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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 04.09.2015

Amanda Vaill - Hotel Florida. Wahrheit, Liebe und Verrat im Spanischen B├╝rgerkrieg
Yvonne de Andr├ęs

Am 18. Juli 1936 hielt die Welt den Atem an. Der Milit├Ąrputsch in Spanien mobilisierte viele progressive Intellektuelle, die Spanische Republik zu unterst├╝tzen. Anhand von Briefen und Erinnerungen...



... erz├Ąhlt die mehrfach ausgezeichnete Autorin von " Wahrheit, Liebe und Verrat im Spanischen B├╝rgerkrieg".

Der Spanische B├╝rgerkrieg spielte eine gewichtige internationale Rolle. Er zeichnete die ideologischen Konfliktlinien Europas nach und brachte die kontinentale Machtkonstellation in Bewegung. Junge Menschen kamen nach Spanien, um mit Schreibmaschine, Kameras und Waffen f├╝r die Republik zu k├Ąmpfen. 40.000 Freiwillige schlossen sich den Internationalen Brigaden an. Die H├Ąlfte davon fiel im Kampf. F├╝r den Kriegsverlauf und die Existenz der Republik war die Haltung der anderen europ├Ąischen Staaten entscheidend. Italien und Deutschland unterst├╝tzten die faschistischen Putschisten. Frankreich und Gro├čbritannien entschieden sich f├╝r die Nichteinmischung. Die Sowjetunion half und lie├č sich dies mit den spanischen Goldreserven bezahlen.

1924 wurde in Madrid das Hotel Florida an der Plaza del Callao im mittleren Teil der Gran Via erbaut, ein Ort des n├Ąchtlichen Treibens und Flanierens. Es wurde der Treffpunkt vieler ausl├Ąndischer Korrespondent_innen und Franco-Gegner_innen. Wie in einem Bienenstock trafen Menschen verschiedener Nationalit├Ąten aufeinander. Amerikaner_innen, Engl├Ąnder_innen, Deutsche, Franz├Âs_innen, Pol_innen, Tschech_innen und viele andere. Intellektuelle, K├╝nstler_innen, Fotograf_innen, Journalist_innen und Lebensk├╝nstler_innen wohnten hier, die sich f├╝r den Spanischen B├╝rgerkrieg engagieren wollten oder auch nur einen Kitzel und ein Abenteuer suchten. Heute befindet sich an dem Ort eine Filiale des Warenhauses El Corte Ingl├ęs.

Amanda Vaill hat in ihrem Roman Zeugnisse, Briefe und Erinnerungen der Augenzeug_innen und Zeitgenoss_innen aus der Zeit des Spanischen B├╝rgerkrieges zu einem Tableau komponiert und mit entsprechenden Schaupl├Ątzen versehen. Ein Roman um Wahrheit, Liebe und Verrat auf einer spannenden Zeitleiste des Kriegsgeschehens. Im Mittelpunkt stehen sechs Personen, die drei Paare bilden. Die junge ehrgeizige Journalistin Martha Gellhorn, die mit Ernest Hemingway eine Aff├Ąre beginnt. Das Fotograf_innenpaar Gerda Taro und Robert Capa, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, der spanische Zensor Arturo Barea und seine Mitarbeiterin und sp├Ątere Frau, die ├Âsterreichische Journalistin und sozialdemokratische Aktivistin Ilsa Kulcsar. Drumherum bekannte und weniger bekannte Literat_innen und Journalist_innen wie Lillian Hellman, John Dos Passos, Joris Ivens, Virginia Cowles, Andr├ę Malraux, Gustav Regler, George Orwell, Kasja Rothmann und viele andere.

Im Juli 1936 traf Martha Gellhorn im Hotel Florida ein. Sie kam gerade aus New York und sollte mit Artikeln und Beitr├Ągen aus Europa den New Yorker beliefern. Martha Gellhorn war "das literarische M├Ądchen der Stunde. Sie war h├╝bsch, hatte eine gute Schulbildung und tolle Beziehungen (├ťbernachtung im Wei├čen Haus!, Dinner mit Colette!, Aufenthalte chez H.G. Wells!), und wie keine/r sonst in ihrem Kreis kannte sie sich au├čerordentlich gut mit der politischen Situation in Europa aus." F├╝r Ernest Hemingway, der aus Key West kommend auf der Suche nach einem neuen Stoff f├╝r einen Roman in Madrid war, ein Grund, sie zu umwerben.

Er war in den fr├╝hen 20er Jahren in Paris gewesen und hatte dort "In our time" ("In unserer Zeit") geschrieben. Amanda Vaill ├╝ber Hemingway: "[ÔÇŽ] gab es keinen unter den Autoren der Lost Generation, der innovativer, aufregender oder bewunderter gewesen w├Ąre als Hemingway." Er war ein geachteter Star in der Runde. Sein Ruhm steigerte sich 1926 mit dem Erscheinen von "Fiesta". F├╝r Martha Gellhorn, die sich stark zu ihm hingezogen f├╝hlte, dessen Aufmerksamkeiten ihr schmeichelten, war Hemingway der Macho, Mann der Tat und Macher. Er man├Âvrierte Boote durch Orkane, fischte Haifische mit der Maschinenpistole oder half den Internationalen Brigadisten finanziell.

Die Fotograf_innen Robert Capa und Gerda Taro hatten sich Pseudonyme zugelegt und so neue Identit├Ąten gew├Ąhlt, mit denen sie meinten, besser und einfacher Auftr├Ąge zu akquirieren. Sie entschlossen sich nach dem Putsch 1936, die politische und soziale Auseinandersetzung des Spanischen B├╝rgerkrieg auf der republikanischen Seite zu dokumentieren. Amanda Vaill schreibt ├╝ber Capa: "Die in jenem Fr├╝hjahr stattfindenden Streiks und die Demonstrationen der Volksfront boten mehr als genug Motive f├╝r die lebhaften, ergreifenden Bilder, die zum Markenzeichen des jungen Fotografen wurden." Sie erfanden den modernen Fotojournalismus und wurden wichtige Kriegsfotograf_innen, arbeiteten f├╝r verschiedene internationale Zeitungen. Gerda Taro trug ab jetzt einen Arbeiter-Overall und Schuhe mit Hanfsohlen (Alpargatas) und ihre Rolleiflex war immer dabei. "Mit dieser Kamera war sie in den Stra├čen unterwegs und hielt den Geist dieser revolution├Ąren Augenblicke in Bildern fest." Am 25. Juli 1937, w├Ąhrend eines Angriffs der deutschen "Legion Condor" der "Brunete-Front" bei Villanueva de la Ca├▒ada, wurde Gerda Taro von einem republikanischen Panzer ├╝berrollt und starb. Ihre Beerdigung in Paris wurde zu einer Demonstration gegen den Faschismus. "Mittlerweile", schreibt Vaill, "war Gerda zu einer Ikone geworden, zu einer Jeanne d┬┤Arc der Linken, einer antifaschistischen M├Ąrtyrin."

Das unbekanntere Paar ist der spanische Schriftsteller Arturo Barea,
er zensierte ab 1936 im Auftrag der Republik die Berichterstattung der ausl├Ąndischen Journalist_innen, und Ilse Kulcsar. Sie war Sozialdemokratin. Sie lebte, als sie vom Putsch 1936 in Spanien h├Ârte, bereits zwei Jahre im Untergrund. "Sie wusste", berichtet Vaill, "dass sie, wenn sie je wieder ├Âsterreichischen Boden betrat, festgenommen und wom├Âglich hingerichtet w├╝rde". So reiste sie von Br├╝nn ├╝ber Paris nach Madrid. Hier wurde sie Leiterin der Zensurstelle f├╝r die Auslandspresse. Im Verlauf des Krieges nahmen die Schwierigkeiten ausl├Ąndische Journalist_innen, die sich nicht zensieren lassen wollten, zu. Besonders jedoch die ideologischen Intrigen mit der Aristokratin, Kommunistin und Propagandachefin der spanischen Republik Constancia de la Mora y Maura, die ihnen das Leben zur H├Âlle machte. Sie war eine ├╝berzeugte, zum Kommunismus ├╝bergetretene Fanatikerin und hatte deswegen den agnostischen Sozialisten und die Sozialdemokratin, die nicht mit ihr kollaborieren wollten, schnell auf dem Kieker. "Die SIM, die neue, nach dem Vorbild der NKWD strukturierte Geheimpolizei, war auf Ilsa aufmerksam geworden und wollte sie wom├Âglich verh├Âren", so Vaill. Bespitzelung, ├ťberwachung und Denunziationen trieben beide 1938 ins Exil nach Frankreich.

AVIVA-Tipp: Das Hotel Florida ist der Schauplatz, an dem alle drei Paare verkehren. Ein laut summender Bienenkorb, in dem die intellektuellen Freund_innen der Spanischen Republik mit ihren unterschiedlichen Stimmen zu einem gro├čen Konzert ansetzen, wobei die Autorin verschiedene Erz├Ąhlstr├Ąnge, Personen und Themen verfolgt, die sie gut miteinander verwebt. Alle Beteiligten haben ├╝ber den Spanischen B├╝rgerkrieg in irgendeiner Form berichtet, doch diese Ebene bleibt eher im Zustand einer blassen Kulisse. Die vordergr├╝ndige zentrale Geschichte ist die der sechs Protagonist_innen. Hier geht es um Liebe, Leidenschaft und Intrige und nicht um Krieg und Politik. Dadurch hat die Autorin das Thema stark reduziert und auch die Tonlage ist etwas melodramatisch. Trotzdem ist das Buch unterhaltsam und lesenswert.

Zur Autorin: Amanda Vaill ist Harvardabsolventin, Autorin sowohl von Sachb├╝chern und Biografien als auch von Drehb├╝chern und Preistr├Ągerin vielfacher Auszeichnungen. Als Cheflektorin von Viking Press, f├╝r die sie von den 1970ern bis 1992 arbeitete, betreute sie AutorInnen wie Ingmar Bergmann, T.C. Boyle. Amanda Vaill lebt in New York City. (Quelle: Verlagsinformation)
Mehr Informationen unter: www.amandavaill.com


Amanda Vaill
Hotel Florida
Wahrheit, Liebe und Verrat im Spanischen B├╝rgerkrieg

Originaltitel: Hotel Florida. Truth, Love and Death in the Spanish Civil War
├ťbersetzt von Susanne Held
Klett Cotta, 1. Aufl. erschienen Mai 2015
Hardcover, Gebunden, 512 Seiten, mit 16 Seiten Tafelteil (s/w)
ISBN 978-3-608-94915-5
24,95 Euro
www.klett-cotta.de


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Literatur Beitrag vom 04.09.2015 Yvonne de Andr├ęs 





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