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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 29.11.2008

Alina Bronsky - Scherbenpark
Sharon Adler

Der Debutroman der unter einem Pseudonym schreibenden russischen Autorin erzählt die atemlose Geschichte der siebzehnjährigen Sascha Naimann, deren Mutter Opfer eines Verbrechens wurde, ihrer ...



... ersten Liebe, von Trauer und Verlust, vom Rapper Eminem, der Bedeutung von Familie, aber vor allem von Trotz, √úberlebenswillen und dem unbedingten Wunsch nach Rache.

Schnörkellos und glasklar lässt die Autorin ihre Protagonistin berichten, was sich zugetragen hat an diesem verhängnisvollen Nachmittag, als der Vater zuerst die Mutter vor den Augen der drei Kinder, dann ihren neuen Freund erschossen hatte.
Vadim umzubringen und ein Buch √ľber ihre Mutter zu schreiben ist von diesem Zeitpunkt an erkl√§rtes Ziel von Sascha, deren j√ľngere Geschwister Alissa und Anton den Tod der Mutter unterschiedlich gut verarbeiten. R√ľckblickend, ihre Kindheit, die verkorkste und von Gewalt durch den Vater Vadim gekennzeichnete Ehe sowie das Leben der Mutter analysierend, lebt Sascha ihr Leben weiter. Sie geht zur Schule, in das katholische Elite-Gymnasium, das Sascha wegen ihrer Hochbegabung und ihrer Ausnahmesituation angenommen hat, und versucht, das Leben zu meistern.

Dreh- und Angelpunkt ist das "Solitär", das Hochhaus-Ghetto, in dem die AußenseiterInnen der Gesellschaft zuhause sind - MigrantInnen, AlkoholikerInnen, Behinderte. Der angrenzende Scherbenpark wird zum Symbol von Saschas Leiden, denn hier herrschen ganz eigene Regeln, die sie annektiert, umbiegt, sich bewusst zur Zielscheibe macht und mit blindem Aktionismus bricht. Nebenbei schildert Sascha ihre Erfahrungen mit den Parallelwelten in Deutschland und lässt ungeschönt diesen speziellen Mikrokosmos aus dem elften Stockwerk und seiner Nachbarschaft lebendig werden.

Haupts√§chlich aber tritt Sascha in den inneren Dialog mit der toten Mutter, der lebensfrohen, naiven und warmherzigen Kunstwissenschaftlerin und Schauspielerin. Das Gef√ľhl um die vermeintliche Mitschuld an ihrem Tod, den die Halbw√ľchsige nicht verhindern konnte, qu√§lt die 17-J√§hrige. Erst Maria, die Cousine zweiten Grades, die mit Mitte drei√üig aussieht wie f√ľnfzig und ihr Leben in der Kantine von Nowosibirsk gegen die liebevolle F√ľrsorge der verwaisten und verst√∂rten Kinder eingetauscht hat, kann wieder einen Hauch von Normalit√§t in die zerst√∂rte Familienstruktur bringen. Doch auch sie hat ihre eigenen Probleme, Sehns√ľchte und Eigenarten.

Gl√ľckliche Menschen ohne Probleme - das ist es, was Sascha sich w√ľnscht und sich vorstellt, wenn sie die vermeintlich heile Welt der anderen kennen lernt. In ihrer Recherchearbeit um den Tod der Mutter verstrickt Sascha sich in eine Dreiecksgeschichte mit dem Journalisten Volker Trebur und Felix, dessen 16-j√§hrigem Sohn, der an einer chronischen und √§u√üerst seltenen Lungenkrankheit leidet. Erneut muss Sascha erkennen, dass sie nirgendwo zuhause ist und dass Gewalt wieder Gewalt erzeugt.

Beinahe ebenso spannend wie das Buch selbst ist die Entdeckung der "Alina Bronsky". Die noch v√∂llig unbekannte Autorin bot in einer E-Mail einem Lektor ihr Manuskript an, der lie√ü es sich schicken, las es in einem Zug und machte eine Woche sp√§ter ein Vertragsangebot. Alina Bronsky hat den Verlag mit ihrem Deb√ľt im Sturm erobert. Ihr unverlangtes Manuskript wurde sogleich zum Spitzentitel.

Zur Autorin: Alina Bronsky wurde 1978 in der russischen Industriestadt Jekaterinburg/Russland als Tochter eines Physikers und einer Astronomin geboren.
Sie verbrachte ihre Kindheit auf der asiatischen Seite des Ural-Gebirges und ihre Jugend in Marburg und Darmstadt. Nach abgebrochenem Medizinstudium arbeitete sie als Texterin in einer Werbeagentur und als Redakteurin bei einer Tageszeitung. Sie lebt in Frankfurt und telefoniert bis heute fast t√§glich mit ihren Gro√üeltern in Sibirien. "Scherbenpark" ist ihre erste literarische Ver√∂ffentlichung. Alina Bronsky wurde f√ľr den Ingeborg-Bachmann-Preis 2008 vorgeschlagen. Sie schreibt derzeit an ihrem zweiten Roman.
Dass Alina Bronsky nur ein K√ľnstlername ist, erfuhr das Filmteam von Deutsche Welle TV, als sie mit der Autorin ein Interview f√ľr die Sendung "Kultur 21" machte. Ihren wahren Namen verrat die Autorin allerdings nicht. Sehen Sie Alina Bronsky im Filmportr√§t von Deutsche Welle-TV unter: www.kiwi-verlag.de. Weitere Infos und Kontakt zur Autorin unter: www.scherbenpark.de

AVIVA-Tipp: Die glasklare und schn√∂rkellose Sprache der Alina Bronsky macht √§u√üerst neugierig auf alles, das diese Autorin zuk√ľnftig noch ver√∂ffentlichen wird. Mit einer Weltsicht, die f√ľr eine Siebzehnj√§hrige eher ungew√∂hnlich ist, offenbart die Protagonistin durch eine perfekt dosierte Mischung aus Humor und Tragik das ganze Ausma√ü der Trag√∂die. "Scherbenpark" ist eine literarische Entdeckung der Extraklasse.

Alina Bronsky
Scherbenpark

Kiepenheuer & Witsch, erschienen August 2008
Gebunden, 286 Seiten
ISBN: 3462040308
EAN: 9783462040302
16,95 Euro

Das Hörbuch:
Alina Bronsky
Scherbenpark

322 Min. Lesung.
Laufzeit ca. 322 Minuten.
Vorgelesen von Katharina Sch√ľttler
Argon Verlag, erschienen August 2008
ISBN: 3866105606
EAN: 9783866105607
19,95 Euro

Literatur Beitrag vom 29.11.2008 Sharon Adler 





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