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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 25.09.2012

Gabriele Goettle - Der Augenblick. Reisen durch den unbekannten Alltag
Dana Strohscheer

Hier sprechen Frauen f├╝r sich, nur f├╝r sich. ├ťber ihren Beruf, ihre Tr├Ąume, ihr Leben und ihre ├ťberzeugungen. Ohne Abw├Ągen und Zaudern. Sie berichten, was sie antreibt und wie sie die Welt sehen.



Ausgew├Ąhlt nach ihren unterschiedlichen Berufen und Berufungen zeigt dieser Band, wie interessant und schwierig das t├Ągliche Bestehen in der Arbeits- und Lebenswelt f├╝r Frauen in Deutschland sein kann. Und wie oft sich Berufliches und Privates nicht trennen lassen.

Da ist zum Beispiel Bettina Wassmann, Jahrgang 1942, die als "linke" Buchh├Ąndlerin der ersten Stunden die Hochzeit der Diskussionen um neue Lebens- und Gesellschaftsentw├╝rfe der 1968er Generation erlebte und mitgestaltete. Die Verlegerin und Inhaberin eines kleinen Buchladens in Bremen hat heutzutage genauso um das wirtschaftliche ├ťberleben zu k├Ąmpfen wie andere Gewerbetreibende. Doch sie zeigt im Gespr├Ąch, wie mit Erfindungsreichtum und Mut zu Neuem auch schwierige Zeiten gemeistert werden k├Ânnen.

In 26 Interviews folgt die Autorin und Journalistin Gabriele Goettle ihren Gespr├Ąchspartnerinnen in deren Entwicklung. Dies geschieht auf unaufdringliche Weise, wodurch die Schilderungen an Tiefe und Klarheit gewinnen. Zwischenfragen werden nur selten gestellt, vielmehr kommen die Frauen von allein ins Erz├Ąhlen. Ihnen wird die Zeit und der Raum gegeben, ihre Beweggr├╝nde f├╝r Entscheidungen darzulegen oder deutlich zu machen, wie sehr sie f├╝r eine Sache "brennen".

So auch die Philosophieprofessorin und Kulturwissenschaftlerin Anna Bergmann, die sich gegen die g├Ąngige Organspendepraxis wendet. Im Gespr├Ąch mit Goettle zeigt sie eher unbekannte Aspekte der g├Ąngigen Prozedur auf, berichtet von Depressionen, die bei den Empf├ĄngerInnen von Organen auftreten k├Ânnen und weist auf die ethischen Bedenken im Umgang mit der Diagnose "hirntot" hin. Verst├Ârend und aufr├╝ttelnd entsteht das Bild einer Frau, die allein gegen bestehende gesellschaftliche ├ťberzeugungen ank├Ąmpft.

Oder die Kioskfrau Ingrid Reinke, die seit ihrer Schulzeit im Kiosk des Vaters am Wittenbergplatz in Berlin aushalf. Das B├╝dchen sicherte sp├Ąter ihr und ihren Kindern die Existenz, und noch heute sitzt sie dort, versteckt hinter ihrer kleinen Luke und wei├č doch mehr ├╝ber das Leben drau├čen zu berichten, als die vielen Menschen, die jeden Tag an ihr vorbeihasten.

Goettle gelingt es immer wieder, zu vergessenen oder verdr├Ąngten Erinnerungen der Frauen vorzudringen. Dadurch zeigen die Interviews eine Bandbreite von Lebenserfahrungen auf und zeichnen gleichzeitig ein St├╝ck deutscher Nachkriegsgeschichte auf. Allesamt sind sie gestandene Frauen, die Kinder gro├č gezogen haben oder nicht, die verheiratet sind/waren oder nicht und die ihren eigenen Weg gehen, wenn auch manchmal notgedrungen. Ob Bestatterin oder Bienenforscherin ÔÇô sie haben ihren Platz im Leben gefunden. Auch die Zweiflerinnen und verzweifelten Frauen finden ihren Platz. Dadurch entsteht ein differenzierter Blick auf weibliche Lebensentw├╝rfe. Am Anfang jeden Kapitels sind im Telegrammstil die wichtigsten Lebensstationen der Gespr├Ąchspartnerinnen aufgelistet, bei unbekannten Themen folgt eine kurze Einf├╝hrung in das jeweilige Spezialgebiet.

Allerdings hat der Band ein Manko: J├╝ngere Frauen kommen ebenso wenig zu Wort wie Frauen mit anderen als mehrheitsdeutschen sozio-kulturellen Wurzeln. Schade, denn die Art, wie Goettle ihre Gespr├Ąchspartnerinnen zum Reden bringt, h├Ątte sicherlich einer gr├Â├čeren Bandbreite Frauen Bekenntnisse entlockt. So zeichnet das Buch zwar ein vielschichtiges Bild der Situation mancher Frauen in diesem Land, aber einige Gruppen fehlen dann eben doch. Vielleicht kommen diese im n├Ąchsten Buch der Autorin zu Wort. Spannend w├Ąre es allemal.

AVIVA-Tipp: Ein Buch ├╝ber einen unbekannten Alltag von Frauen in diesem Land, das die LeserInnen mitnimmt in ganz unterschiedliche Lebenswelten. Ungek├╝nstelt und zugleich empathisch f├╝hrt Gabriele G├Âttle im Gespr├Ąch ihre Gegen├╝ber zu dem, was f├╝r diese Frauen besonders ist und zeigt, wie sie sich behaupten. Wenn auch nicht alle Gruppen und weiblichen Lebensentw├╝rfe vertreten sind, so ist es trotz allem bereichernd und spannend, diese Frauen zu begleiten.

Zur Autorin:Gabriele Goettle Jahrgang 1946, studierte Bildhauerei, Literaturwissenschaft, Religionswissenschaft und Kunstgeschichte in Berlin. Seit den 1980er Jahren arbeitet sie als freie Journalistin und schreibt Reportagen ├╝ber den Alltag in Deutschland, vor allem f├╝r die TAZ. In der Reihe der Anderen Bibliothek erschienen u.a. folgende Sammelb├Ąnde: "Deutsche Sitten" (1993), "Deutsche Br├Ąuche" (1994) und "Die Experten" (2004). 1995 erhielt sie den Ben-Witter-Preis und 1999 den Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen. Gabriele Goettle lebt in Berlin und ist Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. (Quelle: Verlagsinformationen)

Reportage von Gabriele Goettle in der TAZ im Juni 2012: Arbeit f├╝r 0,00 Euro. Kostenlose Ressource Ehrenamt

Gabriele Goettle
Der Augenblick. Reisen durch den unbekannten Alltag

Verlag Antje Kunstmann, erschienen am 05. September 2012
Gebunden, 400 Seiten
ISBN 978-3-88897-781-7
22,95 Euro
www.kunstmann.de

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Literatur Beitrag vom 25.09.2012 Dana Strohscheer 





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