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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 28.03.2012

Dodo - Leben und Werk. Life and Work. 1907-1998. Herausgegeben von Renate Kr├╝mmer
Sharon Adler

Der Band sowie die Werkschau stellt erstmals das Oeuvre der unkonventionellen j├╝dischen Berliner K├╝nstlerin Dodo (1907ÔÇô1998), geborene D├Ârte Clara Wolff vor. Auch das wechselvolle Leben dieser ...



... ungew├Âhnlichen Frau wird von unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. W├Ąhrend sich die Sammlerin und Kunsth├Ąndlerin Renate Kr├╝mmer an Dodo ann├Ąhert, erinnert sich deren Tochter Anja Amsel an ihre Mutter und die K├╝nstlerin.

Sp├Ąt wiederentdeckt: Werk und Leben der K├╝nstlerin Dodo im Berlin der 1920er-Jahre

Die Berliner K├╝nstlerin Dodo (1907ÔÇô1998), eigentlich D├Ârte Clara Wolff, geriet nach ihrer erzwungenen Emigration nach London im Jahr 1936 wie so viele andere ExilantInnen nach dem Krieg zu Unrecht in Vergessenheit - eine Frau, die zwischen 1927 und 1930 im pulsierenden Berlin der Weimarer Zeit gro├če Erfolge als Illustratorin feierte. Dieser Erfolg war haupts├Ąchlich dem starken Willen Dodos, wie sie sich selbst von fr├╝hester Kindheit an nennen lie├č, zu verdanken. Nachdem sie zun├Ąchst dem Wunsch ihrer Eltern nachkam, und auf einer Schule f├╝r h├Âhere T├Âchter in Hauswirtschaft und Kochen unterrichtet wurde, konnte sie sich durchsetzen und eine Kunstschule besuchen.

Im Herbst 1923 begann sie ihre Kunstausbildung an der privaten Reimann Schule, die im Ruf stand, "ausschweifende Lebensformen" und individuelle Sichtweisen zu tolerieren. Im Herbst 1926 verlie├č Dodo die Schule und arbeitete unmittelbar im Anschluss als Freiberuflerin, verdiente ihr eigenes Geld und war somit unabh├Ąngig von ihren Eltern. Die K├╝nstlerin produzierte Illustrationen f├╝r Artikel von Polly Tieck und fertigte Modezeichnungen, Aquarelle und Goachen f├╝r das Berliner Tageblatt sowie Karikaturen f├╝r die Satirezeitschrift Ulk an. Der Einsatz verschiedenster Stilmittel ist ein Zeichen ihrer Vielseitigkeit, kann aber auch als Indiz daf├╝r gedeutet werden, dass sie noch auf der Suche nach ihrem eigenen Stil war ÔÇô den sie jedoch bald fand. Sie avancierte zu einer der Gefragtesten ihrer Zeit. Bald schon wurde sie um Kost├╝mentw├╝rfe f├╝r die damals noch unbekannte Marlene Dietrich und die S├Ąngerin und Diseuse Margo Lion angefragt. Nach der Premiere am 15. Mai 1928, und vor allem durch das Duett "Wenn die beste Freundin mit der besten Freundin" wurden diese beiden bekannt und Dodo erhielt danach "unendlich viele Tickets f├╝r Auff├╝hrungen am K├╝rf├╝rstendamm".

Durch die Freundin Polly Tieck, die als kritische Journalistin arbeitete und in einer Frauenbeziehung lebte, lernte Dodo ihren sp├Ąteren Ehemann, den j├╝dischen Rechtsanwalt und Notar Hans B├╝rgner kennen. Die Geburt der beiden gemeinsamen Kinder st├╝rzte Dodo in eine tiefe Depression, die sich in verschiedenen ihrer Werke manifestiert. Kommerziell hat sie in dieser Zeit nicht gearbeitet. Ein Umstand f├╝r das Ausbleiben von Auftr├Ągen war die Wirtschaftskrise, besonders aber nach 1933 die Tatsache, dass sie J├╝din war. Erst nach 1934 konnte sie wieder ver├Âffentlichen ÔÇô allerdings ausschlie├člich f├╝r j├╝dische Publikationen wie etwa die J├╝dische Rundschau, das Gemeindeblatt der J├╝dischen Gemeinde oder das Israelitische Familienblatt.

Einen Wendepunkt in ihrem pers├Ânlichen Leben stellte das Zusammentreffen mit dem charismatischen Carl Gustav Jung-Sch├╝ler Gerhard Adler dar, in den sie sich verliebte und ihm bald nach Z├╝rich folgte ÔÇô nachdem sie in der Zwischenzeit eine Beziehung mit der Reformp├Ądagogin und Schriftstellerin Tami Oelfken gelebt und eine Abtreibung durchgemacht hatte. In ihren Arbeiten "Dodo, Zwischen zwei M├Ąnnern", 1933, "Dodo, Ohne Titel (Liebe unter Frauen)", 1934, und "Madame w├╝nscht keine Kinder" aus dem Jahr 1933 stellt sie ihre innere Zerrissenheit aufs Deutlichste dar.

In Z├╝rich lie├č sich die K├╝nstlerin von Jungs engster Mitarbeiterin Toni Wolff analysieren und verarbeitete ihre Tr├Ąume in Bildern: "Ein Gespr├Ąch ist gut zu zweit, so nackt und scharf wie durchgeschnittnes Glas", so Dodo, die durch die Analyse zu der Serie der "unbewussten" Bilder" inspiriert wurde. Mal surreal, dann wieder im Stil der Neuen Sachlichkeit. Die Farbwahl ÔÇô changierend zwischen pastellig und kr├Ąftig ÔÇô verdeutlicht das Gef├╝hlschaos der Malerin.

Im Jahr 1936 emigrierte Dodo nach London, die Freundin Tami Oelfken half dabei, ihre beiden Kinder zu ihr zu bringen. Sie lie├č sich von B├╝rgner scheiden, den sie im Jahr 1945 zum zweiten Mal heiratete, da sie ihrerseits unter der M├ęnage ├á trois litt, denn Gerhard Adler unterhielt eine langj├Ąhrige Beziehung zu Hella, seiner sp├Ąteren Frau.
B├╝rgner war als Jude von dem allgemeinen Anwalts-Berufsverbot betroffen und ebenfalls nach London ausgewandert, er unterst├╝tzte von dort den j├╝dischen Kindertransport nach England. Dodo konnte k├╝nstlerisch im Exil nicht mehr an die Berliner Jahre ankn├╝pfen. Sie illustrierte Kinderb├╝cher, entwarf Gru├čkarten und Layouts f├╝r Kataloge, produzierte Gebrauchsgrafiken. Nach dem Krieg zeichnete sie haupts├Ąchlich Stillleben und Portraits, in den 1970er Jahren begann sie, eine gro├če Anzahl von Gobelins zu besticken.

AVIVA-Tipp: Dem Engagement der Sammlerin und Kunsth├Ąndlerin Renate Kr├╝mmer ist es zu verdanken, dass das in Vergessenheit geratene Werk von Dodo wiederentdeckt und nun in Buchform und im Rahmen von Ausstellungen einer ├ľffentlichkeit erstmalig zug├Ąnglich gemacht werden konnte. Die Faszination, die diese gro├če K├╝nstlerin und ihre zeichnerisches Werk bei den BetrachterInnen ausl├Âst, ist auch heute noch ungebrochen. Ihr von Br├╝chen gepr├Ągtes Leben spiegelt authentisch den Geist dieser Zeit wieder, die ebensoviele Talente hervorbrachte wie zerst├Ârte.

Die erste Werkschau ("Dodo (1907-1998) - ein Leben in Bildern") vom 1. M├Ąrz - 28. Mai 2012 in der Kunstbibliothek Berlin umfasste rund 120 Arbeiten aus allen Lebensphasen: mond├Ąne Modegrafik, Illustrationen f├╝r Ulk, die so genannten "unbewussten" Bilder ihrer privaten Turbulenzen w├Ąhrend einer 1933 in Z├╝rich durchlebten Psychoanalyse, Illustrationen f├╝r j├╝dische Zeitschriften sowie Arbeiten aus dem Londoner Exil.

Vom 22. Juni bis 9. September 2012 wurden die Werke von Dodo in der
Ben Uri Gallery, The London Jewish Museum of Art gezeigt.
www.benuri.org.uk

Dodo - Leben und Werk/Life and Work
1907-1998
Herausgegeben von Renate Kr├╝mmer

Texte von Anja Amsel, Margitta Giera, Renate Kr├╝mmer, Miriam-Esther Owesle, Adelheid Rasche
Hatje Cantz Verlag, erschienen 2012
Deutsch/Englisch
216 Seiten, 185 farbige Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag
24,90 x 30,70 cm
ISBN 978-3-7757-3274-1
Euro 39,80

Weitere Informationen finden Sie unter: www.hatjecantz.de


Weiterlesen:

Swantje Kuhfuss-Wickenheiser: Die Reimann-Schule in Berlin und London 1902-1943. Ein j├╝disches Unternehmen zur Kunst- und Designausbildung internationaler Pr├Ągung bis zur Vernichtung durch das Hitlerregime. Aachen 2009, ISBN 978-3-86858-475-2.

Renate Wall (Herausgeberin): Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen im Exil, 1995

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Juden in Berlin. Biografien", herausgegeben von Elke-Vera Kotowski


(Quellen: Hatje Cantz, AVIVA-Berlin)



Literatur Beitrag vom 28.03.2012 Sharon Adler 





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