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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 22.11.2009

Manja Wilkens und Hans Körner - Séraphine Louis
Sunna Krause-Leipoldt

S√©raphine Louis war eine verschrobene Existenz am Rande der Gesellschaft ‚Äď und eine der wichtigsten Vertreterinnen der naiven Kunst im Frankreich der 20er und 30er Jahre. Zugleich Biographie und...



...Werkverzeichnis, gibt das Buch von Hans K√∂rner und Manja Wilkens Einblick in das Leben und Wirken dieser au√üergew√∂hnlichen K√ľnstlerin.

Am 2. September 1864 wird S√©raphine Louis in dem kleinen Ort Arsy-sur-Oise in bescheidene Verh√§ltnisse hinein geboren. Ihre Mutter starb bereits ein Jahr nach ihrer Geburt und mit dem Tod ihres Vaters 1871 wurde sie zur Vollwaisen. √úber S√©raphines Kindheit ist wenig bekannt. Zwischen 1877 und 1881 arbeitete sie als Dienstm√§dchen in Paris und Compi√®gne und danach lebte sie f√ľr 20 Jahre im Kloster der Schwestern des Couvent de la Charit√© de la Providence. 1903 oder 1904 kam S√©raphine Louis als Putzfrau nach Senlis.

Den Beginn ihres k√ľnstlerischen Schaffens ‚Äď Arbeiten auf Vasen, Tellern und Papieren - datiert sie selbst auf das Jahr 1905. Ihre Entdeckung durch Wilhelm Uhde lag zu diesem Zeitpunkt noch in weiter Ferne, doch sie verkaufte oder tauschte schon damals kleinere Bildchen unter den BewohnerInnen von Senlis.

1912 war sie f√ľr einige Zeit im Dienst von Uhde, der ihr Talent zwar entdeckte, doch ihm offenbar noch nicht die volle Bedeutung beima√ü. Bei seiner Flucht vor den Deutschen zu Beginn des ersten Weltkrieges lie√ü er die von ihr gekauften Bilder in Senlis zur√ľck.

In den 20er Jahren erschloss die franz√∂sische Kunstszene die naive Malerei f√ľr sich und eine Ausstellung lokaler K√ľnstlerInnen in Senlis erinnerte Wilhelm Uhde an seine dortige Entdeckung. Er entschloss sich, S√©raphines Arbeit zu f√∂rdern und schon bald war sie so erfolgreich, dass sie ihre Putzfrauent√§tigkeit aufgeben und von der Malerei leben konnte.

Diese Entwicklung wurde von den BewohnerInnen von Senlis mit großem Unglauben aufgenommen. Ihnen war die schrille Person bis dahin in erster Linie durch ihr eigenartiges Verhalten und ihren Verfolgungswahn aufgefallen. Nun begeisterte sie die Pariser Kunstszene und SammlerInnen in ganz Europa.

Ende 1930 nahmen ihre, teils religiösen, Visionen und Wahnvorstellungen jedoch solche Ausmaße an, dass Séraphine Louis 1932 in eine Anstalt eingewiesen werden musste. Damit endete auch ihre Zeit als Malerin und am 11. Dezember 1942 starb sie schließlich in der Einrichtung.

"S√©raphine Louis" von Hans K√∂rner und Manja Wilkens besch√§ftigt sich mit dem Menschen, der hinter der √∂ffentlichen Person steht. Detailliert bem√ľhen sich die AutorInnen, die Lebensabschnitte der K√ľnstlerin aus einer Vielzahl verschiedener Quellen heraus zu rekonstruieren. Keine leichte Aufgabe, da diese heute gefeierte Malerin zu Lebzeiten kaum Ber√ľhmtheit genoss und in der Erinnerung der Stadt Senlis haupts√§chlich durch ihr eigenwilliges Verhalten fortlebte. K√∂rner und Wilkens ist es dennoch durch die Besch√§ftigung mit ihren Arbeiten gelungen, ein sehr pers√∂nliches Bild dieser au√üergew√∂hnlichen Frau zu zeichnen.

Ihre Publikation ist in erster Linie Werkverzeichnis und Bildinterpretation. Durch eine Einteilung in verschiedene Phasen des Schaffens und deren Analyse bekommt die Leserin eine Vorstellung von der Frau S√©raphine Louis hinter der K√ľnstlerin S√©raphine von Senlis. Diese bleibt, wie bereits erw√§hnt, leider unvollst√§ndig, daf√ľr finden KunstliebhaberInnen in dem Buch ein Verzeichnis ihrer Werke, Informationen √ľber deren Aufenthaltsort und die angewandten Maltechniken sowie Interpretationsans√§tze zu den Arbeiten der Malerin. Neben einem umfangreichen Katalog mit Abbildungen von S√©raphine Louis¬ī Gem√§lden erhalten die LeserInnen zudem Darstellungen von weiteren Kunstschaffenden jener Zeit.

AVIVA-Tipp:"S√©raphine Louis" ist eine Arbeit √ľber eine beeindruckende K√ľnstlerin und dabei selbst ein kleines Kunstwerk f√ľr sich. Das Buch ist auf jeweils gegen√ľberliegenden Seiten in Franz√∂sisch und Deutsch geschrieben, auf hochwertigem Papier gedruckt und mit reichlich Abbildungen versehen. Aufgrund der schwierigen Quellenlage haben die AutorInnen den Weg gew√§hlt, das Leben von S√©raphine anhand ihrer Arbeiten nachzuvollziehen. Dieser Ansatz er√∂ffnet eine interessante Perspektive, die auch LaiInnen einen Einstieg in die Welt der Kunst erm√∂glicht.

Zu den AutorInnen:

Hans Körner
, geboren 1951 in W√ľrzburg, studierte in seiner Heimatstadt, Salzburg und M√ľnchen. 1977machte er seine Promotion und 1986 die Habilitation an der Ludwig-Maximilians-Universit√§t M√ľnchen. Seit 1992 ist er Lehrstuhlinhaber im Bereich Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universit√§t D√ľsseldorf.
(Quelle: Heinrich-Heine-Universit√§t D√ľsseldorf)
Weitere Infos und Kontakt unter:
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/kunst/institut/dozenten/univ-prof-dr-hans-koerner/

Manja Wilkens ist freie Ausstellungskuratorin und forscht im Bereich Kunst und Kunstgewerbe des 19. und 20. Jahrhunderts und politische Ikonographie.
(Quelle: Reimer Verlag)

Hans Körner und Manja Wilkens
Séraphine Louis

√úbersetzt von Annette Gautherie-Kampka
Reimer Verlag, 1. Auflage Mai 2009
260 Seiten, Gebundene Ausgabe
Sprache: Französisch und Deutsch
ISBN: 978-3-496-01405-8
39,90 Euro
www.reimer-mann-verlag.de

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Literatur Beitrag vom 22.11.2009 AVIVA-Redaktion 





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