Zora del Buono - Hundert Tage Amerika. Begegnungen zwischen Neufundland und Key West - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA_gegen_AFD
AVIVA-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J├╝disches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 16.11.2011

Zora del Buono - Hundert Tage Amerika. Begegnungen zwischen Neufundland und Key West
Lisa Scheibner

Was ist wirklich amerikanisch? Die Journalistin Zora macht sich samt Hund Lino auf den Weg entlang der Atlantikk├╝ste Amerikas. Von Neufundland bis Florida bieten sich ihr reichlich Gelegenheiten...



... zu hinterfragen, wie sich das Selbstverst├Ąndnis der heutigen BewohnerInnen der USA und Kanadas zusammensetzt. Welche Rolle spielt der American Dream im 21sten Jahrhundert? Wie viel Einfluss hat die Geschichte der Einwanderung noch immer, von SiedlerInnen auf der Suche nach Freiheit ├╝ber Menschenraub und Sklaverei bis hin zur illegalen Migration? Eine Europ├Ąerin berichtet aus ├ťbersee.

Nicht in achtzig Tagen um die Welt, sondern in hundert Tagen die amerikanische Atlantikk├╝ste entlang! Zora, die Ich-Erz├Ąhlerin, ist mit ihrem kleinen Hund unterwegs, was in einem Land der Hygienehysterie oft zu Komplikationen f├╝hrt. Lino, der wie ein winziges Reh aussieht, kn├╝pft die meisten Kontakte f├╝r seine menschliche Begleiterin, w├Ąhrend diese versucht, in einem L├Ąngsschnitt durch den Kontinent die Pluralit├Ąt Amerikas zu ergr├╝nden. Zwei Nationen (Kanada und die USA), die f├╝r Viele noch immer den Traum von Freiheit verk├Ârpern, ein gelobtes Land, das vor Verfolgung sch├╝tzt und den Neuanfang erm├Âglicht.

"Die Unkompliziertheit Nordamerikas hat deutliche Vorz├╝ge. (...) How are you doing, dear? Amazing day, isn`t it?"

Die Reise beginnt in L`Anse aux Meadows in Kanada, wo die WikingerInnen (mindestens eine Frau soll dabei gewesen sein) vermutlich um das Jahr 1000 das erste Mal versuchten, Amerika zu besiedeln, und endet in Key West in Florida, einem Paradies f├╝r wilde H├╝hner und andere Freigeister.

Im angenehmen Stil eines Reiseberichtes mit vielen kleinen Seitenblicken erz├Ąhlt del Buono von den Spuren der Sklaverei, die besonders im S├╝den noch immer die Atmosph├Ąre bestimmen, von den vielf├Ąltigen Hoffnungen der europ├Ąischen SiedlerInnen, die noch heute geehrt werden und von modernen NomadInnen im Trailerpark.
Vor allem aber erz├Ąhlt sie von Menschen, die sie unterwegs trifft. Da sind unter anderem ein Odin-Fan mit Flugangst, ein Grenzbeamter, dem eine Rolle in einem US-Nazifilm hervorragend stehen w├╝rde, ein Frauenpaar im reiferen Alter, das sich beim ersten Date mit Daiquiris zusch├╝ttet, der Korbflechter Tyron, den Existenzsorgen plagen, eine j├╝dische Psychoanalytikerin, die zwei Konzentrationslager der Nazis ├╝berlebt hat, ein freundliches Missionarspaar, viele viele HundebesitzerInnen und eine geliftete Golden-Girls-Runde, die es nicht aufgibt, an das Gl├╝ck zu glauben.

Amerika ist ein Land, das sich r├╝hmt, allen die gleichen Chancen auf ein gutes Leben einzur├Ąumen. Aber gilt jene Freiheit, sich immer neu zu erfinden, denn wirklich f├╝r jede/n? "You have to feel honoured to visit our country. So don`t lie to us", wird Zora in Maine von dem Grenzbeamten angeherrscht. Sie fragt sich: Sind auch jene stolz auf ihr Land, die nicht auf der GewinnerInnenseite gelandet sind?

W├Ąhrend Zora auf der Suche nach dem essentiell Amerikanischen ist, findet sie immer mehr heraus ├╝ber das, was das Europ├Ąisch-Sein ausmacht.

"Manchmal scheint es, als seien sie immer noch Pioniere, Wandernde auf der Suche nach dem Neuen (...). Amerika ÔÇô ein einziges gro├čes Provisorium, jederzeit zum Abriss und Aufbruch bereit."

Wie schon bei "Big Sue" l├Ąsst del Buono Geschichte lebendig werden, indem sie ihre Erlebnisse an historisch bedeutsamen Orten eng verkn├╝pft mit fokussierter Recherche zu deren lokalen Vergangenheiten.
Die Leserin erh├Ąlt neben dem kurzweiligen Reisebericht und del Buonos Miniatur-Portraits von unterschiedlichsten Bekanntschaften zahlreiche Informationen ├╝ber das Land und seine (unbegrenzten?) M├Âglichkeiten. In Fu├čnoten werden historische Begriffe wie die Doktrin "separate but equal", der "Elch" und seine Bedeutung f├╝r Neufundland oder die Biografie der einflussreichen Biologin "Rachel Carson" vorgestellt.
Auf der Landkarte, die dem Reisetagebuch vorangestellt ist, kann die Leserin alle Stationen des Roadtrips nachvollziehen.

Zur Autorin: Zora del Buono, geboren 1962 in Z├╝rich, aufgewachsen in der Schweiz und S├╝ditalien, lebt seit 1987 in Berlin und Z├╝rich. Nach ihrem Architekturstudium an der ETH Z├╝rich und der HdK Berlin, vier Jahren Arbeit als Architektin und Bauleiterin und dem Aufbaustudium "Filmarchitektur" entschied sie sich f├╝r einen radikalen Berufswechsel und begann zu schreiben. Sie ist Gr├╝ndungsmitglied der Zeitschrift mare, war dort von 2001-2008 stellvertretende Chefredakteurin und betreut heute das Kulturressort. Ihre Romane "Canitz` Verlangen" (2008) und "Big Sue" (2010) sind im mareverlag erschienen und wurden beide von der Stiftung Buchkunst im Wettbewerb der sch├Ânsten deutschen B├╝cher pr├Ąmiert. Weitere Infos unter: www.zoradelbuono.de

AVIVA-Tipp: "Hundert Tage Amerika" ist ein Reisebericht der besonderen Art: eine Europ├Ąerin auf den Spuren von Geschichte und Gegenwart Amerikas. Wer sind die postmodernen PionierInnen? Wo sind die Gr├Ąuel der Sklaverei noch immer sp├╝rbar? Zora del Buono trifft auf ihrer Reise entlang der Ostk├╝ste aufrechte Konservative und Green-Card-GewinnerInnen, Exilierte und Gestrandete, SpezialistInnen aller Art sowie Alligatoren und Hillybillies. Sie entdeckt Patriotismus oder Nischen f├╝r Unangepasstes an unerwarteten Orten und in merkw├╝rdigen Kombinationen, und w├Ąhrend sie "Amerika" zu verstehen beginnt, f├Ąngt sie an, ├╝ber ihre eigene europ├Ąische Identit├Ąt nachzudenken. Der tagebuchartige Stil ist leicht und poetisch, Erkl├Ąrungsw├╝rdiges wird in Fu├čnoten diskutiert. Die Erlebnisse und Reflektionen der Erz├Ąhlerin ergeben zusammen mit den vielen Begriffserkl├Ąrungen ein dichtes Netz an Bedeutungen, mit dem es Zora del Buono gelingt, ein Gef├╝hl f├╝r das zu erzeugen, was Nord-Amerika ausmacht.

Zora del Buono
Hundert Tage Amerika. Begegnungen zwischen Neufundland und Key West

mareverlag, erschienen August 2011
ISBN 978-3-86648-145-9
19,90 Euro
256 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag und Leseb├Ąndchen
www.mare.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Big Sue von Zora del Buono

Literatur Beitrag vom 16.11.2011 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken