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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 26.03.2009

Andrea Busfield - Mauertänzer
Jana Muschick

Der junge Afghane Fawad erz√§hlt vom Tod seines Vaters, vom Regime der Taliban und seinen britischen FreundInnen. Autorin Busfield, ein neuer Geheimtipp. Wundervoll am√ľsant und melancholisch erz√§hlt.



Vertriebene Taliban bis heute präsent

Der Roman "Mauert√§nzer" spielt im Jahr 2005 in Afghanistans Hauptstadt Kabul. Die Taliban sind nicht mehr die tyrannischen Herrscher des Landes, doch ihr blutiges Regime wirft weiterhin lange Schatten √ľber die Bev√∂lkerung. Protagonist des Romans ist der elfj√§hrige Fawad, ein Junge, dessen Vater und Bruder durch die Hand der Taliban umgekommen sind und der sein Leben zwischen Schule, Allah und dem Besch√ľtzen seiner Mutter eingerichtet hat.

Kulturschock auf Afghanisch

Als seine Mutter eine neue Stelle im Haus der Engl√§nderin Georgie annimmt, ger√§t Fawads Weltbild geh√∂rig ins Wanken. In einer Art Kulturschock muss er begreifen, dass Frauen auch Frauen lieben k√∂nnen, dass Engl√§nderInnen manchmal mit freiem Oberk√∂rper arbeiten und dass es Menschen gibt, die gar keinen Gott haben ‚Äď obwohl sie Weihnachten feiern. Georgie wird schnell zu seiner engsten Verb√ľndeten doch die Freundschaft der beiden muss eine harte Probe bestehen, als Fawad herausfindet, dass die Engl√§nderin mit einem m√§chtigen Paschtunen ein Liebesverh√§ltnis hat, das nicht auf eine Ehe hinaus laufen soll.

Ehrlicher Einblick in traurige Zeiten

Durch die stete Darstellung der Innenperspektive des Jungen Fawad erhält die LeserIn einen wunderbar kindlich-naiven Einblick in das Leben Afghanistans. Durch Fawad wird das Verhältnis der AfghanInnen zu Gott, ihr Umgang miteinander sowie der Stolz vieler MuslimInnen dargestellt, die in Zeiten von Terror und Angst zusammenhalten.

Die Stra√üen Kabuls, besonders die Chicken Street mit ihren vielen TouristInnen, sind chaotisch-aufregend und gef√§hrlich zugleich, da niemand vor pl√∂tzlichen Selbstmordattent√§terInnen oder explodierenden alten Maschinen gefeit ist. Durch die Vermischung der Kulturen erlangt Fawads Herz gro√üe Offenheit. Der kleine Afghane, der schon mit elf Jahren erstaunlich viel Weitblick bewiesen hatte, res√ľmiert nach seinem zw√∂lften Geburtstag:

Wenn man einem Jungen ein Fahrrad schenkt, wird er gl√ľcklich sein, egal, ob er Muslim, Christ oder Jude ist. Und wenn man jemanden wirklich gern hat, spielt es keine Rolle, ob dieser Mensch Afghane oder Brite ist. ("Mauert√§nzer", S. 103)

Zur Autorin: Andrea Busfield, 1970 geboren, ist britische Journalistin. 2001 bereiste sie Afghanistan, verliebte sich in das Land und erf√ľllte sich 2005 einen Traum: Sie zog nach Kabul und arbeitete als Redakteurin bei "Sada-e-Azadi" (Stimme der Freiheit), die von der "International Security Assistance" Force gegr√ľndet wurde. Im Anschluss schrieb sie f√ľr die "Gulf Times" in Qatar, bis sie nach Europa zur√ľckkehrte, um in Wien zu leben. (Quelle: Verlagsinformationen)

Zur √úbersetzerin: Cornelia Holfelder-von der Tann , 1950 geboren, √ľbersetzt seit 1976 hauptberuflich Literatur aus dem Englischen f√ľr verschiedene deutsche Verlage; sie ist Vorstandsmitglied im Freundeskreis zur internationalen F√∂rderung literarischer und wissenschaftlicher √úbersetzungen e.V. Cornelia Holfelder-von der Tann lebt in Freiburg. (Quelle: Verlagsinformationen)

AVIVA-Tipp: Fawads Gedanken und Erlebnisse bieten einen einmaligen Einblick in ein Land, das von Krieg und Not zerst√∂rt wurde und √ľber das frau in den Nachrichten h√§ufig allein durch Katastrophen h√∂rt. Der elfj√§hrige Junge erz√§hlt von seinem Leben zwischen Bomben und zerst√∂rten Familien mit einer Ruhe und Kraft, die nur aus dem Mund eines Kindes kommen kann, das schon viel erleben musste. Der junge Afghane kennt den Frieden und die Geborgenheit europ√§ischer Kinder nicht ‚Äď daf√ľr genie√üt er jeden Tag in vollen Z√ľgen und hat Augen und Ohren immer ge√∂ffnet. Ein zauberhafter Ausflug in die Welt Afghanistans, der jede LeserIn verzaubern wird. Absolut lesenswert!

Hilfe f√ľr Afghanische Kinder

Lange Kriegsjahre haben bei vielen afghanischen Kindern seelische und k√∂rperliche Narben hinterlassen. Eltern wurden get√∂tet oder verst√ľmmelt, ganze Familien mussten fliehen oder wurden vertrieben, und die Armen Afghanistans k√§mpfen nach wie vor ums t√§gliche √úberleben, weshalb viele Kinder, statt zur Schule zu gehen, zum Lebensunterhalt beitragen m√ľssen.

Die Nichtregierungsorganisiation ASCHIANA mit Sitz in Kabul wurde 1995 gegr√ľndet, um Stra√üenkindern und kriegsgesch√§digten Kindern eine Schul- oder Ausbildung zu erm√∂glichen. F√ľr 20 Dollar im Monat k√∂nnen Sie das Leben eines afghanischen Kindes wirksam ver√§ndern.
Nähere Informationen erhalten Sie unter: www.aschiana-foundation.org


Andrea Busfield
Mauertänzer

√úbersetzerin: Cornelia Holfelder-von der Tann
Originaltitel: Born under a Million Shadows
Atrium Verlag, erschienen März 2009
Gebunden, Seiten: 334
ISBN-13: 978-3-85535-043-8
19,90 Euro

Literatur Beitrag vom 26.03.2009 Jana Muschick 





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