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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 19.05.2014

Melitta Breznik - Der Sommer hat lange auf sich warten lassen
Helga Egetenmeier

Mit ihrem zweiten Roman begibt sich die √Ąrztin und Autorin auf eine fast hundert Jahre umspannende Familienreise. Die Ereignisse der √∂sterreichischen Revolution von 1934 in Kapfenberg, dem...



... Geburtsort von Melitta Breznik, sind eine pr√§gende Station f√ľr den vom kommunistischen Kind zum nationalsozialistischen Wehrmachtssoldaten gewandelten Mann Max, welche auch die Lebensl√§ufe seiner Frau und seiner Tochter bestimmen.

Mit der wohl durchdachten Flucht der 90j√§hrigen, im Rollstuhl sitzenden, Margarethe aus ihrem Pflegeheim in Basel, wird die LeserIn langsam in die Familiengeschichte eingef√ľhrt. Sie m√∂chte sich mit ihrer in London lebenden Tochter vers√∂hnen und hat sich deshalb in ihrem Geburtsort Bergen-Enkheim, den sie als junge Waise verlassen musste, mit ihr verabredet. W√§hrend der langen Fahrt im ICE l√§sst Margarethe ihr Leben Revue passieren.

"Es gibt vieles, wor√ľber ich mit ihr reden m√∂chte, ..."
"...bevor ich keinen Zugang zu ihren Geschichten und denen meines Vaters mehr habe, unwiederbringlich dann, wenn sie all das mit sich ins Grab nimmt."
Mit diesen Gedanken bereitet sich die als Modedesignerin erfolgreiche Tochter Lena auf ihr Zusammentreffen mit der Mutter vor. In √ľberwiegend inneren Monologen l√§sst Melitta Breznik ihre zwei Protagonistinnen ihr Leben vorstellen. Innerhalb der langen S√§tze wechseln Ort und Zeit und ziehen damit die LeserIn in die assoziativen Gedankeng√§nge der Beiden hinein.

W√§hrend sich die zwei Frauen langsam ihrem Treffpunkt n√§hern, reflektieren sie ihre Familiengeschichte, die sich um den schmerzvoll empfundenen Selbstmord von Max, dem Mann und Vater, dreht. Aus einem Schutzbed√ľrfnis gegen√ľber der jugendlichen Tochter heraus hatten die Eltern ihr nie die wahren Gr√ľnde der Trennung offenbart. Lena zog sich deshalb von der Mutter zur√ľck und stellt im fortgeschrittenen Alter nun irritiert √Ąhnlichkeiten mit ihr fest.

"Dieser Krieg, der ständig unter der intakt anmutenden Oberfläche zum Vorschein kam." beunruhigte den Arzt, der Max wegen seiner Depressionen in den 60er Jahren behandelte.
Dieser Krieg, den der Vater am eigenen K√∂rper schon √§ngstlich sp√ľrte, als er 1934 zusammen mit seinem Bruder als kommunistisches Schutzbundkind nach Moskau fliehen musste, da sein Gro√üvater von den Faschisten ermordet worden war . Dieser Krieg, den wir aus heutiger Sicht schon 1934 nahen sehen, als sich die Mutter mit qu√§lender Leichtigkeit von den Kinder verabschiedet.

Ein paar Jahre sp√§ter kommen die beiden Jungen zur√ľck nach Kapfenberg und gehen einige Zeit danach als Jugendliche mit den Nationalsozialisten in den Zweiten Weltkrieg. Max wird nach Griechenland versetzt, von der sch√∂nen Landschaft schw√§rmt er sp√§ter seiner Frau vor und verdr√§ngt seine traumatischen Erlebnisse . Als er zwei Jahre nach Kriegsende aus der englischen Gefangenschaft zur√ľck nach Wien kommt, lernt Margarethe ihn kennen und sie heiraten. Gl√ľckliche Jahre mit der gemeinsamen Tochter Lena folgen und erst durch einen Unfall wird der Vater tief in seine gut verdr√§ngten Kriegserlebnisse hinab gezogen.

Wie bereits in ihren drei Erz√§hlungen, sowie in ihrem Deb√ľtroman "Nordlicht", setzt sich die Autorin Melitta Breznik auch in ihrem neuen Roman mit dem Einfluss politischer Entwicklungen auf individuelle Lebenswege auseinander. Unaufdringlich, jedoch konsequent, stellt sie dabei weibliche Lebensentw√ľrfe und Frauengeschichten in den Mittelpunkt. Mit "Der Sommer hat lange auf sich warten lassen" nimmt sie dazu einen mehrere Generationen √ľbergreifenden Blick ein. Nur am Rande zur Sprache kommen dabei die bildungsb√ľrgerlichen und √∂konomisch abgesicherten Verh√§ltnisse der Hauptfiguren, die im unauff√§llig beschriebenen Patriarchat leben.

AVIVA-Tipp: Ernst und gleichzeitig liebevoll breitet die Autorin eine komplexe Familiengeschichte aus, die eng an ihren Protagonistinnen bleibt, mit gekonnt formulierten S√§tzen deren Gedankenspr√ľnge nachvollzieht und dadurch eine ged√§mpfte Lebhaftigkeit verbreitet. Der flott lesbare Roman dr√§ngt sich durch seine universell angelegten Beziehungsstrukturen in das Leben - darauf sollte die LeserIn gefasst sein.

Die Autorin: Melitta Breznik wurde 1961 in Kapfenberg (Steiermark) geboren. Sie studierte Medizin in Graz und Innsbruck und ist Fach√§rztin im Bereich Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Ihre Erfahrungen als √Ąrztin hat sie in ihren Erz√§hlungen und Romanen verarbeitet. Sie lebt in Basel und Z√ľrich.

Melitta Breznik
Der Sommer hat lange auf sich warten lassen

Luchterhand Literaturverlag, erschienen im September 2013
Gebundenes Hardcover mit Schutzumschlag, 251 Seiten
ISBN-13: 978-3630873985
19,99 Euro
www.randomhouse.de

Diesen Titel können Sie online bestellen bei FEMBooks

Weitere Infos unter:
Interview mit Melitta Breznik auf der Frankfurter Buchmesse 2013 www.3sat.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Melitta Breznik - Nordlicht



Literatur Beitrag vom 19.05.2014 Helga Egetenmeier 





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