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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 25.03.2008

Lena Gorelik - Verliebt in Sankt Petersburg. Meine russische Reise
Sharon Adler

Die Autorin von "Meine wei├čen N├Ąchte" und "Hochzeit in Jerusalem" legt nach. Mit dem intimen Reisebuch ├╝ber Stadt, Land, Fluss und Menschen wirft sie einen ironisch-liebevollen Blick auf Klischees



Ob Wodka ("In Russland ist es eine Frage der Ehre, welchen Wodka man trinkt") oder Datscha-Gurken ("Eine Datscha ist kein Wellnesshotel"), nicht zu vergessen Dill (" Dill passt zu allem, ist ein sehr gutes Gew├╝rz") oder die hei├čgeliebten Kartoschkas ("Es gibt nichts Besseres auf dieser Welt als Kartoschkas") oder schlie├člich Kaviar, so l├Ąsst sich ├╝ber kulinarische Gen├╝sse manch nationales Charakteristikum definieren. Besonders deutlich werden die kulturellen Unterschiede, wenn die Autorin mit Rosen und Herzen bestickte Hochzeitskleider beschreibt, die "man in Deutschland f├╝r eine Hochzeitstorte halten w├╝rde". Wenn dann noch der Umstand offenbar wird, dass "keiner der Brautleute ├Ąlter als 23 ist", wird schnell klar, wo wir uns befinden. Nicht in Deutschland, sondern in Russland, genauer: in Sankt Petersburg, neuerdings eines der most trendy Reiseziele Europas.

Der literarische Shooting-Star Lena Gorelik beschreibt in ihren fr├╝heren Romanen "Meine wei├čen N├Ąchte" und "Hochzeit in Jerusalem" plastisch, emotional und ├Ąu├čerst komisch ihre Erinnerungen an ihre russische Kindheit, wo Kartoffeln mit Hering zum Fr├╝hst├╝ck der Inbegriff von Gl├╝ck bedeutete, und sp├Ąter ihre Erfahrungen im deutschen Wohnheim, wo die hei├čersehnte Tiefk├╝hlpizza in Ermangelung eines Ofens auf dem Herd aufgew├Ąrmt wurde.

Mindestens zweimal im Jahr besucht Lena Gorelik ihre Geburtsstadt Sankt Petersburg, von den Einheimischen liebevoll "Piter" genannt, und nat├╝rlich ihre Verwandten. Den in "Verliebt in Sankt Petersburg" beschriebenen zweiw├Âchigen Trip macht sie jedoch nicht mit ihrem Freund Peter und auch nicht allein, sondern/denn dieses Mal nimmt sie ihren besten Freund Jost mit, was von Seiten der Verwandtschaft kritisch be├Ąugt wird.
Besonders eklatant zeigen sich die Unterschiede der Kulturen in den Familienstrukturen: Mit einer mehr als emotionalen, sehr russischen Familie, die mehrmals t├Ąglich besorgt auf dem eigens daf├╝r angeschafften russischen Handy anruft, um sich zu erkundigen, ob man auch genug gegessen habe, und bei der kulturellen Planung sowie der Taktung der Verwandtschaftsbesuche helfen will, ist eine turbulente Reise vorprogrammiert. Doch ohne sie und die russische Seele w├Ąre das Leben nur halb so sch├Ân.

AVIVA-Tipp: Gewohnt kurzweilig, trocken-humorvoll, authentisch, melancholisch, emotional, pr├Ązise, leicht und tief zugleich schreibt Lena Gorelik als Beobachterin unter BeobachterInnen. Sie ist mit ihrem ganzen Herzen sehr nah dran. Abgerundet wird dieses pers├Ânliche Reisebuch von hilfreichen Do┬┤s und Don┬┤ts f├╝r Sankt Petersburg, die durchaus als unentbehrliche Survival-Guidelines verstanden werden d├╝rfen. Lena Gorelik versteht es mehr als jede/r Andere, Klischees zu entlarven und gleichzeitig liebevoll mit ihnen zu spielen.

Zur Autorin: Lena Gorelik, geboren 1981 in Sankt Petersburg, kam 1992 zusammen mit ihrer russisch-j├╝dischen Familie als "Kontingentfl├╝chtling" nach Deutschland. Im Anschluss ihrer Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in M├╝nchen absolvierte sie den Elitestudiengang "Osteuropastudien". Ihr erster Roman Meine wei├čen N├Ąchte (erschienen im Herbst 2004) wurde vom Magazin b├╝cher als "der beste neue Roman ├╝ber Deutschland und [als ein] absolut hinrei├čendes Buch" gelobt und mit dem Bayerischen Kunstf├Ârderpreis 2005 in der Sparte Literatur ausgezeichnet. (Quelle: Verlagsinformation)

Lena Gorelik
Verliebt in Sankt Petersburg

Meine russische Reise
SchirmerGraf Verlag, erschienen M├Ąrz 2008
ISBN 978-3-86555-054-5
176 Seiten
Euro 17,80

Literatur Beitrag vom 25.03.2008 Sharon Adler 





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