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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 20.03.2009

Oliver Polak - Ich darf das, ich bin Jude
Iella Peter

Mit seinem selbstironischen Erstlingswerk tritt Oliver Polak dem Einen oder Anderen kr├Ąftig auf die F├╝├če und macht auch sonst vor keinem j├╝disch-deutschen, j├╝disch-christlichen ... Tabu halt.



H├Ąlt man das Buch in den H├Ąnden, k├Ânnte man f├Ąlschlicherweise davon ausgehen eine ganz normale Autobiographie eines jungen, j├╝dischen Mannes aus dem St├Ądtchen Papenburg im Emsland vor sich zu haben. Vielleicht kurz durch den Titel irritiert und doch nicht ann├Ąhernd vorbereitet auf das, was einen tats├Ąchlich erwartet: "Ich bin Oliver Polak... und ich bin Jude. Sie m├╝ssen trotzdem nur am├╝siert sein, wenn es Ihnen wirklich gef├Ąllt."

Als Oliver Polak zum ersten Mal das Wort "Juden-Deportation" h├Ârt, fallen ihm spontan die w├Âchentlichen Autofahrten, gefangen in der elterlichen S-Klasse, zur Osnabr├╝cker Synagoge ein. Die oder der politisch korrekte LeserIn stellt sich jetzt nat├╝rlich die Frage: Selbstironisch ├╝ber das eigene j├╝dische Leben zu schreiben ist das Eine, aber den Holocaust gleich mit durch den Kakao ziehen? Polak gelingt es mit seinem Buch, wahrscheinlich jedem, ob j├╝disch oder nicht, einen Aufschrei der Emp├Ârung schon ab der ersten Seite zu entlocken. Um die von allen Seiten lang gepflegten Tabus schert er sich nicht. Er beschreibt sein Leben und dabei ist ihm nichts Komisches fremd. Auch die gro├čen T├╝cken des Alltags mit der typisch j├╝dischen Mutter werden vorz├╝glich zu Papier gebracht. Tr├Ągt man den roten Pullover fragt die Mutter direkt, ob der gr├╝ne nicht gef├Ąllt. Polak bringt es auf den Punkt "Bindung durch Schuldbewusstsein" und jede/r, der ebenfalls solch ein Exemplar Mutter sein Eigen nennt, wird ihn im Stillen f├╝r diese endlich ausgesprochene Wahrheit umarmen wollen.

Das Allt├Ągliche ist in seinem Buch Thema. Von der Schulzeit als einziger Jude weit und breit im nieders├Ąchsischen Nichts ├╝ber seine drei Jahre auf einem orthodoxen englischen College und der Entdeckung einer neuen Spezies: Dem j├╝dischen M├Ądchen! Oliver Polaks Geschichte endet vorerst mit seinem jetzigen Leben als Comedian in Berlin.

Zu den Autoren: Oliver Polak, geboren in Papenburg im Emsland, war Moderator (VIVA, RTL), Schauspieler (u.a. Bernds Hexe, Zack) und Schlagzeuger der Band Sternzeit. Er lebt als Stand-up-Comedian in Berlin. Weitere Infos und Kontakt: oliverpolak.com

Jens Oliver Haas, geboren in Frankfurt am Main, arbeitet als Drehbuch-, Fernseh- und Buchautor. Er schrieb u.a. f├╝r RTL Samstag Nacht, den Deutschen Comedypreis, Let┬┤s Dance und Ich bin ein Star, holt mich hier raus. Von ihm erschien "101 Gr├╝nde, ohne Frauen zu leben". Jens Oliver Haas lebt bei M├╝nchen.

AVIVA-Tipp: "Ich darf das, ich bin Jude" ist eine wunderbare Sammlung aus den, wohlgemerkt ziemlich vielen, Highlights des drei├čigj├Ąhrigen Lebens des Autors. So etwas gelingt oft genug nicht, Oliver Polak ist es gelungen. Sein Buch wird jede/n k├Âstlich unterhalten, der sich auf seinen bei├čenden Humor einl├Ąsst und sich ├╝ber S├Ątze wie "Ich vergesse die Sache mit dem Holocaust ÔÇô und Sie verzeihen uns Michel Friedman" am├╝sieren wird.


Oliver Polak, Jens Oliver Haas
Ich darf das, ich bin Jude

ISBN: 978-3-462-04050-0
Kiepenheuer & Witsch, erschienen 22. September 2008
192 Seiten, Taschenbuch
KiWi 1070
Euro 8,95


Literatur Beitrag vom 20.03.2009 AVIVA-Redaktion 





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