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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 20.09.2014

Paula Fox - Die Zigarette und andere Stories
Teresa Lunz

Momentaufnahmen, teils autobiographisch, teils exemplarisch und aus dem Leben erdacht, bildet die 1923 in New York geborene Autorin in ihren Kurzgeschichten durch scharf gezeichnete Figuren ab.



Die Shortstorys, ErzĂ€hlungen und Essays, entstanden zwischen 1965 und 2010, spiegeln wieder, was die Autorin, Journalistin und Essayistin bewegte. Gezeigt werden die "Risse" und ihre möglichen Auswirkungen, die jede Existenz in sich trĂ€gt. Scheinbar verfolgt ihre Anordnung kein bestimmtes Ziel: Die/der LeserIn steigt ein mit der titelgebenden Story "Die Zigarette", in der Paula Fox erzĂ€hlt, wie sie zur Raucherin wurde: Der unkonventionelle Vater nötigte zum Rauchen in dem Glauben, er erspare es ihr so, es heimlich zu tun. Und sie schildert, wie sie es gut ein halbes Jahrhundert spĂ€ter, ebensowenig durch eine freie Willensentscheidung, wieder aufgab: Durch einen StraßenĂŒberfall in Jerusalem erlitt sie eine Hirnblutung, die eine Odyssee durch Kliniken und Pflegestationen nach sich zog. Erinnerungen, Bewegungs-, AusdrucksfĂ€higkeit kehrten schrittweise zurĂŒck, das Verlangen zu rauchen nicht.

Schnitt. Es folgt eine Geschichte, in der der Protagonist wĂ€hrend der Beerdigung seines Sohnes nicht weinen kann, weil er anscheinend die Grausamkeit der Welt zu gewöhnt ist, um noch ErschĂŒtterung zu empfinden. Erst als er mit seiner Tochter einen Zeichentrickfilm anschaut, bricht er zusammen, denn nun wird ihm die allgemeine Sinnentleerung bewusst. Schnitt. Gerald bricht die Korrespondenz mit einem alten Freund ab und verweigert ihm ein Wiedersehen. Kann er es nicht ertragen, den eigenen Werdegang in dem gespiegelt zu sehen, den der Bekannte aus diesem frĂŒheren Leben verkörpert? Schnitt. Eine Frauenstimme erzĂ€hlt ĂŒber ihre ungelebte Liebe zu einem alten Mann, dessen Haushalt sie fĂŒhrt. Obwohl ihr KĂŒstendorf, nunmehr von Ölteppichen umspĂŒlt, langsam dahinstirbt, ist sie unfĂ€hig, ihm in die Stadt zu folgen, wo die Zukunft wartete. Schnitt. Schließlich schwenkt Paula Fox wieder zur eigenen Erfahrung um. ErzĂ€hlt von ihrer unter Ă€rmlichsten VerhĂ€ltnissen zugebrachten Kindheit mit der Großmutter. Von ihrer Anstellung im Kinderheim. Von der Kraft der Worte. Vom Fehldenken hinter der Zensur. Von ihrem Schwager Clem, der bei aller SelbstgefĂ€lligkeit doch scharfes Urteilsvermögen besaß. Davon, wie jede/r sich darum bemĂŒhen sollte, glĂŒcklich zu leben und zu akzeptieren, was das völlige GlĂŒck stört, auch wenn es nicht immer ganz leicht fĂ€llt.

Sobald die Autorin davon abweicht, ĂŒber Selbsterlebtes zu berichten, wĂ€hlt sie ausschließlich mĂ€nnliche Protagonisten. Was tut Paula Fox in diesen Geschichten? Sie ermutigt die LeserInnen, Fragen zu der Situation, der Figur, letztlich dem eigenen Leben zu stellen, die im Alltag untergehen. Jede Geschichte könnte auch isoliert gelesen werden, gemeinsam sind ihnen die "Risse im Leben". Es bedarf sensibler BeobachterInnen, um sie einzufangen. Paula Fox gelingt dies meisterlich, bei verschiedenen Personen, in verschiedenen Lebenslagen, durch die Jahrzehnte hinweg. Sie konfrontiert uns in diesen 17 kurzen Texten, ErzĂ€hlungen oder autobiographischen Episoden, mit den verborgenen AbgrĂŒnden in jeder vermeintlichen Alltagsidylle. Unaufgeregt, frei von reißerischen Untertönen – selbst wenn von der seelischen Not der in Konzentrationslagern geborenen Kinder oder einem unter ihrem Fenster in Manhattan verĂŒbten Mordanschlag erzĂ€hlt wird - aber immer mit FeingefĂŒhl fĂŒr das Wesentliche.

Die Literaturkritikerin Bernadette Conrad gibt uns mit ihrem Nachwort einen wertvollen LeseschlĂŒssel in die Hand, der es ermöglicht, der LektĂŒre vertiefende Reflexionen zu Paula Fox selbst und der "Geschichte hinter den Geschichten" folgen zu lassen. Sie hebt auf die scheinbare ZufĂ€lligkeit ab, die der Konzeption dieses Bandes zugrunde liegt. "Sicher scheint allein die Magie der Geschichte selbst" und die "Leidenschaft der Suche", die der Autorin innewohnt, die nie eine Chance hatte, Glauben an absolute Sicherheit zu entwickeln.

Als Kind lernte Paula solche nie kennen. Als Erwachsene, als Autorin bleibt sie sensibel fĂŒr die Unsicherheit in allem Alltagsgeschehen, in jeder persönlichen Geschichte, in jedem kleinen Momenterlebnis. Sie kreidet nicht an, will keine Ängste schĂŒren. Doch sie sensibilisiert ihren LeserInnen und ermutigt, nach der tieferen Wahrheit in jedem Ereignis zu fragen. "Offenheit fĂŒr das UnertrĂ€gliche", mit Bernadette Conrads Worten gesprochen, wird eingefordert, keine Verzweiflung daran.

AVIVA-Tipp: Auf jeweils maximal 25 Seiten gelingt es Paula Fox immer wieder neu, ihre LeserInnen zu fesseln, mit ihnen zu kommunizieren und Überlegungen anzuregen.

Zur Autorin: Paula Fox wurde 1923 als Kind eines irisch-englischen Vaters und einer kubanischen Mutter in New York City geboren. SpĂ€ter war sie als Journalistin und Essayistin bei verschiedenen Zeitungen tĂ€tig, veröffentlichte sechs Romane, zuletzt "Lauras Schweigen", sowie zahlreiche KinderbĂŒcher, fĂŒr die sie mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis ausgezeichnet wurde. Paula Fox ist verheiratet, hat drei Kinder und mehrere EnkelInnen, darunter die SĂ€ngerin Courtney Love. Bei dtv erschienen von ihr auch: "Der Gott der AlptrĂ€ume", "In fremden Kleidern", "Der kĂ€lteste Winter", "Pech fĂŒr George", "Luisa" und "Was am Ende bleibt". (Verlagsinformationen)
Mehr Informationen zu Paula Fox unter: www.dtv.de


Paula Fox
Die Zigarette und andere Stories

Originaltitel: News from the World: Stories and Essays
Deutscher Taschenbuch Verlag, erschienen September 2014
Taschenbuch, 225 Seiten
ISBN 978-3-423-14340-0
Euro 9,90


Weiterlesen: "Zum 90. Geburtstag von Paula Fox" in der Frankfurter Allgemeinen vom 22.04.2013: www.faz.net

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Alice Munro - Liebes Leben. 14 ErzÀhlungen

Literatur Beitrag vom 20.09.2014 Teresa Lunz 





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