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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 24.12.2011

Corinna Waffender - Sterben war gestern
Gabriele Kiebgis

Corinna Waffenders dritter Kriminalroman mit Hauptkommissarin Inge Nowak. Die Berliner Autorin lenkt ihre Figuren einmal mehr in Hochspannung an menschliche Abgr├╝nde und schafft mit ihrem gewohnt..



... schwarzen Humor den Dreh zum allt├Ąglichen Wahnsinn.

Hauptkommissarin Inge Nowaks dritter Fall f├╝hrt sie in eine psychosomatische Klinik an der Ostsee. Dort ermittelt sie auf Krankenschein und rettet ungeplant nicht nur ihr eigenes Leben: Schon der Titel h├Ąlt, was er verspricht: Es wird gemordet, entf├╝hrt und kaltbl├╝tig gekillt, einfach gestorben wird nicht.

Und so feinsinnig und stilsicher wie dieser Kriminalroman die Grenze zwischen Leben und Tod zieht, so sensibel beschreibt die Autorin das Innenleben von Opfer und T├ĄterIn. Als Leserin kommt man nicht umhin, Mitgef├╝hl mit den depressiven, ersch├Âpften und psychisch angeschlagenen PatientInnen der Ostseeklinik und ihren Sorgen, Schmerzen und Traumata zu entwickeln. Zu sehr erscheinen sie immer wieder auch in jenem brutal therapeutischen Licht, das sie zu verst├Ârenden Opfern kranker gesellschaftlicher Verh├Ąltnisse macht. Jede/r von uns k├Ânnte dort station├Ąr behandelt werden, denn Burnout, Schlaflosigkeit, Sportsucht, Essst├Ârungen, Panikattacken oder die Sp├Ątfolgen unterdr├╝ckter Gef├╝hle sind uns allen keine unbekannten Ph├Ąnomene.

Trotzdem wird nicht jede/r deshalb zum M├ÂrderIn, und hier liegt das Meisterhafte in der literarischen Komposition von Corinna Waffender: Nichts geschieht zuf├Ąllig, Schicksalswege werden von pers├Ânlichen Entscheidungen gepr├Ągt, und gute Menschen unterscheiden sich von vermeintlich weniger guten nur durch die F├Ąhigkeit, sich selbst Einhalt zu gebieten. Es sind ausgefeilte und minuti├Âs dargestellte Hintergr├╝nde, die einen Menschen bei Corinna Waffender zu dem machen, was er ist, kein Charakter wird blo├č als die Summe seiner Anteile dargestellt. Und so folgt die Leserin einem M├Ârder oder einer M├Ârderin aufmerksam in die grausame Logik seiner Taten und dem eigentlich f├╝r den Fall zust├Ąndigen Kommissar am├╝siert auf lustvolle Wege fernab des Tatorts.

Auf Inge Nowak, die traumatisierte Berliner Hauptkommissarin selbst, blickt mensch mit einer Mischung aus Verst├Ąndnis, Ungeduld, vor allem aber mit dem Wunsch, sie m├Âge endlich auf ihr Herz h├Âren. Zwischen Entf├╝hrung, Totschlag, Mord und Selbstmord schiebt sich leidenschaftlich ein Gef├╝hl: der unb├Ąndige Wille, dieses Leben in vollen Z├╝gen zu genie├čen. Das sollte man auch mit diesem Buch von Corinna Waffender tun, denn jenseits der spannenden kriminalistischen Handlung ist es ein literarischer Hochgenuss.

Zur Autorin: Corinna Waffender, 1964 geboren in Mainz, lebt nach mehrj├Ąhrigem Aufenthalt in Spanien heute in Berlin. Sie wurde mehrfach literarisch ausgezeichnet. Romane: Zwischen den Zeilen (2002), Schnitt (2005), Fl├╝chtig bleiben (2007), Laut gedacht (2008) sowie die beiden Kriminalromane Tod durch Erinnern (2009) und T├Âten ist ein Kinderspiel (2010). Herausgeberin verschiedener Anthologien, u.a. Kanzlerinnen schwindelfrei (2005), Angst (2007), Heimat (2010). Weitere Infos und Kontakt: www.textwaren.de

AVIVA-Tipp: Wer mehr als nur einen spannenden Krimi lesen m├Âchte, sondern sich einlassen will auf eine au├čergew├Âhnlich eindringliche Sprache, f├╝r den ist auch dieser Roman von Corinna Waffender genau das Richtige. Schn├Ârkellos und punktgenau, unerbittlich und dabei immer wieder au├čergew├Âhnlich poetisch ÔÇô f├╝r viele Krimileserinnen inzwischen eine der Top-Ten!

Corinna Waffender
Sterben war gestern
(Kriminalroman)
Querverlag, erschienen im September 2011
Taschenbuch, 268 Seiten
ISBN 9 793896 561909
12,90 Euro
www.querverlag.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"T├Âten ist ein Kinderspiel""Tod durch Erinnern", "Laut gedacht", "Sappho k├╝sst die Sterne" (2004), "Schnitt", "Minutenromane"(2005), "Hirnfick" in "Bisse und K├╝sse 4" (2006), "Fl├╝chtig bleiben", alle im Querverlag. Dar├╝ber hinaus hat Corinna Waffender die Anthologie "Kanzlerinnen, schwindelfrei" herausgegeben, erschienen 2005 im Transit Verlag.




Literatur Beitrag vom 24.12.2011 AVIVA-Redaktion 





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