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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 27.08.2015

Else Lasker-Sch├╝ler - Denk dir ein Wunder aus. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Brigitte Landes
Angelina Boczek

Eine kleine Kostprobe vom Schaffen der Dichterin Else Lasker-Sch├╝ler, die exemplarisch zeigt, wie unvergleichlich sie Sprache "verdichtete". Es handelt sich bei dieser Anthologie um Texte, die...



... die Schauspielerin Angela Winkler an ihren Else-Lasker-Sch├╝ler-Abenden vorlas, Titel: "Ich bin die Else Lasker-Sch├╝ler ÔÇô leider."

Angela Winkler spielte in ihren jungen Jahren die Figur des Lieschen Puderbach in "Die Wupper", dem gro├čen Theaterst├╝ck der Lasker-Sch├╝ler und sp├Ąter auch die Dichterin selbst in dem inszenierten B├╝hnen-Portrait "Die Reise nach Jerusalem".

"┬┤Sie begleitet mich schon seit so vielen Jahren und ist immer wieder eine Entdeckung f├╝r mich┬┤, sagt Angela Winkler ├╝ber Else Lasker Sch├╝ler. ... Leider ├╝bersieht man zu oft ihren Humor, ihren Witz┬┤." In diesem B├Ąndchen wurde nicht gespart an witzigen Zitaten aus Briefen und Gedichten: "Hurrah, lieber Herwarth, liebes Kurtchen!!! Hurrah! / Meine Zwillingskusinen-Theresen, Therese Tiergarten, Therese Matth├Ąikirchplatz schenken mir zu Weihnachten einen Pelzmantel. Mein hei├čester Wunsch. Im Sommer werde ich ihn versetzen, schon der Hugemotten wegen."

Else Lasker-Sch├╝ler hat im wahren Leben Bekanntschaft schlie├čen m├╝ssen mit dem Leihhaus, da sie unter chronischer Geldnot litt, ihre Bittbriefe um Geldzuwendungen sind legend├Ąr und auch die Klagen gegen├╝ber ihren Verlegern wegen der Tantiemen.

"Man kannte sie. Sie geh├Ârte zur Avantgarde", schreibt die Herausgeberin Brigitte Landes im Nachwort. "Karl Kraus f├Ârderte und verehrte sie, auch Gottfried Benn, ... sch├Ątzte sie, sie war mit Peter Hille befreundet, mit dem Maler Franz Marc, mit Franz Werfel, Wieland Herzfelde, Johannes R. Becher und Ernst Toller".

In Wuppertal wurde sie als Elisabeth Sch├╝ler 1869 geboren, sie wuchs in einem j├╝disch-b├╝rgerlichen Elternhaus auf, heiratete 1894 den Arzt Jonathan Berthold Lasker, mit dem sie nach Berlin zog. 1903 heiratete sie erneut, den Schriftsteller Georg Lewin, von ihr umbenannt in Herwarth Walden. 1912 wurde auch diese Ehe geschieden. Im Jahre 1899 wurde ihr Sohn Paul geboren, unehelich, der im fr├╝hen Alter von 28 Jahren zum gro├čen Schmerz seiner Mutter starb.

Bereits in der ersten Berliner Zeit begann sie, Gedichte zu ver├Âffentlichen und 1901 ihr erstes Buch mit Gedichten, "Styx". Unerm├╝dlich "nahm sie die modernen Str├Âmungen der bildenden Kunst auf, war eine moderne K├╝nstlerin, die vor dem Experiment mit sich selbst nicht zur├╝ckschreckte." Dazu geh├Ârte eine damals bestaunte Kost├╝mierung, Else stilisierte sich durch Kleidung, die vergleichbar war mit sp├Ąteren Hippie-Outfits: Gl├Âckchen an den Sandalen, indische T├╝cher, Samtjacken, weite Umh├Ąnge, alles garniert mit vielen bunten Armreifen, Ketten und Fingerringen. So trat sie bei ihren Lesungen auf und im Caf├ę des Westens, DEM Treffpunkt der Berliner Boh├ęme.

Sie besch├Ąftigte sich mit Bildender Kunst, illustrierte ihre B├╝cher, schuf ein umfangreiches Werk an Bildern, die lange wenig beachtet blieben, ein gro├čer Teil ging verloren. Erst 2010 konnte das J├╝dische Museum Frankfurt am Main eine Ausstellung organisieren (die auch in Berlin gezeigt wurde), in der das bildk├╝nstlerische Werk zu sehen war und "die umfassende Bedeutung Else Lasker-Sch├╝lers f├╝r die klassische Moderne" sichtbar machte.

"Nachdem sie 1933 vor den Nationalsozialisten die Flucht in die Schweiz ergriffen hatte, musste sie bis zu ihrem Tod 1945 im Exil leben. ÔÇŽ Sie hatte den Boden unter den F├╝├čen verloren. Doch sie schrieb weiter, Prosa, Gedichte und viele Briefe und ihr letztes Theaterst├╝ck ┬┤Ichundich┬┤. Aber sie blieb die ┬┤Verscheuchte┬┤, wie eines ihrer sch├Ânsten Gedichte hei├čt. Sie starb 1945 in Jerusalem, in ihrem Hebr├Ąerland, von dem sie zutiefst entt├Ąuscht war."

Lasker-Sch├╝lers Exilgeschichte war besonders perfide, da sie mittellos und allein unterwegs war, die Schweizer Beh├Ârden sorgten, trotz der F├╝rsprache Schweizer B├╝rger_innen, f├╝r eine Ausweisung nach Pal├Ąstina. Als alleinstehende Frau, die zudem als kuriose Erscheinung galt, hatte sie es schwer, gleichgesinnte Freunde und Freundinnen an sich zu binden und musste in Jerusalem Kr├Ąnkung und Zur├╝ckweisung erleben. Ihr geliebtes Berlin war Teil der Welt geworden, die "verrohte".

AVIVA-Tipp: Da Else Lasker-Sch├╝lers "Anziehungskraft" nicht nachl├Ąsst, ist dieser kleine Band der Insel-B├╝cherei wie geschaffen f├╝r Entdecker_innen, die die j├╝dische Berliner Dichterin kennenlernen sollten. Auf dem Buchmarkt und im Antiquariatshandel lassen sich Werkausgaben erwerben, Gedichtb├Ąnde und der Katalog der Ausstellung "Die Bilder" erschienen im Suhrkamp Verlag. Es gab einige Biographien zu Else Lasker-Sch├╝ler, in denen ihr Leben ausf├╝hrlich nachgezeichnet wird.

Zur Herausgeberin: Brigitte Landes, geboren 1946 in Frankfurt/Main.
Von 1972 bis 94 Dramaturgin am Frankfurter TAT, Lektorin im Verlag der Autoren, Dramaturgin am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg sowie am Thalia Theater Hamburg, ab 1990 Chefdramaturgin. Seit 1994 Inszenierungen in Frankfurt am Main, am Staatstheater Kassel, am Berliner Ensemble, am Staatsschauspiel Dresden, am Theater der Stadt Heidelberg und am Nationaltheater Weimar. Seit 1994 freiberuflich t├Ątig als Autorin, ├ťbersetzerin und Dramaturgin. Seit 2001 freie Mitarbeiterin beim Suhrkamp Verlag.
Mehr Infos unter: www.verlagderautoren.de
(Quelle: Verlag der Autoren)

Else Lasker-Sch├╝ler: "Denk dir ein Wunder aus"
Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Brigitte Landes

Berlin 2014. Insel Verlag.
Insel-B├╝cherei Nr. 1394
78 Seiten. Gebundener Kartonband.
ISBN 978-3-458-19394-5
Euro 13,95
www.suhrkamp.de

Mehr Infos auch den Seiten der Else-Lasker-Sch├╝ler-Gesellschaft e.V., unter:

www.else-lasker-schueler-gesellschaft.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Else Lasker-Sch├╝ler - IchundIch

Else Lasker-Sch├╝ler - Mein blaues Klavier. Neue Gedichte

Else Lasker-Sch├╝ler - Ich tr├Ąume so leise von dir




Literatur Beitrag vom 27.08.2015 Angelina Boczek 





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