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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 26.10.2012

Helen Hodgman - Gleichbleibend Sch├Ân
Annika H├╝ttmann

Eine Kleinstadt in Tasmanien. Nachmittags treffen sich die M├╝tter der Gegend am Strand. Auch die Erz├Ąhlerin hat ein kleines Kind, doch sie bleibt zu Hause, langweilt sich, f├╝hlt sich gefangen in...



... ihrem monotonen Leben als Haus- und Ehefrau.

"Ich war am Meeresufer gestrandet wie das arme dumme Schildkr├Âtenweibchen, das ich einmal in einem Film gesehen hatte. Nachdem es unter gro├čen Qualen und M├╝hen einen Haufen Eier gelegt hatte, gab es keine Hoffnung mehr, dass es den Weg zur├╝ck ins Meer schaffte. Es w├╝rde vor Ersch├Âpfung sterben."

Helen Hodgman schildert in ihrem bereits 1976 erschienenen Roman eine Frau, die zwischen Flucht und Resignation schwankt. Ihre Ehe, das Resultat einer ungewollten Schwangerschaft, h├Ąlt sie an einem Ort fest, an dem es f├╝r sie nichts zu tun gibt. Ihr Mann ist nur selten da, meistens arbeitet er. Anders als die restlichen Frauen der Gegend weigert die Erz├Ąhlerin sich, ihre Tage mit sinnlosen Besch├Ąftigungen zu f├╝llen, die meiste Zeit verbringt sie mit Schlafen oder damit, ihre Nachbarin zu beobachten, die wie besessen ihren Rasen pflegt.

An zwei Tagen der Woche - Dienstags und Donnerstags - l├Ąsst die junge Erz├Ąhlerin ihren langweiligen Alltag jedoch kurz hinter sich und trifft sich mit dem Restaurantbesitzer Jonathan bzw. dem K├╝nstler Ben. Als diese beiden Aff├Ąren kurz hintereinander beendet werden m├╝ssen, fallen auch diese kleinen Lichtblicke weg. Zur├╝ck bleibt eine Frau, der inzwischen alles so egal ist, dass sie eine grausame Tat begeht.

Hodgman selbst heiratete mit 19 Jahren und brachte ein Jahr sp├Ąter ihre erste Tochter zur Welt. Da ihre FreundInnen keine Kinder hatten und ihr Ehemann durch seine Arbeit wenig zuhause war, bezeichnet sie diese Zeit als sehr einsam und isoliert. Auch wenn "Gleichbleibend Sch├Ân" kein autobiographischer Roman ist, verarbeitet die Autorin hier eigene Erlebnisse, wie sie in einem Interview mit The Sydney Morning Herald zugab. Dies k├Ânnte einer der Gr├╝nde sein, warum es Hodgman so gro├čartig gelingt, auf sehr subtile Weise ein beklemmendes Gef├╝hl der Ausweglosigkeit hervor zu rufen.

Doch dieser Roman ist nicht nur bedr├╝ckend. Er ist auch voller Humor und bedient sich einer ganz eigenen Sprache. Wie auch von der Protagonistin geht von ihr eine starke Faszination aus, sie ist kraftvoll und kann eineN jeden Moment ├╝berraschen. Die LeserIn findet sich in der merkw├╝rdigen Position wieder, einerseits auf Distanz gehalten zu werden, andererseits jedoch die Welt durch die Augen der Erz├Ąhlerin zu sehen und mit ihr in ein verwirrendes Nichts hinter einer sch├Ânen Fassade einzutauchen. Ein intensives Erlebnis!

AVIVA-Tipp: In Australien z├Ąhlen Hodgmans Werke zu den modernen Klassikern und werden dort gerade neu aufgelegt. "Gleichbleibend Sch├Ân" l├Ąsst keinen Zweifel daran, dass die Autorin ein besonderes Talent besitzt, Figuren zu schaffen, die gleichzeitig glaubw├╝rdig und befremdlich sind. Eigentlich Allt├Ągliches bekommt hier eine ungeahnte Tiefe und Vielschichtigkeit, die eineN bis zur letzten Seite fesselt.

Zur Autorin: Helen Hodgman, 1945 in Schottland geboren, zog als Jugendliche mit ihrer Familie nach Tasmanien - ein Schritt in eine andere Welt. 1976 ver├Âffentlichte sie ihren ersten Roman, "Gleichbleibend Sch├Ân", der von der Kritik begeistert aufgenommen wurde. Mit ihrem zweiten Roman gewann sie 1978 den Somerset Maugham Award, mit ihrem dritten den Christina Stead Prize. 1983 erkrankte Helen Hodgman an Morbus Parkinson, es wurde still um sie. Sie lebt heute, nach l├Ąngeren Aufenthalten in England und Kanada, wieder in Australien. (Verlagsinformationen)

Helen Hodgman
Gleichbleibend Sch├Ân

Originaltitel: Blue Skies
Originalverlag: Text Publishing Company PTY Ltd.
Aus dem Englischen von Anne Rademacher
KNAUS Verlag, erschienen im August 2012
Gebunden, 192 Seiten
978-3-8135-0472-9
17,99 Euro
www.randomhouse.de

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Literatur Beitrag vom 26.10.2012 Annika H├╝ttmann 





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