Mach Witze. Der J├╝dische Humor als Quelle der Toleranz - Elisabeth Jupiter - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA_gegen_AFD
AVIVA-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J├╝disches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 17.06.2013

Mach Witze. Der J├╝dische Humor als Quelle der Toleranz - Elisabeth Jupiter
Madeleine Jeschke

Die Wiener Psychotherapeutin versammelt in ihrem Buch nicht nur Witze, sie kommentiert und erg├Ąnzt diese mit pers├Ânlichen Erfahrungen und Anekdoten, aber auch der Psychologie des j├╝dischen Humors...



... geht sie auf den Grund, indem sie ihn auf seine psychologischen Funktionen und Bedeutungen analysiert.


Elisabeth Jupiter vertritt die These, dass "man Menschen am Lachen und vor allem daran, wor├╝ber sie lachen, schneller und besser analysieren kann, als in psychologischen Tests." Die ├Âsterreichisch-j├╝dische Psychologin und Therapeutin wendet Humor auch in ihren Sitzungen an, da "humorvolle Interventionen" PatientInnen helfen k├Ânnen, Therapien besser anzunehmen. Ihre Erkl├Ąrungen und Deutungen zum Thema j├╝discher Humor entstammen somit ihrer therapeutischen T├Ątigkeit, wobei sie sich in diesem Zusammenhang auch immer wieder auf Sigmund Freudbezieht, f├╝r den der Witz nach dem Traum der "zweite K├Ânigsweg zum Unterbewusstsein" war.

Der Patient erz├Ąhlt seinem Analytiker, was er letzte Nacht getr├Ąumt hat: "Ich sah meine Mutter, aber sie hatte nicht ihr eigenes Gesicht, sondern das Ihre. Ich konnte dann nicht mehr einschlafen, stand auf, trank eine Cola und lief zu Ihnen, um Ihre Deutung zu h├Âren."
Darauf der Analytiker "Cola, soll das ein Fr├╝hst├╝ck sein?"


In ihrem Vorwort schreibt Jupiter:"Der j├╝dische Witz ist voll von Weisheit, Psychologie des Alltags, Menschenkenntnis und Menschenliebe" All diese Eigenschaften vereint sie in den acht Kapiteln des Buches, die sich mit dem "J├╝dischen Leben und Sterben", "Der Religiosit├Ąt", "Der ehelichen Treue", aber auch mit Vorurteilen besch├Ąftigen. F├╝r sie pers├Ânlich hat der j├╝dische Humor, "der selbstkritisch alle Schw├Ąchen sowie St├Ąrken des J├╝dischen Volkes auf die Schaufel nimmt", einen gro├čen Anteil an ihrer eigenen Identit├Ąt und wird von ihr als wichtige soziale Kompetenz betrachtet.

Die von ihr ausgew├Ąhlten Witze spielen zum Teil in dieser typisch selbstironischen Weise mit Klischees und Vorurteilen, den eigenen und denen der anderen, indem sie diese ins L├Ącherliche ziehen und so deren Absurdit├Ąt vor Augen f├╝hren. Der Autorin zufolge f├╝hrt die F├Ąhigkeit ├╝ber sich selbst lachen zu k├Ânnen dazu, "seine eigene Verletzlichkeit und Schw├Ąchen zu akzeptieren und den unrealistischen Wunsch nach Perfektion fallen lassen." Ein Beispiel f├╝r Selbstironie stellt der folgender Ausspruch von Woody Allen dar:

Ich m├Âchte niemals einem Club angeh├Âren, der Leute wie mich aufnimmt

Zus├Ątzlich zu ihren Erkenntnissen aus der Psychologie f├╝hrt die Autorin pers├Ânliche Anekdoten an und bindet Zitate von Albert Einstein, Umberto Eco, Jean Paul, oder Salcia Landmann zum Thema Lachen und j├╝dischem Humor ein. Aber sie erz├Ąhlt auch vom Antisemitismus und Rassismus im heutigen ├ľsterreich oder von ihren Eltern, die das Konzentrationslager ├╝berlebt haben, und dennoch nie ihren Humor verloren haben - jedenfalls fast nie.

Lachen bringt eine kathartische Befreiung mit sich

Oft entsteht der j├╝dische Witz nach Ansicht der Psychotherapeutin aus der Situation der Verfolgung, und Humor werde als Ventil genutzt um ├ängste zu mindern und emotionalen Abstand zu gewinnen. Hier zeigt sich die "entlastende Funktion des Humors". Witze helfen dabei, sich von den Stress verursachenden Situationen zu distanzieren und neue Perspektiven zu erschlie├čen. Laut Jupiter kann das Durchbrechen "rigider Denkmuster" eine Kreativit├Ąt frei setzen, "die zu originellen L├Âsungen f├╝hrt."
Ihr Fazit: "Im analytischen Sinn haben es die Juden durch ihre Witze geschafft, sich selbst und ihren Neurosen gegen├╝ber Toleranz zu zeigen und erm├Âglichen damit sich selbst und dem Fremden das befreiende Lachen."

Neben Witzen befinden sich auch einige Fl├╝che im Buch, wie"Hundert Jahre sollst du werden, aber sofort! oder Du sollst tausend Fl├Âhe haben und keine Hand zum Kratzen!" Diese wurden besonders gern von Jupiters Mutter ausgerufen "deren B├Âsartigkeit nat├╝rlich ironisch gebrochen ist."
Am Ende des Buches werden in einem kurzen Glossar hebr├Ąische und jiddische Begriffe wie Goj, Schmattes oder Waih erkl├Ąrt, die f├╝r das Verst├Ąndnis mancher Witze hilfreich sind.

AVIVA-Tipp: Leben, lachen und die Liebe. "Aus den j├╝dischen Witzen kann man ├╝ber dieses Trio oft mehr lernen als aus einer ganzen Bibliothek", schreibt die Autorin. In der Tat, in ihrem leichten unterhaltsam geschriebenen B├╝chlein l├Ąsst sich, durch die psychologische Analyse j├╝discher Witze und den pers├Ânlichen Anekdoten, auch einiges ├╝ber die Funktionen von Humor erfahren - vor allem, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen.

Zur Autorin: Dr. Elisabeth Jupiter wurde 1949 in Wien geboren, studierte Psychologie an der Universit├Ąt Wien und promovierte 1987. Heute arbeitet sie als Psychotherapeutin, Systemische Familientherapeutin, Psychologin und Supervisorin in freier Praxis und h├Ąlt Vortr├Ąge und Seminare zum Thema Humor in der Psychotherapie, in der Wirtschaft und in der psychosozialen Arbeit. Seit 2006: Psychotherapien und Praktika mit StudentInnen an der Ambulanz der Sigmund-Freud-Privatuniversit├Ąt in Wien sowie Pers├Ânlichkeitsentwicklung f├╝r StudentInnen. Sie ver├Âffentlichte u.a. zwei Kinderb├╝cher im Picus Verlag (1995, 1996), 2010 erschien "No, warum nicht? Der j├╝dische Witz als Quelle der Lebenskunst" und 2012 der Erz├Ąhlband "Die Angst vor Jakob".
Mehr Informationen unter: www.besthelp.at
(Quelle: Picus Verlag, Homepage Elisabeth Jupiter)

Elisabeth Jupiter
Mach Witze!
Der j├╝dische Humor als Quelle der Toleranz

112 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Picus Verlag, erschienen 20. Februar 2013
ISBN 978-3-85452-696-4
16,90 Euro

E-Book (epub-Format)
ISBN 978-3-7117-5164-5
13,99 Euro
www.picus.at

Weiterlesen zum Thema j├╝discher Humor auf AVIVA-Berlin:

Dina Spiegel und Leonie Spiegel - Jetzt mal Tacheles

Alles auf Zucker. Ein humorvolles Meisterwerk von Dany Levy



Literatur Beitrag vom 17.06.2013 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken