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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 04.11.2015

Dragana Oberst - Jenseits der weissen Linie
Kristina Tencic

Bescheidene 100 Seiten braucht die in Südjugoslawien aufgewachsene Debutautorin zur Niederschrift ihrer Kindheitserinnerungen, doch für eine starke, eindringlich erzählte Geschichte bedarf es auch nur einiger weniger treffender Worte, deren Gebrauch sie vielleicht bei ihrer Großmutter erlernt hat.



Abends am Feuer lauscht Jana den Heldensagen ihrer Großmutter Dara, nachdem das Mädchen den Tag über fleißig und gewissenhaft in der Schule gelernt hat und der Bäuerin Dara so gut es ging mit der Arbeit um das Haus und dem paar Hektar Land behilflich war. Es gibt keinen Strom in diesem südjugoslawischen Bergdorf und das einzige, für das man Geld braucht, sind die Steuern, die einmal im Jahr eingetrieben, und die immer nur knapp durch den Verkauf von Vieh bewerkstelligt werden. Es ist ein einfaches Leben, das Jana mit ihrer Großmutter teilt, seitdem sich ihre Mutter aufgemacht hat, um in Deutschland als Küchenhilfe zu arbeiten und der Vater von einem Tag auf den anderen verschwunden ist.

Deutschland, das kennt Jana nur als fernes böses Land aus den Kriegerzählungen. Vier Jahre bereits hat Jana nichts von ihrer Mutter gehört, als sie einen Brief erhält, in dem ihre Mutter sie zu sich ruft. Der Abschied der 11-Jährigen von Dara fällt schwer, wobei sie gleichzeitig froh ist, endlich eine Bestätigung erhalten zu haben, dass ihre Mutter sie nicht vergessen hat. Doch nachdem sie endlich in dem berüchtigten Land angekommen ist, schicken die Behörden sie nach drei Wochen wieder zurück, da sie einen Schulabschluss für einen Aufenthaltstitel verlangen. Jana begibt sich wieder in Oma Daras Obhut, aber mit den neuen Kleidern und Eindrücken aus Deutschland wird sie nun in dem Dorf am Toplica-Fluss als Fremde gesehen.

"Wer schreiben will muss fühlen wollen" - genau das tut Dragana Oberst in ihrem autobiografischen Debutroman, mit dessen Texten sie bereits 1995 zu schreiben begann. Sie sah das Dokumentieren ihrer Kindheitserinnerungen damals eher als therapeutische Maßnahme, denn als Buchprojekt, was den Text erstaunlicherweise nicht versonnen und schwer verständlich macht. Er schildert unprätentiös, leise und unaufgeregt, was sich aus der Sicht des Kindes, mit den überlegten Worten der erwachsenen Dragana Oberst, zugetragen hat.

Nennenswert ist auch, dass es vor allem Frauen sind, die ihr Leben beeinflussten und in die Bahnen lenkten, die nun das gute Leben für Dragana Oberst darstellen. Wie sie in Interviews geäußert hat, befragt sie auch heutzutage im Geiste ihre Großmutter und ihre einflussreichen Lehrerinnen, wenn es um schwierige Entscheidungen und knifflige Lebenssituationen geht.

AVIVA-Tipp: Dragana Oberst lässt uns in eine Lebenswelt eintauchen, die weit entfernt scheint. Ohne Strom und mit körperlich schwerer Arbeit wurde die Zeit mit Oma Dara der Anker ihres Lebens, den sie dem/der LeserIn mit ihrer eindringlichen und doch leichten Sprache mit auf den Weg gibt. Trotz beschwerlicher Zeiten lässt sie dabei die Lebensfreude durchklingen, die sie scheinbar unterwegs, zwischen ihren sehr gegensätzlichen Heimatländern, eingesammelt hat. Das Vermitteln zwischen diesen beiden Welten und der Versuch, zwei Denkweisen einander nahe zu bringen, treibt Dragana Oberst hoffentlich zu weiteren literarischen Unterfangen.

Zur Autorin: Dragana Oberst wurde 1955 geboren und wuchs bis zu ihrem fünfzehnten Lebensjahr im Süden Jugoslawiens, im heutigen Südwesten Serbiens, bei ihrer Großmutter auf. Seit 1970 lebt sie in Deutschland und absolvierte eine Fremdsprachenausbildung und ein BBA-Studium. Oberst arbeitet als freie Schriftstellerin und Übersetzerin, u. a. in den Bereichen Literatur, Theater, Medien, Politik und Recht. Während des Jugoslawienkrieges dolmetschte sie viele Dokumentarfilme und hatte beruflich viel in beiden Staaten, im ehemaligen Jugoslawien als auch in Deutschland, zu tun.
Ein Gespräch mit der Autorin im SWR2 ist online unter: www.swr.de

Dragana Oberst
Jenseits der weissen Linie

A1 Verlag, erschienen 2015
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 112 Seiten
ISBN: 978-3-940666-53-6
16,80 Euro
www.a1-verlag.de

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Literatur Beitrag vom 04.11.2015 Kristina Tencic 





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