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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 05.01.2008

Natascha W├╝rzbach ÔÇô Das gr├╝ne Sofa
Anna Tremper

"Die Geschichte einer Pers├Ânlichkeitsentwicklung und ein St├╝ck deutscher Zeitgeschichte" ÔÇô Natascha erz├Ąhlt von ihrer Kindheit w├Ąhrend der Kriegsjahre, von ihrer Familie und von ihrem gro├čen Traum



Eine Literaturdozentin schreibt einen autobiographischen Roman ÔÇô eine Theoretikerin wagt den Sprung in die Praxis. Nicht jede/r, der sich mit Literatur gut auskennt hat automatisch eine gute Schreibe. Im Gegenteil, h├Ąufig taugen die schreiberischen Talente der TheoretikerInnen eher f├╝r wissenschaftliche Abhandlungen, denn f├╝r Prosa. Sie sind zu durchdacht, zu durchstilisiert zu sehr an theoretischen Schablonen orientiert. Doch bei Natascha W├╝rzbach ist das Unterfangen gegl├╝ckt. Es ist ein gelungenes St├╝ck Literatur entstanden.

Natascha wird 1933 geboren ÔÇô im Jahr der Machtergreifung durch Hitler.
Ihre Kindheit ist von den ├ängsten gepr├Ągt, die der Krieg mit sich bringt.
Ihre Eltern sind K├╝nstler und etwas unkonventioneller als ihre Zeitgenossen. Als ihr Vater j├╝discher Herkunft Berufsverbot bekommt, hat er Zeit, sich mehr um seine Tochter zu k├╝mmern. Ihre Mutter ist T├Ąnzerin, viel auf Reisen und wird von Natascha schmerzlich vermisst.

Durch ihren Vater entdeckt Natascha auch ihre gro├če Leidenschaft, die sie schlie├člich ihr Leben lang begleiten soll ÔÇô die Literatur. Die Liebe zum Geschriebenen durchzieht das Buch wie ein roter Faden. Wenn sich auch sonst viel in ihrem Leben wandelt, die Literatur bleibt eine Konstante. Ebenso, wie das gr├╝ne Sofa, auf dem sie sich immer wieder zum Lesen niederl├Ąsst; als Kind mit ihrem Vater, sp├Ąter alleine.

Sie entwickelt sich mehr und mehr zu einer Einzelg├Ąngerin, die sich ihren eigenen Weg erk├Ąmpft. Ihre Familie flieht aufs bayerische Land und das Geld ist immer knapp. Natascha l├Ąsst sich davon nicht entmutigen und verfolgt beharrlich ihr Ziel.

Natascha W├╝rzbach erz├Ąhlt sehr anschaulich und ├╝berraschend detailliert von ihrem ersten Lebensdrittel. Durch die genauen Beschreibungen der Orte, der Personen, der Ereignisse wird die Erz├Ąhlung sehr bildhaft. Man hat das Gef├╝hl, die vergangene Zeit mit ihr zu durchleben und man tut es gerne. Auch wenn das Leben im bayerischen Idyll nicht immer das einfachste ist. Aber mit ihrer frechen Art meistert sie die Widrigkeiten. Besonders eindringlich geschildert sind auch die Passagen, in denen sie ihre Flucht in das Alleinsein, in die Natur schildert. Ein Freigeist, der sich seine Freiheiten nimmt.

"Das gr├╝ne Sofa" hat einfach Charakter und wer von Chemieformeln als "Sprache einer geheimnisvollen Dynamik in der Materie" spricht, wei├č einfach auch sprachlich zu begeistern. Eine interessante Wendung erf├Ąhrt das Buch im Nachtrag. Natascha W├╝rzbach erh├Ąlt Informationen ├╝ber ihren Vater, die ihn in einem v├Âllig neuen Licht erscheinen lassen und ihn zu einer ambivalenten Figur in Bezug auf den Nationalsozialismus machen. Zudem erf├Ąhrt sie so endlich, dass sie J├╝din ist.

Zur Autorin: Professor Dr. Natascha W├╝rzbach wurde 1933 in M├╝nchen geboren. Sie studierte Germanistik, Anglistik, Philosophie und Geschichte in M├╝nchen, Freiburg, Edinburgh und London. Bis zu ihrer Pensionierung war sie Professorin f├╝r englische Literatur an der Universit├Ąt K├Âln. 1987 begr├╝ndete sie das internationale Projekt "Datenbank zur Frauen und Geschlechterforschung".

AVIVA-Tipp: Eine spannende Reise durch das Leben einer literaturbegeisterten, wissbegierigen Einzelg├Ąngerin. Ein Buch, das ganz ohne die gro├če Romanze auskommt und schildert, wie das Leben trotz des Zweiten Weltkriegs weiterging und das Erlebte seine Spuren hinterlie├č.

Das gr├╝ne Sofa
Natascha W├╝rzbach
Deutscher Taschenbuch Verlag, erschienen November 2007
349 Seiten, Taschenbuch
ISBN: 978-3-423-21043-0
9,95 Euro

Literatur Beitrag vom 05.01.2008 AVIVA-Redaktion 





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