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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 19.06.2009

Katja Behling und Anke Manigold - Die Malweiber
Jana Muschick

Else Lasker-Sch├╝ler, Paula Modersohn-Becker und Clara Rilke-Westhoff sind drei der insgesamt 42 Portraits von Malerinnen, deren Leben und Wirken in diesem Bildband pr├Ąsentiert werden ...



... doch sie f├╝gen sich eher in den aufgef├╝hrten Reigen der K├╝nstlerinnen, als dass sie die Darstellungen in "Die Malweiber" dominieren.

Den Autorinnen Katja Behling und Anke Manigold ist damit eine bemerkenswerte Auswahl "unerschrockener K├╝nstlerinnen um 1900" gelungen. Den Fokus haben sie dabei auf K├╝nstlerinnen aus Deutschland, ├ľsterreich und der Schweiz gelegt. Alle hier dargestellten Frauen haben dabei eines gemeinsam: es war ihre gr├Â├čte Passion, sich kreativ und produktiv im Metier der Kunst zu verwirklichen.

K├╝nstlerin ohne akademische Ausbildung

F├╝r Frauen war es im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr schwierig, sich als Malerinnen ausbilden zu lassen, denn ein professioneller k├╝nstlerischer Unterricht wurde f├╝r viele begabte T├Âchter aus gut situiertem Haus als v├Âllig inakzeptabel betrachtet. Von ihren Familien blieb ihnen jede Unterst├╝tzung versagt, von den M├Ąnnern wurden sie als unbegabt wahrgenommen und von der Kunstwelt verlacht.

Dessen ungeachtet schufen sich K├╝nstlerinnen ihren Raum zum Malen, brachen durch die gesellschaftlichen Erwartungen an ihre Rolle als Frau und gingen nach Paris, Wien, M├╝nchen oder Berlin, um sich der Avantgarde anzuschlie├čen und Kunst zu produzieren. Bis 1919 wurde Frauen im Zentrum Europas eine Aufnahme an die Akademien verwehrt. Sie mussten sich von ihren Familien emanzipieren und wurden als "Malweiber" verspottet ÔÇô eine karikierende Bezeichnung m├Ąnnlicher K├╝nstler f├╝r die ┬┤unnormale, dilettantisch-unkreative Frau┬┤.

Bekannte und vergessene K├╝nstlerinnen

Unter den in dem Buch "Die Malweiber" vorgestellten Frauen finden sich bedeutende Namen wie Paula-Modersohn-Becker, Clara Rilke Westhoff oder auch Else Lasker-Sch├╝ler.
K├Ąthe Kollwitz
stellt unter den bekannteren K├╝nstlerinnen eine Ausnahme dar, denn sie war schon zu Lebzeiten anerkannt. Frauen, deren Namen heute vergessen sind, da sie von KunsthistorikerInnen der vergangenen Jahrzehnte h├Ąufig ┬┤├╝bersehen┬┤ wurden, erhalten im Buch die gleiche Aufmerksamkeit wie ihre ber├╝hmten Kolleginnen. Unter ihnen befinden sich Augusta von Zitzewitz, Broncia Koller oder Emmi Walther.

Die 42 Portraits aus dem Buch "Die Malweiber" sind ein wichtiger Beitrag zur Einf├╝hrung ┬┤vergessener┬┤ K├╝nstlerinnen in den Kunstkanon der Moderne, in dem in den vergangenen Jahrzehnten eher m├Ąnnliche Maler zu finden waren, ÔÇô darunter etwa Franz Marc, Auguste Rodin oder Paul Cezanne ÔÇô als die Frauen, deren innovative, k├╝nstlerische Kraft ebenso zur Gestaltung der Moderne beitrug.

Radikale, weibliche Avantgarde

K├╝nstlerinnen, die den Begriff "Malweiber" teils ironisch, teils kritisch selbst f├╝r sich beanspruchten, stellten h├Ąufiger Frauen in den Mittelpunkt ihrer Gem├Ąlde. Die ungewohnte Radikalit├Ąt ihrer Kunst brach dar├╝ber hinaus auch R├Ąume auf, die vorher ausschlie├člich von M├Ąnnern frequentiert wurden ÔÇô so wie die K├╝nstlerkolonne in Worpswede oder spezielle Salons in Berlin, Paris, Wien oder M├╝nchen. Die Qualit├Ąt ihrer Kunst ver├Ąnderte schlie├člich bestehende Vorstellungen ├╝ber weiblich-kreative Fertigkeiten und brachte das heteronormativ gepr├Ągte Leben eines patriarchalischen Systems ÔÇô und Kunstbetriebs ÔÇô des 19. und fr├╝hen 20. Jahrhunderts ins Wanken.

Die K├╝nstlerinnen verwarfen den abendl├Ąndischen Kanon und bereicherten die moderne Malerei ab dem fr├╝hen 20. Jahrhundert in ein bis dahin unbekanntes Ausma├č. Die Portraits in "Die Malweiber" lassen auf verschiedene Art und Weise erkennen, wie Frauen in ihrem Leben um die Emanzipation von ihren Rollen innerhalb der Gesellschaft gek├Ąmpft haben und wie es ihnen teilweise gelungen ist, f├╝r das akzeptiert zu werden, was ihre gr├Â├čte Leidenschaft war.

Malerinnen, waren eine wichtige Inspirations- und Schaffensquellen an der Schwelle zur Moderne, weil sie mit ihrem k├╝nstlerisch-femininer Blick auf die Dinge eine neue Perspektive er├Âffneten. Dadurch besa├čen sie f├╝r die verschiedenen k├╝nstlerischen Str├Âmungen der Moderne einen elementaren Einfluss. Deshalb steht es ihnen auch zu, endlich von der Kunstwelt beachtet zu werden, denn das Aufbrechen der Ignoranz einer antiquierten kunsthistorischen Welt ist eines der Anliegen dieser vielschichtigen Biographiensammlung.

AVIVA-Tipp: Der Bildband "Die Malweiber" bietet einen beachtlichen visuellen Einblick in die Arbeit und Werke der K├╝nstlerinnen, in ihre Ateliers und ihre Inspirationsr├Ąume.

Zu den Autorinnen:

Katja Behling
studierte Medizin und Germanistik in Hamburg. Sie promovierte in Medizin. Danach folgte eine Weiterbildung in psychoanalytischer Psychotherapie und einige Jahre Arbeit in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie. Seit 1998 ist sie als Autorin sowie als Medizin- und Kulturjournalisten t├Ątig ÔÇô u. a. f├╝r das Wochenmagazin "tacheles" und das j├╝dische Monatsheft "Aufbau". Heute lebt Katja Behling mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Hamburg.
(Quelle: Verlagsinformationen)

Anke Manigold studierte Kunstgeschichte, klassische Arch├Ąologie sowie romantische Philologie und promovierte 1986 in G├Âttingen. Sie arbeitet als Autorin und seit 1987 auch als Kulturjournalistin, u. a. f├╝r "Die Welt", "Die Zeit" und "Brigitte". Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Hamburg.
(Quelle: Verlagsinformationen)


Katja Behling, Anke Manigold
Die Malweiber

Elisabeth Sandmann Verlag, erschienen M├Ąrz 2009
Gebunden, 154 Seiten
ISBN-13: 978-3-938045-37-4
24,80 Euro


Literatur Beitrag vom 19.06.2009 Jana Muschick 





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