malina und "Die Zikaden" von Ingeborg Bachmann

AVIVA-Tipp: Die Lyrik der Klagenfurterin Ingeborg Bachmann ist von tiefsinniger und melancholischer Schönheit. Es ist kaum möglich, die siebzigminütige CD in einem Rutsch durchzuhören, denn dafür ist der Eindruck zu intensiv, die Betroffenheit zu tief und das Nachdenken über die Gedichte wird zu sehr angeregt. Der eigenwillige Sprachduktus Bachmanns trägt zu einer weiteren emotionalen Gänsehaut bei, die dank der CD immer wieder aufs Neue evoziert werden kann.

Ingeborg Bachmann
Erklär mir, Liebe
Gedichte 1948 bis 1957

DHV: DerHörVerlag; Juni 2008
1 Audi CD
Lauflänge: 72 Minuten
ISBN: 9783867172929
14,95 Euro


Literatur

Beitrag vom 02.07.2008

Silvy Pommerenke 






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