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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 11.03.2008

May Chidiac - Ich werde nicht schweigen
Britta Leudolph

Die libanesische TV-Journalistin ist das erste weibliche Opfer eines gezielten Bombenanschlags in ihrer Heimat, vermutlich ver├╝bt vom syrischen Geheimdienst. Sie beschreibt ihren Kampf zur├╝ck...



... ins Leben und ins Fernsehstudio - f├╝r die Freiheit des Libanon.

May Chidiac ist im Libanon als kritische Anchorwoman der politischen Berichterstattung des Privatsenders Libanesische Broadcasting Corporation (LBC) allseits bekannt. Sie ist eine selbstbewusste, moderne Frau, die sich gern sch├Ân und farbenfroh kleidet. Gleichzeitig tr├Ągt sie als praktizierende Christin einen tiefen, unersch├╝tterlichen Glauben in sich.

Im Libanon herrschte seit 1975 ein B├╝rgerkrieg der bis 1989 andauerte. Selbst in den schrecklichsten Tagen dieses Krieges waren gezielte Attentate auf Frauen tabu. Nach Ende des B├╝rgerkrieges begann eine Zeit des wirtschaftlichen Wiederaufbaus, der Libanon stand jedoch weiterhin unter syrischer Besatzung. Nach einem t├Âdlichen Autobombenanschlag auf den ehemaligen libanesischen Ministerpr├Ąsidenten Rafiq al-Hariri im Februar 2005 wuchs der Druck auf Syrien, dessen politische F├╝hrung indirekt und direkt f├╝r diesen Anschlag verantwortlich gemacht wurde. Infolge der "Zedernrevolution" musste Syrien seine Truppen bis Ende April 2005 nach fast 30 Jahren Besatzung vollst├Ąndig aus dem Libanon abziehen.
May Chidiac hat nie verschwiegen, dass ein freier Libanon f├╝r sie gleichbedeutend mit einem Abzug aller syrischen Truppen ist.
Der Terror hat den Libanon weiterhin fest im Griff. Seit dem Mord an al-Hariri fielen insbesondere ChristInnen Attentaten zum Opfer, was die Vermutung nahe legt, dass gezielt eine Eskalation zwischen den religi├Âsen Gruppen des Landes forciert werden soll.

Trotz der unz├Ąhligen Attentate und Bombenangriffe f├╝hlt sich May relativ sicher in ihrer Heimat, sie hat sich an etwas gew├Âhnt, an das man sich kaum gew├Âhnen kann. "Stellen Sie sich vor, ein Granatenhagel geht auf Sie nieder, w├Ąhrend Sie sich in den Ruinen Ihrer ehemaligen Wohnh├Ąuser verstecken. Stellen Sie sich die Explosionen vor, die Ihre Fenster erzittern und die T├╝ren Ihrer Wohnung zersplittern lassen. Stellen Sie sich die Kugeln vor, die durch die Stra├čen pfeifen. Stellen Sie sich M├Ąnner vor, die mit dem R├╝cken an der Wand erschossen werden."

Sie wei├č, dass sie auf einer Schwarzen Liste steht, zu kritisch hat sie sich ├╝ber die Besatzungsmacht Syrien ge├Ąu├čert. Doch sie glaubt erst an die Gefahr, als es zu sp├Ąt ist: "Ich erkenne an der Explosion, die meinen Sch├Ądel schier zerrei├čt, dass man meinen Tod geplant hat. An den schwarzen Flocken, die auf mich herabsinken, an dem Funkenregen, der meinen K├Ârper verletzt, an der Lawine von gl├╝hendem Metall, die meine Haut zerfetzt."
Wie durch ein Wunder ├╝berlebt May Chidiac dieses Bombenattentat, doch der Preis, den sie zahlt, ist hoch. Erst nach und nach realisiert sie, was ihr angetan wurde: sie hat einen Arm und ein Bein verloren, zudem innere und ├Ąu├čere Verletzungen und Verbrennungen erlitten.

May Chidiac schildert ihren schweren Weg zur├╝ck ins Leben. Sie beschreibt ihre Ohnmacht, aber auch ihre Wut, die sie befl├╝gelt, weiter zu machen. Kraft gewinnt sie durch ihre Familie und Freunde, die, ganz der libanesischen Tradition folgend, nicht von ihrer Seite weichen, aber auch durch das libanesische Volk, das f├╝r sie auf die Stra├če geht.

Zur Autorin: May Chidiac wurde am 20. Juli 1966 in Beirut geboren. Nachdem am 25. September 2005 ein Bombenattentat auf sie ver├╝bt wurde, ging sie zur Behandlung ihrer schweren Verletzungen und zur Rehabilitation nach Frankreich. Kurz nach ihrer R├╝ckkehr in den Libanon am 12. Juli 2006 nahm sie ihre Arbeit als TV-Journalistin wieder auf. Chidiac erhielt 2006 den "Courage in Journalism Awards" der "International Women┬┤s Media Foundation" (IWMF) und den "Guillermo Cano World Press Freedom Prize" der Unesco f├╝r Pressefreiheit. 2007 wurde sie zum "Ritter der franz├Âsischen Ehrenlegion" ernannt.

Das ZDF-Magazin "aspekte" zeigte am 15. Februar 2008 den Beitrag "Ich bin noch da!", der neben aktuellen Informationen zum Libanon auch ein Interview mit May Chidiac enth├Ąlt.

AVIVA-Tipp: May Chidiacs Erinnerungen lassen europ├Ąische Alltagssorgen zur Banalit├Ąt schrumpfen. Ihr Schicksal ist tragisch, doch was sie daraus macht, ist bewundernswert: trotz ihrer schweren Verletzungen k├Ąmpft sie weiter f├╝r die Freiheit ihres Landes. In ihren Schilderungen stilisiert sie sich nicht zur Heldin, sondern bleibt immer ganz bei sich, schildert ihre schwachen ebenso wie ihre starken Momente. Sie verkn├╝pft geschickt ihre Geschichte mit der des Libanons und macht so die Menschen hinter den allt├Ąglichen Schlagzeilen von Gewalt und Terror sichtbar, gibt ihnen eine Stimme. May Chidiac verf├Ąllt nicht in ungez├╝gelten Patriotismus, sondern wirbt um Verst├Ąndnis f├╝r die Menschen des Libanon, die ihre Hoffnung auf Freiheit und Frieden nicht aufgeben wollen.

May Chidiac mit Amal Moghaizel
Ich werde nicht schweigen

Originaltitel: Le ciel m┬┤attendra
Aus dem Franz├Âsischen von Michael von Killisch-Horn
Blanvalet Verlag, erschienen Februar 2008
Gebunden, 256 Seiten
16,95 Euro
ISBN 978-3-7645-0280-5

(Quellen:
FAZ vom 27. September 2005: "Im Libanon hat der Krieg l├Ąngst begonnen" von Souad Mekhennet
zenith ÔÇô Zeitschrift f├╝r den Orient vom 22. November 2005: "Rote Linien" von Katharina N├Âtzold)

Literatur Beitrag vom 11.03.2008 Britta Leudolph 





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